"Die Durststrecke wird auf jeden Fall über 2015 hinausgehen", sagte der RWE-Chef Peter Terium. -

"Die Durststrecke wird auf jeden Fall über 2015 hinausgehen", sagte der RWE-Chef Peter Terium. - Bild: RWE

RWE-Chef Peter Terium spricht immer offener über eine mögliche Aufspaltung des Energiekonzerns nach dem Vorbild von E.ON.

“Wenn das die Lösung ist, sind wir die Ersten, die folgen”, sagte Terium bei einem Gespräch mit Journalisten in Düsseldorf. Er wolle lieber “fast follower sein als first mover”.

RWE steht unter Druck: Terium rechnet auch im nächsten Jahr nicht mit einer Verbesserung der Ergebnisse. “Die Durststrecke wird auf jeden Fall über 2015 hinausgehen”, sagte der RWE-Chef. Die Entwicklung hänge unter anderem von den Strompreisen ab sowie von der Frage, ob die Bundesregierung eine Klimaabgabe auf alte Kraftwerke einführt.

Um gegenzusteuern, will der Konzern die Kosten im Kraftwerksgeschäft weiter senken. “Wir arbeiten in der Erzeugung daran, weitere Einsparungen vorzunehmen”, sagte Terium. “Ohne weitere Maßnahmen würden wir bei den heutigen Strompreisen in der Erzeugung 2017 Verluste schreiben.” Der Konzern habe die beeinflussbaren Kosten in der Sparte bereits um 30 Prozent gesenkt. Zuletzt hatte RWE sein konzernweites Sparprogramm um 500 Millionen Euro aufgestockt. Bis 2017 will der Konzern die Kosten verglichen mit 2012 um 2 Milliarden Euro senken.

RWE verdient immer weniger

RWE verdient wie andere Versorger angesichts des Ökostrom-Ausbaus mit seinen konventionellen Kraftwerken immer weniger. Konkurrent E.ON will sich deshalb ab dem nächsten Jahr auf erneuerbare Energien konzentrieren und das Geschäft mit den Kohle- und Gaskraftwerken in ein neues Unternehmen namens Uniper auslagern.

Bei RWE sind derzeit die Sorgen um die Zukunft der für den Konzern wichtigen Braunkohle groß. “Bei Strompreisen von 30 bis 32 Euro pro Megawattstunde lässt sich in der Braunkohle kein ordentliches Geld verdienen”, sagte Terium. Zudem wird in Berlin gerade darum gerungen, wie sich die CO2-Sparziele der Bundesregierung umsetzen lassen. Eine Abgabe auf alte Kraftwerke. wie sie das Wirtschaftsministerium vorgeschlagen hat, würde 17 von 20 RWE-Braunkohleblöcke in ihrer Existenz bedrohen, warnte der RWE-Chef.

Rückbau der Atomkraftwerke könnte Probleme machen

Auch der Rückbau der Atomkraftwerke könnte für den Konzern zu einem großen Problem werden. Derzeit prüft das Wirtschaftsministerium, ob die Rückstellungen von den Betreibern RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall in Höhe von rund 38 Milliarden Euro ausreichen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kam kürzlich in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass die Rücklagen zu niedrig sind und forderte daher die Gründung eines öffentlich-rechtlichen Fonds. Terium zeigte sich offen dafür, mit der Bundesregierung über eine solche Lösung zu reden. Bisher sei das noch nicht geschehen, sagte der RWE-Chef. “Wir verschließen uns Gesprächen [aber] nicht.”

Unternehmen versucht sich auf anderen Märkten

Angesichts der Schwierigkeiten auf dem Heimatmarkt versucht RWE, sich neue Märkte zu erschließen. Wachstumsmöglichkeiten sieht Terium dabei im Nahen Osten und in Nordafrika: “Wir sehen Potenzial in der ganzen Region.” RWE ist bereits seit mehreren Monaten in Gesprächen über eine mögliche Kooperation mit einem Investor aus Abu Dhabi. “Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit: gemeinsame Projekte, ein Joint Venture, eine Kapitalerhöhung oder jede mögliche Kombination”, sagte Terium. “Es geht um eine langfristige Zusammenarbeit.” Die Gespräche drehten sich “um das gesamte Energiesystem”: um Netze, Energieeffizienz, Speichermöglichkeiten und die Umstellung von konventionellen auf erneuerbare Energien.

In Dubai hat RWE bereits seit längerem ein Büro. Zuletzt erhielt ein Joint Venture von RWE und dem staatlichen Energieunternehmen Dubai Electricity and Water Authority den Zuschlag, eine Energiestrategie für die dortige Regierung zu entwickeln.

Dass die Kommunen, die rund 24 Prozent der RWE-Anteile halten, dem Konzern bei seinen Plänen im arabischen Raum im Weg stehen könnten, erwartet Terium nicht: “Die Kommunen haben uns immer unterstützt.”

Dow Jones Newswires/Andrea Hecht