Neben SKW Metallurgie geht auch Salzgitter von einer weiter steigenden Stahlnachfrage aus (Bild:

Neben SKW Metallurgie geht auch Salzgitter von einer weiter steigenden Stahlnachfrage aus (Bild: Salzgitter).

Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires

DÜSSELDORF (ks)–Zwar seien die Kunden vorsichtiger geworden, aber die Auftragslage im Oktober sei nicht so schlecht gewesen, wie die Stimmung habe vermuten lassen, hieß es. Die Salzgitter AG bekräftigte mit Blick auf die “verhaltenere, aber immer noch auskömmliche Nachfrage” das Jahresziel eines Vorsteuergewinns von rund 200 Mio Euro. Nach neun Monaten legte der Umsatz auf 7,3 Mrd von 6,2 Mrd Euro zu. Der Gewinn vor Steuern erhöhte sich auf 169 Mio Euro. Dabei half erneut die Beteiligung am Kupferkonzern Aurubis, die knapp 53 Mio Euro zum Ergebnis beitrug.

Das Unternehmen profitierte von der guten Konjunktur in den ersten drei Quartalen. So wurden im Stahlsegment ein Viertel mehr Erlöse und eine Verdreifachung des Ergebnisses verzeichnet. Auch der Röhrenbereich – Salzgitter fertigte etwa die Rohre für die diese Woche eröffnete Ostsee-Pipeline Nord Stream – verdreifachte seinen Gewinn.

Sorgenkind bleibt der hauptsächlich aus den Klöckner-Werken bestehende Technologiesektor. Die zu schlechten Margen akquirierten Aufträge der Vorjahre führten zu einem Verlust von fast 37 Mio Euro, deutlich mehr als im Vorjahr. Salzgitter hat hier erst im August das Sparprogramm verschärft.

Das Bild nach neun Monaten ist mit den Zuwächsen damit ähnlich wie bei anderen Unternehmen der Stahlbranche. Unterschiedlich scheinen aber die Zukunftsaussichten oder zumindest die Annahmen über den weiteren Fortgang der Geschäfte zu sein. So geht der deutsche Stahlverband wegen der ausgebliebenen Belebung nach der Sommerpause nicht mehr davon aus, das Produktionsziel in diesem Jahr zu erreichen. Der Metallhändler KlöCo wird im zweiten Halbjahr sogar Verluste schreiben und erwartet in Europa für 2012 eine “allenfalls stabile” Nachfrage.

Auch bei Salzgitter sind erste Bremsspuren sichtbar. So gingen zum Beispiel im Stahlbereich von Juli bis September weniger Aufträge ein als vor einem Jahr, die Produktion wurde “moderat angepasst”. Das Unternehmen gesteht zwar mit Blick auf die Euro-Krise ein “gewisses Risiko” ein, “dass hieraus eine gravierende Belastung der verarbeitenden Wirtschaft entstehen könnte”, wie es hieß. “Allerdings sind aus unserer Sicht noch immer keine konkreten Hinweise auf eine signifikante Eintrübung der Auftragslage von Stahlverarbeitern im Euro-Raum zu verzeichnen”, wehrte der Konzern übertriebene Konjunktursorgen ab.

Das sonst eher zur Vorsicht neigende Unternehmen überrascht damit auch den Aktienmarkt. Obwohl der Gewinn etwas unterhalb der Erwartungen lag, zeigen die bekräftigte Prognose und die hoffnungsvollen Aussagen ihre Wirkung. Zum Auftakt des Handels gewinnen Salzgitter-Aktien über 2%.

Allein sind die Niedersachsen mit ihrem “gedämpftem Optimismus” nicht. Auch SKW Stahl-Metallurgie, die ihre Chemikalien zu 90% an Stahlhersteller liefert, bezeichnet ihre Zuversicht als “vorsichtig”, geht aber von weiterem Wachstum der Stahlnachfrage in allen Weltregionen im kommenden Jahr aus.