MÜLHEIM/RUHR (DJ/gk). Der Stahlkonzern Salzgitter will auf der Entwicklung des ersten Quartals aufbauen. “Es gibt keine Indizien für einen Rückgang der Ertragskraft in den Folgequartalen”, sagte der Vorstandsvorsitzende Heinz Jörg Fuhrmann am Montagabend vor Journalisten. Deutschlands zweitgrößter Stahlproduzent hatte vergangene Woche nach einem Vorsteuergewinn von 56 Mio Euro im ersten Quartal das Jahresziel auf bis zu 150 Mio Euro angehoben.

Für den Flachstahlbereich zeigte sich Fuhrmann zuversichtlich, dass die Nachfragedelle der zurückliegenden Wochen, die dem Manager zufolge den Preis um 50 Euro je Tonne sinken ließ, nur ein vorübergehendes Phänomen war. “Das war ein lager- oder importinduzierter Zyklus, den wir die vergangenen zwei Monate gesehen haben”, erklärte er den zugrundeliegenden Bedarf für gut. Mit den steigenden Weltmarktpreisen und der Euro-Abschwächung sinke der Importanreiz. “Ich kann mir vorstellen, dass wir die Einbußen im Quartalsgeschäft wieder wettmachen”, deutete Fuhrmann eine Verteuerung bei Flachstahl im Sommervierteljahr an.

Die Lage bei Grobblechen ist laut dem seit Februar amtierenden Vorstandsvorsitzenden “sehr gut”. Dort habe es keine Abschwächung gegeben und eine solche sei bis ins dritte Quartal hinein nicht sichtbar. Bei Trägern und Spundwänden, wo der geschäftliche Erfolg von der Baukonjunktur abhängig ist, bezeichnete Fuhrmann die Nachfrage als “immer noch hinkend”.

Die im MDAX notierte Salzgitter AG hatte ihren Umsatz von Januar bis März um ein Fünftel auf 2,3 Mrd Euro gesteigert. Vier der fünf Unternehmensbereiche schrieben schwarze Zahlen und sorgten zusammen mit dem Gewinn aus der Beteiligung am Kupferkonzern Aurubis für einen Vorzeichenwechsel. Nach einem Verlust von 17 Mio Euro vor Steuern vor einem Jahr verdiente der Konzern nun 56 Mio Euro.

Der Unternehmensbereich Röhren, der zum Beispiel die Ostseepipeline Nord Stream beliefert, steigerte seinen Gewinn zum Jahresauftakt ebenfalls. Bereichsvorstand Wolfgang Eging erwartet bis zum Jahresende volle Beschäftigung in seinem Segment. Nur die Aktivitäten in den USA litten immer noch unter den Nachwirkungen der Stahlkrise, sagte er.

Sorgenkind bleibt die Technologiesparte, die von Januar bis März wieder einen Verlust einfuhr. Fuhrmann berichtete von einem “beinharten Wettbewerb, in dem Marktanteile oft wichtiger als Erlöse sind”. Im Wettbewerb mit den beiden größten Konkurrenten Krones und Sidel würden gelegentlich Kampfpreise geboten, wies er auf die widrigen Umstände hin. Der “internen Gründe” für die Profitschwäche der Sparte versucht Salzgitter mit einem Sparprogramm Herr zu werden.

Während es operativ auf Konzernbasis zu großen Teilen wieder rund läuft, beschäftigt sich Fuhrmann auch mit strategischen Themen. “Zukäufe haben keine Priorität, aber Gelegenheiten nehmen wir immer gern mit”, erklärte er. Dabei seien die Bereiche Röhren, Handel und Technologie im Fokus, wogegen die Primärstahlproduktion sicher nicht ausgebaut werde. “Wir sind in der Lage, 500 Mio Euro zu aktivieren”, gab Fuhrmann eine Ahnung von den Möglichkeiten des sparsamen Konzerns. Gespräche über kleinere Akquisitionen laufen bereits.