Zentrale von Schaeffler in Herzogenaurach: Für einen eventuellen Abschwung sieht sich Schaeffler

Zentrale von Schaeffler in Herzogenaurach: Für einen eventuellen Abschwung sieht sich Schaeffler gut gerüstet (Bild: Schaeffler).

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–”Zwar sehen wir derzeit erste Anzeichen einer Eintrübung der Nachfrage auf den europäischen Märkten; weltweit liegt unser Auftragsbestand aber weiterhin auf einem guten Niveau. Gegenwärtig rechnen wir damit, dass wir unseren Umsatz im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr leicht steigern werden”, sagte Vorstandschef Jürgen Geißinger am Dienstag.

Daher sei davon auszugehen, dass 2011 wie erwartet ein Umsatzwachstum von über einem Zehntel und eine operative Marge (EBIT) von mehr als 13% erreichen würden. Im vergangenen Jahr hatte Schaeffler bei Einnahmen von rund 9,5 Mrd Euro eine Rendite von knapp 16% erwirtschaftet.

In den ersten neun Monaten profitierten die Franken von der guten Branchenkonjunktur und steigerten Umsatz sowie Gewinn deutlich. In den Monaten Januar bis September legten die Einnahmen des Herstellers von Motor-, Getriebe- und Fahrwerksystemen dank der weltweit großen Nachfrage um 15% auf rund 8,1 Mrd Euro zu. Operativ verdiente Schaeffler etwa 1,3 Mrd Euro, knapp ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Das Konzernergebnis stieg in den ersten neun Monaten um gut 850 Mio Euro auf 743 Mio Euro.

“Unser Geschäft entwickelt sich weiter gut”, sagte Geißinger: “Erneut konnten wir die Vorjahreswerte bei Umsatz und Ergebnis deutlich übertreffen. Wie schon im gesamten Jahresverlauf trugen alle Regionen und Unternehmensbereiche zu dieser Entwicklung bei. Der Umsatzanstieg in unseren beiden Sparten Automotive und Industrie lag dabei deutlich über dem jeweiligen Marktwachstum des dritten Quartals.” In den vergangenen Monaten hinterließ das schwierige Wirtschaftsumfeld allerdings zumindest leichte Bremsspuren bei den Herzogenaurachern: Die Zuwächse fielen etwas geringer als noch in den ersten sechs Monaten aus.

Durch die nun vollständig umgesetzte Refinanzierung aus dem Frühjahr stieg die Nettoverschuldung den Angaben zufolge zum Ende des dritten Quartals auf rund 7,1 Mrd Euro. Zum Ende des ersten Halbjahres hatten die Verbindlichkeiten, die im Zuge der Übernahme des Wettbewerbers Conti aufgelaufen waren, bei 6,07 Mrd Euro gelegen.

Schaeffler hatte sich bei dem Versuch verhoben, den ungleich größeren Hannoveraner Autozulieferer zu übernehmen. Seitdem plagt das Familienunternehmen ein milliardenschwerer Schuldenberg, der sowohl das operative Geschäft als auch die Holding belastet. Für die Schulden der Dachgesellschaft zahlte Schaeffler lange weder Zinsen noch Tilgungen. Ende März verkaufte Schaeffler dann allerdings einen Teil seiner Conti-Aktien und trug mit den Einnahmen einen Teil des Schuldenbergs der Holding ab. Seither hält der Familienkonzern nur noch rund 60% an dem MDAX-Konzern. Vorher hatte Schaeffler Zugriff auf etwa drei Viertel von Conti.

Die aktuellen Verwerfungen an den Finanzmärkten und die Schuldenkrise in der Euro-Zone beobachtet Schaeffler nach eigenem Bekunden “sehr genau”, obwohl das Geschäft nach wie vor stabil verläuft. Eine weitere Verschlechterung der Lage sowie steigende Rohstoff- und Personalkosten könnten nach Unternehmensangaben allerdings auf der Entwicklung lasten. Für einen potenziellen Abschwung sieht sich Schaeffler aber gut gerüstet: Das Unternehmen profitiere vom innovativen Produktangebot sowie der starken regionalen Präsenz in den Wachstumsmärkten, erklärte Geißinger. “Wir rechnen auch in einem schwieriger werdenden Marktumfeld damit, dass wir in unseren Kernmärkten auch weiterhin stärker wachsen als der Markt.