MÜNCHEN (Dow Jones/rm). Die vom Wettbewerber Alstom geforderte Verfügung gegen die Auftragsvergabe wurde abgelehnt, teilte das Gericht mit.

Damit ist der Weg für den deutschen Siemens-Konzern frei, Eurostar mit einer neuen Flotte von Hochgeschwindigkeitszügen auszustatten. Alstom erleidet dadurch auf dem französischen Heimatmarkt eine empfindliche Niederlage, denn zu 55% ist Auftraggeber Eurostar im Besitz der französischen Bahn. Bislang fahren auf der Strecke unter dem Ärmelkanal die Züge des französischen Siemens-Wettbewerbers.

Entsprechend energisch wehrte sich Alstom, als Siemens von Eurostar zum bevorzugten Bieter des rund 600 Mio EUR schweren Auftrags gemacht wurde. Nach lauten Protesten reichte der französische Konzern beim britischen Gerichtshof Klage ein, um eine gerichtliche Verfügung gegen die Ausschreibung zu erwirken.

Siemens entschied daraufhin, sich in die juristische Auseinandersetzung einzuschalten und dem Verfahren als Prozesshelfer auf Seiten von Eurostar beizutreten, um den Prozess zu beschleunigen. Denn je schneller das Verfahren zu einem Ende kommt, desto schneller kann Siemens mit der Unterzeichnung des Auftrags rechnen. Die Klage von Alstom richtete sich allerdings nicht gegen den deutschen Technologiekonzern.

Der französische Siemens-Wettbewerber Alstom hat, wie erwartet, ernüchtert auf die Entscheidung aus London reagiert. Der Konzern habe die Ablehnung des Gerichts zur Kenntnis genommen, sagte ein Sprecher. Alstom werde nun mögliche rechtliche Schritte prüfen. Eine Anfechtung der Entscheidung sei möglich, fügte er hinzu. Wie ernsthaft Alstom diesen Schritt verfolge, wollte der Sprecher allerdings nicht kommentieren.

Parallel zur Gerichtssache in London habe der Pariser Konzern auch die EU-Kommission gebeten, die Eurostar-Ausschreibung zu prüfen.

Der DAX-Konzern Siemens zeigte sich erfreut über die Ablehnung der einstweiligen Verfügung. Das Unternehmen sei immer zuversichtlich, dass sein Angebot rechtlich nicht zu beanstanden sei, hieß es am Freitag. “Wir erwarten nun, fortzufahren und den Vertrag mit Eurostar zu unterzeichnen, sobald das rechtlich zulässig ist.” Diese Sicht auf die Dinge vertrat am Freitagabend auch Eurostar. “Wir können fortfahren und den Vertrag mit Siemens unterzeichnen”, hieß es.

Eurostar gehört zu 55% dem staatlich französischen Societe National des Chemins de Fer (SNCF) und zu 40% der London & Continental Railways. Die restlichen 5% liegen in den Händen des belgischen Bahnbetreibers Societe National des Chemins de Fer Belges (SNCB).