Japan

Japanische Unternehmen wurden schon in der Vergangenheit abgehängt, als sich Technologien weiterentwickelten. Einst waren sie am Handymarkt führend, doch dann dezimierte das iPhone von Apple ihre Marktanteile. Japanische Hersteller sprangen zu spät auf den Smartphone-Zug auf. Und auch die japanischen Chip-Hersteller regieren nicht mehr wie vor einem Vierteljahrhundert den Markt. - Bild: Pixabay

Sie befürchten, dass sie das Rennen um zukunftsträchtige Automobiltechnologien verlieren könnten./

"Diese Branche verändert sich rasant", sagte der japanische Industrieminister Hiroshige Seko am Dienstag im Zusammenhang mit dem Samsung-Zukauf. "Über Branchengrenzen hinweg werden Allianzen geschmiedet. Japan muss mit einer klaren Strategie an dieser Technologie arbeiten."

Branche verändert sich rasant

Japanische Unternehmen wurden schon in der Vergangenheit abgehängt, als sich Technologien weiterentwickelten. Einst waren sie am Handymarkt führend, doch dann dezimierte das iPhone von Apple ihre Marktanteile. Japanische Hersteller sprangen zu spät auf den Smartphone-Zug auf. Und auch die japanischen Chip-Hersteller regieren nicht mehr wie vor einem Vierteljahrhundert den Markt.

Japanische Unternehmen wurden schon in der Vergangenheit abgehängt, als sich Technologien weiterentwickelten. Einst waren sie am Handymarkt führend, doch dann dezimierte das iPhone von Apple ihre Marktanteile. Japanische Hersteller sprangen zu spät auf den Smartphone-Zug auf. Und auch die japanischen Chip-Hersteller regieren nicht mehr wie vor einem Vierteljahrhundert den Markt.

Die Heimat von Toyota, Nissan und Honda kann es sich schlecht leisten, Unternehmen in Ländern wie den USA und Südkorea die Kerntechnologien hinter selbstfahrenden Autos und vernetzten Fahrzeugen zu überlassen. Die Exporte von Autos und Autoteilen machten vergangenes Jahr 20 Prozent der japanischen Gesamtexporte aus.

Produkte mit hoher Wertschöpfung

"Das Schicksal der japanischen Wirtschaft hängt von der Fähigkeit der Automobil- und Elektronikbranchen ab, weiterhin Produkte mit hoher Wertschöpfung zu verkaufen", heißt es in einem Bericht des japanischen Wirtschaftsministeriums. "Wenn diese Branchen zu reinen Subunternehmern der globalen Software-Riesen werden, die Plattformen anbieten und betreiben, auf denen andere Unternehmen ihr Geschäft aufbauen, bleiben Japan nur noch die Hersteller von Produkten ohne große Wertschöpfung", heißt es in dem Bericht.

Im Oktober sicherte sich das Wirtschaftsministerium rund 195 Millionen Dollar, mit denen es Unternehmen hilft, Anwendungen der künstlichen Intelligenz zu erforschen. Darunter fallen auch fahrerlose Autos.

Japanischer Staat will für mehr Innovation sorgen

Die Übernahmen der vergangenen Monate zeigen, dass die wichtigsten Zulieferer von Toyota selbst versuchen, ihr Wissen über Zukunftstechnologien zu vergrößern. Im September hat die Firma Renesas Electronics (an der ein japanischer Staatsfonds die Mehrheit besitzt) angekündigt, den US-Chiphersteller Intersil für 3,2 Milliarden Dollar zu kaufen. Damit wolle man die Automobilsparte stärken.

Industrieminister Seko sagt, dass die Regierung unter Umständen ihre Mehrheit bei Renesas behalten wolle, um sicherzustellen, dass die Technologien für autonome Fahrzeuge in japanischer Hand bleiben. "Die Regierung muss vorangehen, wenn Japan mit Giganten wie Google mithalten will", sagt er.

Der japanische Elektronikhersteller Panasonic gehört zu denen, die am Smartphone-Geschäft scheiterten. Heute erzielt er ein Drittel seiner Umsätze mit Automobil- und Industriesystemen und stellt unter anderem Batterien für Tesla Motors her.

Diese Woche hat Panasonic Pläne für ein Autosystem vorgestellt, das Spiegel durch Videobildschirme ersetzt. Einen passenden Komponentenhersteller hat Panasonic vergangenes Jahr gekauft.

Toyota selbst will in den kommenden Jahren mindestens 1 Milliarde Dollar in die Erforschung von Technologien für fahrerlose Autos investieren. Jahrelang hatte der Konzern zugesehen, wie Wettbewerber vorpreschten, doch bis 2020 will jetzt auch Toyota Autos bauen, die autonom auf Autobahnen fahren können.

Die Forschung sei für die Wettbewerbsfähigkeit von Toyota immens wichtig, sagt Masato Minakata, ein Ingenieur bei Toyota, der an neuen Technologien arbeitet.

 

Angst um Kontrolle über Software

Japanische Autobauer fürchten unter anderem, die Kontrolle über die Software zu verlieren, die im Kern der "vernetzten Autos" steckt. Diese Software soll Fahrern Smartphone-ähnliche Technologien wie zum Beispiel Informationen zu nahegelegenen Zielen bieten.

Auf diesem Gebiet wird Samsung durch die Harman-Übernahme Boden gutmachen. Harman-Manager Mike Tzamaloukas sagte Anfang des Jahres, dass das Unternehmen bei der Entwicklung vernetzter Autos eine Schlüsselrolle spielen wolle. Diese Technologie werde das Sprungbrett für halbautonome und autonome Autos sein.

Toyota umriss Anfang des Monats einen Plan, wie das Unternehmen bis 2020 all seine Autos mit dem Internet verbinden will. Dadurch könnte Toyota stärker in andere Geschäftsbereiche wie Carsharing einsteigen, sagt Shigeki Tomoyama, ein Toyota-Manager, der sich um die Entwicklung vernetzter Autos kümmert. "Der Hersteller muss ein Plattform-Anbieter werden, wenn Autos zu Informationsendgeräten werden", sagt er.

Die technologischen Fortschritte zwingen Toyota, Nissan und andere japanische Autobauer, ihre langjährigen Geschäftsbeziehungen mit Zulieferern aufzubrechen. Die fahrerlose Technologie von Nissan, Propilot, nutzt eine Kamera, die von der amerikanischen Firma TRW entwickelt wurde, sowie eine Bildverarbeitungssoftware von der israelischen Firma Mobileye. Nissan will die besten Technologien nutzen und stützt sich dabei nicht unbedingt auf langjährige Zulieferer, sagt ein Unternehmenssprecher.

Toyota-Ingenieur Minakata sagt, dass japanische Autobauer grundsätzlich dazu tendierten, mit vertrauten Unternehmen zusammenzuarbeiten. "Wir sind da keine Ausnahme", sagt er. Jetzt müsse man jedoch neue Technologien von ganz anderen Anbietern einkaufen.