Sattelberger, Maschinenbau, vorausgedacht, Kongress, Salzburg

"Möglicherweise müssen die europäischen Monopolbehörden sehr viel schneller die Zerschlagung eines Google diskutieren und die Strafen so hoch setzen wie bei AT&T", so Thomas Sattelberger auf dem Kongress Maschinenbau VorausgeDACHt. - Bild: Scheinast

Thomas Sattelberger, langjähriger Personalvorstand bei der Telekom, Continental und Lufthansa, liebt es, mit provokanten Thesen Diskussionen voranzubringen. Das spiegelte sich auch in seiner Keynote mit dem Titel: „Schränkt Industrie 4.0 uns ein?“ Sattelberger sieht die europäische Wirtschaft, vor allem den Mittelstand, im Sandwich zwischen den USA und China und fragt: „Sind wir kulturell gut genug, um zu transformieren?“.

Er sorgt sich, dass die Sammler von Big Data und großen Datenplayer die Machtverhältnisse verändern und die Hersteller von realen Dingen zu Zulieferern degradieren könnten. Das Prinzip Hoffnung genüge nicht, im Gegenteil müsse alles getan werden, um nicht zur verlängerten Werkbank zu werden. „Möglicherweise müssen die europäischen Monopolbehörden sehr viel schneller die Zerschlagung eines Google diskutieren und die Strafen so hoch setzen wie bei AT&T“, überlegt der Personalexperte. Auch der chinesische Weg, ein eigenes Baidu und Ali Baba aufzubauen, sei vorstellbar. Vielleicht müsse man die Milliarden in die Hand nehmen, um ein europäisches Datenhaus aufzubauen, wolle man nicht von den USA oder China abhängig sein

„Können Unternehmensleiter, im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts ausgebildet für Berechenbarkeit und Effizienz, von teilweise sehr alten Unternehmen, überhaupt noch umdenken und umlernen? Da geht es um die zentrale Frage der Pfadabhängigkeit im eigenen Kopf“, fragte Sattelberger besorgt nach und verweist auf die Schattenseiten der brummenden deutschen Wirtschaft: So wurden nur 6 Prozent der Top Hidden Champions in den letzen 50 Jahren gegründet. Studien zum Beispiel der KfW zeigten, die Innovationskraft gehe zurück. Das gelte für Deutschland und Österreich, nur die Schweiz habe das Innovationsproblem nicht.

Digitalkompetenz in die Geschäftsführung

„Die Wirtschaft denkt pfadabhängig und linear im Korsett von Industrie 4.0“, kritisiert Sattelberger. Das sei Denken aus dem Maschinenraum, statt aus dem Informationsraum. Mit Predictive Maintenance werde jedoch kein Geld verdient sondern mit digitalen Plattformen und Cloud-Zentren. „Die Digitalkompetenz muss in die Geschäftsführung und kann nicht auf IT-Leiter oder den Chief Digitial Officer delegiert werden. Es geht um Geschäftsmodelle, nicht nur um Smart Processes und Smart Factory“, mahnte der Experte. Zudem müssten Maschinenbau und Informatik verschmelzen, und zwar wesentlich schneller als es bei der Elektronik und Mechanik der Fall war. Dabei sieht er die Hochschulen in der Pflicht.

Applaus erhielt Sattelberger für seine Kritik an Arbeitszeitverordnungen, die auf die alte und nicht die neue, digitale Arbeitswelt zugeschnitten seien:„Ich habe Sorge, das Gewerkschaften und Betriebsräte die Totengräber der Digitalisierung werden“. Aber auch die Managements der Unternehmen bekamen ihr Fett weg. Die Qualität von Führung und Arbeitskultur in Deutschland bezeichnet Sattelberger als unterdurchschnittlich und zitierte eine Studie zum Führungsstil. Demnach empfanden 1998 noch 86 Prozent der weiblichen und männlichen Führungskräfte ihren Führungsstil als kooperativ, heute gelte das nur noch für 39 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen.

„Schlechte Führung ist der Tod der Innovation“, meinte Sattelberger. Er wünscht sich, dass Firmenautokratien wie bei VW bald ebenso der Vergangenheit angehören wie die uniformen Vorstände mit genormten Lebensläufen und keiner eigenen Gründungerfahrung. Problematisch sei, dass beruflich Qualifizierte, anders als früher, kaum mehr Chancen hätten, auch nur ins mittlere Management zu kommen, das zunehmend mit Akademikern besetzt werde.

Aus Sicht von Sattelberger muss es Räume, „Clubs der toten Dichter“ und Zeiten für innovatives Arbeiten geben, hierarchiearme Strukturen, Demokratisierung, Souveränität und Selbstverantwortung gehörten ebenfalls zur Innovationsfähigkeit. Als Stichwort nannte er die Vertrauensarbeitszeit. Er rät Unternehmen, sich kulturell auf Diversität auszurichten, das Unternehmen für das Andersartige, für Musterbrecher und Experimenteure zu öffnen.

Maschinenbau vorausgeDACHt: Drei Länder - ein Kongress

  • Spannende Vorträge, Einsichten und Augenöffner zum Thema Digitalisierung beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

    Spannende Vorträge, Einsichten und Augenöffner zum Thema Digitalisierung beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

  • Der erste Maschinenbau-Drei-Länder-Kongress in Salzburg: Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

    Der erste Maschinenbau-Drei-Länder-Kongress in Salzburg: Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

  • Schon frühzeitig herrschte an den Anmeldecountern zu Maschinenbau vorausgeDACHt reger Andrang.- Bild: Produktion

    Schon frühzeitig herrschte an den Anmeldecountern zu Maschinenbau vorausgeDACHt reger Andrang.- Bild: Produktion

  • Das Foyer beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt in Salzburg füllte sich stetig. - Bild: Produktion

    Das Foyer beim Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt in Salzburg füllte sich stetig. - Bild: Produktion

  • Auch der Ausstellerbereich beim Drei-Länder-Maschinenbau-Kongress war schnell gut besucht. - Bild: Produktion

    Auch der Ausstellerbereich beim Drei-Länder-Maschinenbau-Kongress war schnell gut besucht. - Bild: Produktion

  • Letztes Briefing: Orgateam mit VDMA, Swissmem Metalltechnischer Industrie und Fachzeitung Produktion mit Moderatorin Eva Pölzl (3.v.l.). - Bild: Produktion

    Letztes Briefing: Orgateam mit VDMA, Swissmem Metalltechnischer Industrie und Fachzeitung Produktion mit Moderatorin Eva Pölzl (3.v.l.). - Bild: Produktion

  • Schnell waren allerorten im Ausstellerbereich Fachgespräche im Gange. - Bild: Produktion

    Schnell waren allerorten im Ausstellerbereich Fachgespräche im Gange. - Bild: Produktion

  • Moderatorin Eva Pölzl eröffnete den Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Scheinast

    Moderatorin Eva Pölzl eröffnete den Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Scheinast

  • VDMA-Präsident Carl Martin Welcker war der erste Redner auf dem Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

    VDMA-Präsident Carl Martin Welcker war der erste Redner auf dem Kongress Maschinenbau vorausgeDACHt. - Bild: Produktion

  • Swissmem-Direktor Peter Dietrich sieht die DACH-Region gut für die Digitalisierung gerüstet. - Bild: Produktion

    Swissmem-Direktor Peter Dietrich sieht die DACH-Region gut für die Digitalisierung gerüstet. - Bild: Produktion

  • Für den Obmann der Metalltechnischen Industrie, Mag. Christian Knill, ist der Maschinenbau die Schlüsselbranche der Digitalisierung." - Bild: produktion

    Für den Obmann der Metalltechnischen Industrie, Mag. Christian Knill, ist der Maschinenbau die Schlüsselbranche der Digitalisierung." - Bild: produktion

  • Thomas Sattelberger, ehemaliger Vorstand bei der Deutschen Telekom, der Continental AG und der Lufthansa, sprach zum Thema "Schränkt Industrie 4.0 uns ein?" - und redete dem Auditorium ordentlich ins Gewissen, wofür er immer wieder Szenenapplaus erntete. - Bild: Produktion

    Thomas Sattelberger, ehemaliger Vorstand bei der Deutschen Telekom, der Continental AG und der Lufthansa, sprach zum Thema "Schränkt Industrie 4.0 uns ein?" - und redete dem Auditorium ordentlich ins Gewissen, wofür er immer wieder Szenenapplaus erntete. - Bild: Produktion