Von Markus Klausen, Dow Jones Newswires

HERZOGENAURACH (ks)–Während ein großes Paket der bei Banken geparkten Conti-Anteile am Markt verkauft werden soll, will Schaeffler ein weiteres Aktienpaket selbst übernehmen. Dadurch, so die Pläne der Franken, soll ihre direkte Beteiligung an dem MDAX-Konzern auf 49,9% von derzeit 42,2% klettern. Der direkt und indirekt gehaltende Anteil werde insgesamt jedoch sinken.

Schaeffler habe sich mit den finanzierenden Banken auf eine “umfassende” Refinanzierung geeinigt, lies das Unternehmen aus Herzogenaurach am Sonntag verlauten. Die Schulden auf Ebene der Schaeffler Holding sollen “signifikant” reduziert und die Finanzierungskonditionen “deutlich” verbessert werden.

Als Teil der Refinanzierung mit M.M.Warburg und B. Metzler sollen bis zu 30 Mio Conti-Aktien im Rahmen einer beschleunigten Platzierung an eine breite Investorenbasis verkauft werden. Die Nettoerlöse will Schaeffler zur Rückzahlung von Schulden der Schaeffler Holding verwenden.

Conti, so die Pläne, werde durch den steigenden Streubesitz und die voraussichtlich höhere Liquidität in der Aktie nach der Platzierung ein aussichtsreicher Kandidat für die Wiederaufnahme in den DAX30 sein.

Im Zuge dieser Transaktion will die Schaeffler Gruppe auch ihre Beteiligungsstruktur an den Hannoveranern neu ausrichten. Dabei kaufe Schaeffler von M.M.Warburg und B. Metzler weitere 15,5 Mio Aktien und erhöhe dadurch den Anteil an der Continental AG auf 49,9% von derzeit 42,2%. Schaeffler und die beiden Banken hätten sich verpflichtet, in den nächsten zwölf Monaten ihre Conti-Beteiligung nicht weiter zu verringern.

Unterm Strich würde Schaeffler dann direkt und indirekt rund 60% an der Continental AG halten. Voraussetzung dafür ist aber, dass die geplanten 30 Mio Aktien auch verkauft werden. Bisher hatten die Franken direkt und indirekt Zugriff auf rund drei Viertel der Conti-Anteile.

Den weiteren Plänen des Wälzlagerkonzerns zufolge soll die Schaeffler GmbH noch im Jahresverlauf 2011 in eine Aktiengesellschaft (AG) umgewandelt werden. Damit verschaffe sich Schaeffler zusätzliche finanzielle und strategische Flexibilität. Auf dieser Basis prüfe man weiter alle strategischen Optionen, um die Zusammenarbeit mit der Continental AG zu intensivieren, so die Franken abschließend.

Schaeffler hatte sich bei dem Versuch verhoben, die ungleich größere Continental AG zu übernehmen. Seitdem plagt das fränkische Familienunternehmen ein milliardenschwerer Schuldenberg. Per Ende September 2010 hatte Schaeffler seine Verbindlichkeiten bei den Banken auf 5,8 Mrd von 7 Mrd Euro gesenkt. Das waren jedoch nur die Darlehen, die auf dem operativen Geschäft lasten. In der darüber angesiedelten Schaeffler-Dachgesellschaft standen seinerzeit weitere 5 Mrd Euro an Schulden zu Buche – für die die Herzogenauracher weder Zinsen noch Tilgungen zahlen.