Die Saargummi Gruppe stellt Dichtungssysteme vor allem für automobile Anwendungen her (Bild:

Die Saargummi Gruppe stellt Dichtungssysteme vor allem für automobile Anwendungen her (Bild: Saargummi).

WADERN-BÜSCHFELD (ks). Der Schritt sei notwendig geworden, “nachdem die intensiven Bemühungen des Unternehmens um die eigene Sanierung nicht zum Erfolg geführt” hätten. Bis zuletzt habe die Geschäftsführung mit den Arbeitnehmervertretern, dem Gesellschafter, den Banken und den großen Automobilherstellern um eine Lösung gerungen.

Das Unternehmen gehört mehrheitlich dem Finanzinvestor Odewald & Cie. Nach dem Motorblockhersteller Honsel geht damit innerhalb von zwei Wochen bereits der zweite Autozulieferer pleite, dessen Eigentümer Finanzinvestoren sind.

Betroffen von der Insolvenz ist nur die Saargummi Deutschland GmbH in Wadern-Büschfeld, die hauptsächlich das Automobilzuliefergeschäft für den deutschen Markt abwickelt. Nicht betroffen sind die übrigen deutschen Gesellschaften, die Luxemburger Konzernholding sowie die Auslandsgesellschaften.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurden die Saarbrücker Rechtsanwälte Udo Gröner, Heimes & Müller, sowie Jean-Olivier Boghossian, Schultze & Braun, bestellt. Beide haben noch am Nachmittag ihre Arbeit in Wadern-Büschfeld aufgenommen und in Kooperation mit der Geschäftsleitung der Saargummi Gruppe sowie einem Vertreter der großen Automobilkunden (OEM) über die für eine Fortführung des Geschäftsbetriebs erforderlichen Sofortmaßnahmen entschieden. „Priorität hat für uns zunächst die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs und eine möglichst reibungslose Belieferung der Kunden aus der Automobilindustrie“, sagte Udo Gröner. „Wir haben uns deshalb zunächst um diejenigen Entscheidungen gekümmert, die sicherstellen, dass die Unternehmensgruppe mit Zwischenprodukten beliefert wird und somit fertige Ware an die Kunden ausliefern kann“, sagte ergänzend Jean-Olivier Boghossian. Die OEM werden die Fortführung des Geschäftsbetriebs aktiv unterstützend begleiten.

Mitarbeiter sehen Insolvenz als Chance, den Finanzinvestor loszuwerden

Mit einer ungewöhnlichen Erklärung hat der Betriebsrat des Unternehmens auf den Insolvenzantrag der Geschäftsführung für die deutsche Gruppe reagiert. “Aus unserer Sicht ist die Insolvenz eine Chance”, sagte Betriebsratschef Arno Dühr laut “Handelsblatt”. “Der Betriebsrat geht davon aus, dass man hierdurch die Schuldigen der Misere, den Finanzinvestor Odewald & Compagnie sowie wesentliche Teile der Geschäftsführung, los wird.”

Die Saargummi Gruppe stellt Dichtungssysteme vor allem für automobile Anwendungen her. Im Jahr 2009 erzielte Saargummi weltweit mit etwa 3.300 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 300 Mio Euro. Die Saargummi Deutschland GmbH in Büschfeld hat rund 850 Mitarbeiter.