Salzgitter, Trump, USA, Strafzölle, Exporte

Hochofen der Salzgitter AG: Seit Ende März sind für den deutschen Stahlkocher die US-Exporte deutlich teurer geworden. - Bild: Salzgitter

Im Gefolge von Dumpingvorwürfen der von Donald Trump geführten US-Regierung hat das erste deutsche Unternehmen die Zahlung eines Strafzolls bestätigt. "Das ist seit dem 30. März rechtskräftig, und unser Produkt Grobblech wird seitdem mit Strafzöllen von 22,9 Prozent belegt", sagte laut Meldung der Nachrichtenagentur dpa ein Sprecher der Salgitter AG.

Die Strafzölle würden aber nicht rückwirkend erhoben, betonte der Sprecher. Laut der Agentur-Meldung wies Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller aber die gegen ihn erhobenen Dumpingvorwürfe erneut entschieden zurück. Das US-Geschäft trägt sechs Prozent zum Umsatz des Stahlkochers bei.

Ende März hatte das US-Wirtschaftsministerium in einem Verfahren gegen Unternehmen unter anderem aus Österreich, Belgien, Frankreich, Italien sowie gegen die Salzgitter AG und Dillinger Hütte sogenannte Dumping-Raten festgesetzt, weil sie angeblich Preisdumping betrieben haben.

Im Untersuchungszeitraum 2015 soll es nach US-Berechnungen um Einfuhren im Wert von 732 Millionen Dollar (677 Millionen Euro) gehen. Davon entfielen 192,2 Millionen Dollar auf Importe aus Deutschland. Salzgitter und Dillinger werden Dumping-Raten von 22,9 und 5,38 Prozent unterstellt. Gemeint ist damit der Prozentsatz, um den der Preis nach Auffassung der US-Regierung unter die Herstellungskosten oder den Einkaufspreis gedrückt worden ist.

Eine Kommission der US-Regierung soll am 15. Mai noch separat befinden, ob durch die vorgeworfenen Dumpingpraktiken die heimische Wirtschaft geschädigt worden ist.

Außen- und Wirtschaftsministerium in Berlin warfen den Amerikanern bereits Ende März vor, falsch gerechnet zu haben. "Trotz unseres Einsatzes und der mehrfachen Intervention der Europäischen Union hat das US-Wirtschaftsministerium in dem Verfahren WTO-widrige Berechnungsmethoden angewandt mit dem Ziel, US-Wettbewerbern in der Stahlindustrie zu schaden", erklärte Außenminister Sigmar Gabriel. "Die US-Industrie soll geschützt werden, indem man die bessere deutsche Stahlindustrie benachteiligt."

Gabriel ging noch einen Schritt weiter und adressierte seine Kritik direkt an den neuen US-Präsidenten Donald Trump und seine Mannschaft. Es handele sich um das erste Anti-Dumping-Verfahren im Stahlbereich unter der neuen Administration, erklärte der Vizekanzler. "Die US-Regierung ist offenbar bereit, amerikanischen Unternehmen unfaire Wettbewerbsvorteile gegen europäische und andere Unternehmen zu verschaffen, auch wenn das gegen internationales Handelsrecht verstößt."

Mit der erstmaligen Zahlung des Strafzolls wird es laut dpa wahrscheinlicher, dass die EU-Kommission eine Klage bei der Welthandelsorganisation WTO einreicht.

Mit Material von Dow Jones Newswires