Von Matthias Karpstein, Dow Jones

MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Siemens hält derzeit noch 34% am gemeinsamen Atomkonzern Areva NP, will diesen aber entsprechend einer Vereinbarung an die Franzosen zurückgeben und stattdessen mit der russischen Rosatom ein Gemeinschaftsunternehmen gründen.

Im Geschäftsbericht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, gibt sich Siemens beim Thema Areva-Ausstieg bereits betont zuversichtlich. Im Geschäftsjahr 2010/11 soll das Ergebnis des Unternehmens einen Effekt durch den Verkauf des von Energy gehaltenen Anteils an Areva NP enthalten, heißt es im Geschäftsbericht.

Die Preisvorstellungen für den Siemensanteil gehen laut Unternehmenskreisen dabei weit auseinander. Während die Münchner für ihr Drittel an Areva NP gerne 4 Mrd EUR hätten, sehen die Franzosen den Wert bei lediglich 200 Mio EUR. In den Büchern von Areva steht der Anteil mit einem Wert von rund 2 Mrd EUR.

Die Festlegung des Werts der 34% an Areva NP ist eine wesentliche Voraussetzung, damit Siemens aus dem Gemeinschaftsunternehmen aussteigen kann. Die Münchner rechnen dabei noch im laufenden Kalenderjahr mit einer Entscheidung der zuständigen Experten, welchen Wert die Anteile haben. Dies geht aus dem Bericht an die amerikanische Börsenaufsicht SEC hervor, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Ob sich der Wert des Anteils noch erhöht, hängt auch davon ab, welche der beiden Seiten sich mit dem Vorwurf durchsetzt, die jeweils andere Seite habe den Vertrag gebrochen. Sollte ein Vertragsbruch durch Siemens festgestellt werden, würde dies den Kreisen zufolge den Preis um 40% drücken. Sollte hingegen Siemens mit seinem Vorwurf erfolgreich sein, der Vertragsbruch sei auf französischer Seite erfolgt, würde dies zu einem Preisaufschlag von 40% führen.

Siemens und Areva streiten zudem um die Frage, wie lange Siemens nach dem Ende der Kooperation mit Areva im Bereich der zivilen Kernenergienutzung nicht als Wettbewerber der Franzosen auftreten darf. Die Verträge zum Atomkraft-Gemeinschaftsunternehmen Areva NP sehen bislang eine Sperre von acht Jahren vor. Auf Bitten von Siemens prüft die EU-Kommission seit Jahresmitte, ob diese Klausel gegen die Kartellvorschriften der EU verstößt.

Siemens setzt darauf, dass die EU-Kommission die Sperrzeit verkürzt. “Denkbar wäre eine Minderung auf fünf Jahre, von der Ankündigung des Ausstiegs 2009 bis 2014, es könnte aber auch kürzer werden”, hatte Dow Jones im Juni mit Verweis auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person berichtet.

Ein Sprecher von Siemens wollte sich mit Verweis auf das laufende Verfahren auf Anfrage nicht zur Angelegenheit äußern.