Henrik A. Schunk

Er ist der Chef von Schunk: Henrik A. Schunk. - Bild: Schunk

Wie schaffen Sie es, als Mittelständler den Innovationsgrad hoch zu halten?

Als Kompetenz- und Technologieführer müssen wir permanent am Puls der Zeit bleiben und die künftigen Anforderungen des Marktes in einem sehr frühen Stadium aufspüren. Mitarbeiter brauchen entsprechende Spielräume, um hierarchiefrei und bereichsübergreifend an Innnovationen arbeiten zu können. Unser Innovationsmanagement-System schafft innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und fördert mithilfe agiler Methoden gezielt den kreativen Prozess. Dazu zählt auch, dass Entwicklungen ausführlich getestet und Dinge verworfen werden, wenn sie nicht zum Erfolg führen. Die Führungskräfte verstehen sich in diesem Prozess primär als Coaches. Sie begleiten, regen die Kreativität an und hinterfragen. Letztlich geht es darum, immer wieder quer zu denken und ausgetretene Pfade zu verlassen, ohne Angst, dass man vielleicht auch einen Umweg in Kauf nehmen muss, um Neues zu entdecken. Die Flexibilität eines Mittelständlers ist hier sehr hilfreich, vor allem wenn man wie wir wirtschaftlich unabhängig ist. Pioniergeist braucht nun mal auch Mut.

Was sind Ihre wichtigsten Herausforderungen für das nächste Jahr?

Aktuell bestimmen drei Trends die Industrie: Die Smart Factory, die Robotisierung der industriellen Produktion und die Digitalisierung, sprich Software und Data. Unsere Aufgabe ist es, diese Trends aufzunehmen, zu analysieren und dem Markt Schritt für Schritt die passenden Lösungen anzubieten. Viele Unternehmen haben bereits erkannt, welche Erfolge sich mit automatisierten Lösungen erzielen lassen. In der nächsten Stufe kommen nun verstärkt auch solche Prozesse in den Blick, die bislang nicht oder nur sehr bedingt automatisierbar waren. Prozesse, bei denen Menschen und Roboter kollaborieren beispielsweise, werden vor allem dort in Erwägung gezogen, wo bislang manuelle Tätigkeiten vorherrschen. Unsere Aufgabe ist es, adäquate Lösungen anzubieten, ohne die Nutzer zu überfordern. Letztlich geht es darum, erst einmal Vertrauen in solche Lösungen aufzubauen. Wer von einer Maschine beziehungsweise von einem Roboter permanent gegängelt wird, wird derartige Lösungen schnell ablehnen. Wer sie hingegen als hilfreich erfährt, wird sie nutzen. Ganz ähnlich ist es auch mit vernetzten Systemen. Eine der wesentlichen Herausforderungen ist es, die Menschen mit der Fabrik von morgen vertraut zu machen. Das Ziel muss es sein, dass Nutzer mit Robotern so selbstverständlich und spielerisch umgehen wie mit dem Smartphone.

Was macht Sie als mittelständisches Unternehmen so erfolgreich?

Der größte Unterschied zu einem börsennotierten Unternehmen ist der hohe Freiheitsgrad: Bei einem familiengeführten Mittelständler wie Schunk diktieren nicht die Quartalszahlen das Geschäft. Wir haben die Freiheit, neue Märkte zu erschließen, ohne dass sofort ein Return erzielt werden muss. Ein zweiter wichtiger Punkt kommt hinzu: Die emotionale Verbindung der Mitarbeiter zum Familienunternehmen und zu den Inhabern ist sehr viel stärker als die Bindung in börsennotierten Unternehmen. Viele Mitarbeiter sind stolz darauf, dass sie Teil der Schunk-Familie sind. Das setzt in Hochphasen ungeahnte Energien frei und sorgt für einen starken Zusammenhalt in Krisenzeiten. Klar ist aber auch: Mit unseren weltweit knapp 3 400 Mitarbeitern brauchen wir heute andere Strukturen als vor zehn Jahren, als es kaum mehr als 1 000 Beschäftigte waren. Entscheidend sind heute eine nachhaltige Vertriebs- und Entwicklungsstrategie, ein gesundes Wachstum in allen industriell relevanten Ländern der Erde sowie Biss bei der Entwicklung neuer Produkte und bei deren Umsetzung als Standard.

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Zur Firma Schunk GmbH & Co. KG

Schunk ist Kompetenzführer für Greifsysteme und Spanntechnik. Knapp 3 400 Mitarbeiter in 9 Werken und 33 eigenen Ländergesellschaften gewährleisten eine intensive Marktpräsenz. Mit über 11 000 Standardkomponenten bietet Schunk das weltweit größte Greifsysteme- und Spanntechnik-Sortiment aus einer Hand. Seit 2012 ist die Torwartlegende Jens Lehmann Markenbotschafter für sicheres, präzises Greifen und Halten. Mehr unter: schunk.com

Haben Sie einen unternehmerischen Leitspruch?

Seit langer Zeit schon richten wir unser Schaffen an dem Leitsatz „Mit Pioniergeist und Perfektion setzen wir weltweit Maßstäbe“ aus. Dieser Satz bündelt all unsere Wertvorstellungen gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten. Der Satz ist gewissermaßen die DNA von Schunk, ein Versprechen gegenüber unseren Kunden und zugleich die Messuhr, an der wir ablesen können, ob es rund läuft.

Spielt die digitale Transformation bei Ihnen eine Rolle?

Wir befinden uns gegenwärtig in einer unglaublich spannenden Phase der Digitalisierung. Ich bin überzeugt, dass es zu einer umfassenden Automatisierung und Digitalisierung der industriellen Produktion kommen wird. Wer sich nicht darauf einlässt, wird zumindest mittelfristig keine Existenzgrundlage mehr am Markt finden. Klar ist aber auch, dass die erforderlichen Lösungen nicht fix und fertig aus dem Regal genommen werden können. Vielmehr müssen die Szenarien der Industrie 4.0 von allen Playern am Markt neu erfunden werden. Produkte ebenso wie Prozesse und Geschäftsmodelle. Bezogen auf unsere beiden Kompetenzfelder, nämlich die Greifsysteme und die Spanntechnik, nehmen wir diesbezüglich eine führende Rolle am Markt ein. Was wir in unseren Technologiestudien zeigen, hat höchste Relevanz für den Markt von morgen. Wir sind mit Hochdruck dabei, Konzepte für unser digitales Produktportfolio, aber auch für die eigenen, digitalen Prozesse zu entwickeln. Dabei nutzen wir die Unterstützung führender Softwarehäuser, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Digitalisierung – das ist meine feste Überzeugung – geht nicht einsam im stillen Kämmerlein. Wir haben uns daher auf die Fahnen geschrieben, mit den aus Kundensicht wichtigsten Playern zusammenzuarbeiten und systemübergreifende Lösungen anzubieten. Die neuen digitalen Technologien werden die Automatisierung von Handhabungs- und Zerspanungsprozessen auf das nächste Level bringen.

Was meinen Sie genau damit?

Im Kern geht es darum, eine durchgängige Echtzeit-Datenbasis in der Produktion zu erhalten und damit die nötige Transparenz zu erzeugen, um sämtliche Prozesse zu optimieren. Mehr noch: Mit integrierter Intelligenz werden Komponenten künftig in der Lage sein, Teilprozesse durch Lernalgorithmen autonom zu optimieren. Sowohl bei Greifern für Roboter als auch bei Werkzeughaltern für die Zerspanung haben wir in diesem Jahr hierzu bereits Studien vorgestellt. 2019 werden die ersten Komponenten marktreif sein.

Welche Neuerungen planen Sie?

In den zurückliegenden Jahren haben wir erhebliche Kraftanstrengungen auf allen Unternehmensebenen unternommen, um eine hochmoderne IT-Landschaft und ein intelligentes Datenmanagement aufzubauen. Nun folgt konsequent der zweite Schritt, bei dem unser Kompetenzzentrum für Greifsysteme in Brackenheim-Hausen die führende Rolle übernimmt: Mit hochautomatisierten und in Teilbereichen autonomen Produktionsprozessen werden wir unsere Führungsrolle in Sachen Industrie 4.0 weiter ausbauen. Dazu zählen smarte Produktionsprozesse und Lieferzeiten, die ihresgleichen suchen.

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Zur Person Henrik A. Schunk

Der Diplom-Wirtschaftsingenieur (TU), Jahrgang 1972, ist geschäftsführender Gesellschafter & Vorsitzender der Geschäftsfüh-
rung (CEO) der Schunk GmbH & Co. KG,
Lauffen/Neckar. Er ist ressortverantwortlich für den Vertrieb und das Innovationsmanagement der Schunk-Unternehmensgruppe. Henrik A. Schunk engagiert sich ehrenamtlich im VDMA sowie auf europäischer Verbandsebene. Seit Juni 2018 ist er Vizepräsident des VDMA.