Trotz der anhaltenden Belastung durch die gescheiterte Übernahme der dreimal so großen Continental AG hält der Wälzlagerhersteller Schaeffler an der geplanten Fusion fest – und klingt dabei wenig überzeugend.

Von Katharina Becker, Dow Jones

MÜNCHEN (ks)–Natürlich sei ein Zusammengehen weiterhin erstrebenswert, sagte der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Schaeffler Gruppe, Jürgen Geißinger, am Mittwoch in München. Um gleich darauf einzuschränken: “Um die Potentiale zu heben, ist es nicht notwendig, mit aller Kraft in eine Fusion zu gehen.” Das würde Schaeffler nur belasten. Vorrang habe für die Franken ihr operatives Geschäft, sagte Geißinger. Und so bezog sich das Motto des Geschäftsberichtes “Gemeinsam bewegen wir die Welt” auch nicht auf das Gespann Schaeffler-Conti, sondern die drei Marken der Herzogenauracher LUK, INA und FAG.

In der Tat brummte das Geschäft dank der anziehenden Konjunktur zuletzt wieder. Dennoch blieben die Franken vorsichtig: Nach einem Umsatzplus von 31% im ersten Halbjahr auf 4,6 Mrd Euro wollen die Herzogenauracher im Gesamtjahr ihre Einnahmen um ein Zehntel auf über 8 Mrd Euro steigern. Auch in puncto Profitabilität will Schaeffler in diesem Jahr an alte Erfolge anknüpfen. Nachdem die Rendite (EBIT-Marge) im Krisenjahr 2009 auf rund 5% gefallen war, stieg sie im ersten Halbjahr auf 16% und soll im Gesamtjahr bei mehr als 10% liegen. Vom Umsatz dürften also vor Zinsen und Steuern mindestens 800 Mio Euro als operativer Gewinn übrig bleiben. Bis dahin ist es jedoch nur ein kleiner Schritt: Im ersten Halbjahr hatte der Familienkonzern bereits 739 Mio Euro geschafft. Die Einschätzung sei konservativ, so dass die Ziele sicher übertroffen würden, räumte Geißinger ein.

Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr dennoch ein Verlust von 260 Mio Euro. Dabei drückte vor allem der Verlust aus der Verwässerung des Anteils an Conti von 396 Mio Euro, nachdem der hoch verschuldete Großaktionär nicht an der Kapitalerhöhung Anfang des Jahres teilnahm und somit der direkt gehaltene Anteil von knapp 50% auf 42% gesunken war. Auf der anderen Seite verschönerten die Gewinne von Conti im ersten Halbjahr die Bilanz des Großaktionärs unter dem Strich um 47 Mio Euro, wie Finanzvorstand Klaus Rosenfeld erläuterte.

Auch beim Schuldenabbau kam Schaeffler voran – zumindest im laufenden Geschäft. Bis Ende Juni drückten die Herzogenauracher ihre Verbindlichkeiten bei den Banken auf 5,9 Mrd Euro von ursprünglich 7 Mrd Euro. Das sind jedoch nur die Darlehen, die auf dem operativen Geschäft lasten. In der darüber angesiedelten Schaeffler-Dachgesellschaft tickt eine Zeitbombe: Denn für die hier verbuchten 5 Mrd Euro Schulden zahlt Schaeffler weder Zinsen noch den Kredit ab. Wenn sich die Zinsen über die gesamten sechs Jahre ansammeln, führt der Zinseszinseffekt dazu, dass der Schuldenberg der Holding überproportional wächst. Finanzvorstand Rosenfeld nannte die Finanzierungsstruktur dennoch “tragfähig”.

Er bereue das Conti-Abenteuer “überhaupt nicht”, sagte Geißinger. “Im Gegenteil, wir sehen mehr und mehr Potential”, sagte er mit Blick auf mögliche gemeinsame Projekte bei der Motorsteuerung, Hybridsystemen, Elektrofahrzeugen oder Minenförderanlagen für den Bergbau.