Der Siemens-Konzern will in seinem neuen Unternehmensprogramm den drei Sektoren Industrie, Energie und Medizintechnik erneut Margenbänder vorgeben.

MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Innerhalb der Margenbänder sollen sich die Sektoren dann aber künftig “über den Konjunkturzyklus hinweg” bewegen, wie Vostandsvorsitzender Peter Löscher im Interview mit dem “manager magazin” (mm) laut Vorabbericht sagte.

Löscher präzisierte im Interview die Kernpunkte des neuen Zielsystems, das den Namen “One Siemens” tragen und auf der Bilanzpressekonferenz am 11. November vorgestellt werden soll. Wesentliche Elemente des Nachfolgeprogramms für “Fit 4 2010″ hatte Löscher bereits Ende Juni erläutert.

Löscher sieht “One Siemens” als Zielsystem, das sich vom “Fit 4 2010″-Programm seines Vorgängers Klaus Kleinfeld durch zwei wesentliche Punkte unterscheidet: Zum einen will sich der DAX-Konzern künftig stärker auf kapitaleffizientes Wachstum konzentrieren, um dadurch das Geschäft nachhaltiger zu machen. Zum anderen wird für die Margenkorridore nicht mehr wie bislang ein Endzeitpunkt festgelegt, an dem sie erreicht werden sollen. Die künftigen Zielbänder sollen vielmehr ohne zeitliche Einschränkung über den Konjunkturzyklus hinweg gelten.

Löscher unterstrich in dem Interview, “One Siemens” sei kein Nachfolger des Transformationsprogramms “Fit 4 2010″, das mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 (30. September) endete. “Siemens hatte über zwölf Jahre hinweg Transformationsprogramme, weil wir die Lücke zum Wettbewerb schließen mussten. Das ist nun erreicht”, sagte der Vorstandsvorsitzende.

“Ein Zielsystem hat im Gegensatz zu einem Transformationsprogramm kein Endatum”, erläuterte ein Siemens-Sprecher. “In Einzelfällen können konkrete Zielvorgaben natürlich dennoch sinnvoll sein. Das gilt zum Beispiel für das Umweltportfolio”, sagte der Sprecher. Löscher hatte bereits angekündigt, ein neues Ziel für das Geschäft mit grüner Technologie ausrufen zu wollen, nachdem der für das seit Oktober laufende Geschäftsjahr angestrebte Umsatz von 25 Mrd Euro bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr überschritten wurden.

Siemens verzichtet im neuen Zielsystem für die Margenkorridore also auf ein Enddatum, zudem legt der Münchener Technologiekonzern sein Augenmerk künftig stärker auf die Rendite auf sein eingesetztes Kapital. Deshalb rückt das neue Zielsystem die mit der Kennziffer ROCE bemessene Kapitaleffizienz stärker in den Vordergrund, während sich Siemens bislang vornehmlich an den Margen der Sektoren orientierte. “Margenvorgaben allein garantieren keine nachhaltige Steuerung und ließen sich für einzelne Geschäfte leicht kurzfristig trimmen”, sagte Löscher im Interview.

Im neuen Zielsystem sollen die ROCE-Vorgaben laut Löscher mit einem Kapitalstrukturziel “gepaart” werden, das den Anteil der Fremdverschuldung vorgebe. Siemens hat derzeit bereits ein Kapitalstrukturziel. Definiert ist es als Quotient von “angepasster industrieller Nettoverschuldung” (die Finanztochter SFS etwa wird hier nicht mitberechnet) und angepasstem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Siemens will bislang bei diesem Quotienten in einer Bandbreite von 0,8 bis 1,0 liegen. Im Geschäftsjahr 2008/09 hatte Siemens unter dem Einfluss der Wirtschaftskrise lediglich einen Quotienten von 0,31 erreicht.

Löscher bestätigte in dem Interview, dass sich Siemens auf der Bilanzpressekonferenz im November zur künftigen Dividendenpolitik äußern werde. Finanzvorstand Joe Kaeser hatte Ende September angekündigt, die Siemens AG werde einen Korridor für künftige Dividendenausschüttungen vorgeben, die Dividende solle dabei am Gewinn bemessen werden.

Dass Siemens Wachstumsmöglichkeiten vor allem in der Umwelttechnologie und im Servicegeschäft sieht, bekräftigte Löscher. “Langfristige Serviceverträge sind die Krönung eines jeden Auftrags!”, sagte er im Interview. Große Übernahmen schließt der Vorstandsvorsitzende weiterhin aus, Zukäufe zur technologischen Ergänzung seien aber möglich, vor allem im Geschäft mit Erneuerbaren Energien und der industriellen Informationstechnologie (IT).

Mit der Bezeichnung “One Siemens” greift der DAX-Konzern für sein künftiges Zielsystem auf eine Wortpaarung zurück, die in umgekehrter Reihenfolge bereits Bestandteil des Unternehmens ist: Unter dem Begriff “Siemens One” läuft im Konzern seit 2004 eine Unternehmensinitiative, mit der Großkunden wie Flughäfen, Krankenhäusern oder ganzen Stadtteilen Komplettlösungen angeboten werden.