Siemens, Jobabbau, Gewerkschaft

Siemens will mit Personalabbau und der Aufgabe von Standorten dem Strukturwandel im fossilen Kraftwerksgeschäft und im Rohstoffsektor begegnen. - Bild: Siemens

"Die Nachfrage in der fossilen Energieerzeugung ist drastisch eingebrochen, und der Markt wird sich auch nicht wieder erholen", sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Wir können keine Turbinen bauen, die wir dann auf dem Werksgelände vergraben müssen, weil sie niemand haben will. Das sind wir auch dem Rest des Konzerns schuldig, den wir irgendwann bedrohen würden, wenn wir ohne gegenzusteuern einfach weitermachten". Er lehnt eine Quersubventionierung ab und verwies darauf, dass dies früher auch nur dann sinnvoll gewesen sei, wenn man nach einer gewissen Durststrecke wieder mit einer Belebung habe rechnen können.

"Das ist hier nicht der Fall. Wir glauben nicht an eine zyklische Abschwächung, sondern an eine strukturelle Veränderung des Marktes", erklärte Cromme weiter, der im Januar den Chefposten im Siemens-Aufsichtsrat an den früheren SAP-Chef Jim Hagemann Snabe übergibt.

Die Gewerkschaft wirft Siemens vor, trotz eines Gewinns von sechs Milliarden Euro Stellen zu Streichen. Auf diesen Vorwurf sagte Cromme, Siemens brauche den Gewinn, um in die Zukunft zu investieren und in den wichtigen Geschäftsfeldern nicht den Anschluss zu verlieren. "Wir können und dürfen die Gewinne anderswo nicht mit den Problemen im Kraftwerksgeschäft verrechnen."

So will Siemens dem Strukturwandel begegnen

Siemens will mit einem massivem Personalabbau und der Aufgabe von Standorten dem Strukturwandel im fossilen Kraftwerksgeschäft und im Rohstoffsektor begegnen. Insgesamt sollen mit dem Abbau von Produktionskapazitäten in den nächsten Jahren weltweit 6.900 Stellen wegfallen, davon die Hälfte in Deutschland. Zwei Werke in Sachsen sollen definitiv geschlossen werden, bedroht sind aber weitere Standorte in Thüringen und Hessen. Um die Kapazitäten besser auszulasten, sehen die Pläne vor, Teile der Produktion, aber auch der Entwicklung an andere Standorte zu verlagern. Siemens-Personalchefin Janina Kugler kündigte Mitte November an, den Abbau möglichst sozialverträglich umsetzen und betriebsbedingte Kündigungen weitgehend vermeiden zu wollen. Auszuschließen sei das aber nicht, räumte sie allerdings ein.