Der deutsche Stromriese verschärft sein Sparprogramm: RWE findet keinen Ausweg aus der Krise. -

Der deutsche Stromriese verschärft sein Sparprogramm: RWE findet keinen Ausweg aus der Krise. - Bild: Michael Kirste

Der Gewinn von RWE bricht weiter ein: Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern hat gemessen am nachhaltigen Nettoergebnis im vergangenen Jahr fast die Hälfte weniger verdient als im Vorjahr.

Dennoch hält der Versorger die Dividende stabil: Vorstand und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung eine Ausschüttung von einem Euro je Aktie vorschlagen. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit weiteren Ergebnisrückgängen.

Ausbau der erneuerbaren Energien kostet Geld

Wie seine Konkurrenten verdient RWE angesichts des Ausbaus der erneuerbaren Energien mit seinen konventionellen Kraftwerken immer weniger Geld. Vor diesem Hintergrund erwirtschaftete der Konzern unter dem Strich, aber bereinigt um Sondereffekte, im vergangenen Jahr einen Gewinn von 1,28 Milliarden Euro und damit 44,6 Prozent weniger als im Vorjahr. 2013 hatte allerdings eine Einmalzahlung des Gaslieferanten Gazprom die Kennziffer deutlich erhöht.

Zudem war das operative Geschäft der Öl- und Gasfördertochter Dea noch im nachhaltigen Nettoergebnis enthalten gewesen. 2014 flossen nur die anteiligen Zinsen auf den Verkaufspreis, die der Käufer Letter One RWE vertraglich zugesagt hat, in die Kennzahl ein. Der Ergebnisrückgang lag im Rahmen der Erwartungen von RWE: Der Konzern hatte zuletzt einen Wert von 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Das Ergebnis nach Steuern und Dritten fiel 2014 aber deutlich besser aus als im Vorjahr. Unter dem Strich erzielte RWE unter anderem durch den Dea-Verkauf einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro. 2013 hatte der Versorger zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs einen Milliardenverlust geschrieben. Grund dafür waren vor allem Abschreibungen von 4,8 Milliarden Euro gewesen.

Operativ ging der Gewinn von RWE 2014 deutlich zurück: Das Betriebsergebnis schrumpfte um rund ein Viertel auf 4 Milliarden Euro und fiel damit genauso aus wie von Analysten erwartet. Besonders stark verringerte sich das Ergebnis im Stromerzeugungsgeschäft. In der Sparte brach das Betriebsergebnis um 29 Prozent auf 979 Millionen Euro ein.

Krise in der konventionellen Stromerzeugung

“Die Krise in der konventionellen Stromerzeugung setzt sich fort. Dennoch wollen wir uns künftig auch wieder auf Wachstumsperspektiven konzentrieren, ohne unsere strikte finanzielle Disziplin aus den Augen zu verlieren”, zitierte RWE seinen Vorstandschef Peter Terium, dessen Vertrag der Energiekonzern vergangene Woche frühzeitig bis 2021 verlängert hatte.

Mit seinem Sparprogramm kommt RWE unterdessen schneller voran als gedacht: Zwischen 2012 und 2014 senkte der Konzern die Kosten um 1,4 Milliarden Euro – das waren 250 Millionen Euro mehr als geplant. Deshalb hat RWE das Sparziel um 500 Millionen angehoben. Ab 2017 sollen Einsparungen in Höhe von 2 Milliarden Euro erreicht werden.

Für das laufende Jahr rechnet RWE dennoch mit weiteren Ergebnisrückgängen. Der Konzern erwartet ein EBITDA in Höhe von 6,1 bis 6,4 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis soll zwischen 3,6 und 3,9 Milliarden Euro liegen. Das nachhaltige Nettoergebnis sieht der Konzern bei 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro.

Auf RWE lasten weiterhin hohe Schulden: Die Nettoverbindlichkeiten beliefen sich Ende Dezember auf rund 31 Milliarden Euro und damit auf Vorjahresniveau. Um seine Schulden abzubauen, hat RWE vergangene Woche seine Öl- und Gasfördertochter Dea für 5,1 Milliarden an die russische Investmentgesellschaft Letter One um den Milliardär Michail Fridman verkauft.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke