Großstadt Buenos Aires: Im Rahmen des noch unter Löscher ausgerufenen konzernweiten Programms

Großstadt Buenos Aires: Im Rahmen des noch unter Löscher ausgerufenen konzernweiten Programms "Siemens 2014" wurden und werden im I&C-Sektor alles in allem bekanntlich 5.000 Mitarbeiter eingespart - nun könnten weitere personelle Sparmaßnahmen folgen (Bild: Siemens).

von Ursula Quass, Dow Jones

(ks). Die Beschäftigten I&C und speziell im Vertrieb und in der Verwaltung werden die Worte ihrer Sektorvorstände mit gespitzten Ohren vernommen haben: I&C-Finanzchef Hannes Apitzsch ist mit der Reduzierung der Vertriebs- und Verwaltungskosten in seinem Sektor nämlich “noch nicht zufrieden”. Das sagte er am Donnerstag bei einer Präsentation des Sektors vor Analysten und Investoren in London. “Wir werden die Vertriebs- und Verwaltungskosten weiter reduzieren.” Sektor-Vorstand Roland Busch rechnete vor, dass allein ein schlankerer und fokussierterer Vertrieb rund 150 Mio Euro einsparen helfen soll. “Schlanker” und “fokussierter”, das hat sich schon bei so manchem Manager – nicht nur bei Siemens – letztlich als Synonym für Stellenabbau herausgestellt.

Ein Siemens-Sprecher betonte auf Anfrage, es gebe “diverse Möglichkeiten die Vertriebs- und Verwaltungskosten zu senken, das muss nicht zwangsläufig mit einem Personalabbau im Zusammenhang stehen”. Zudem verwies er die Aussage von Konzernchef Joe Kaeser bei der Bilanzpressekonferenz in Berlin Anfang November, wonach der Jobabbau im Rahmen des konzernweiten milliardenschweren Spar- und Effizienzprogramms “Siemens 2014″ abgeschlossen sei. Allerdings hatte Kaeser damals hinterhergeschickt, dass es “immer wieder zu strukturellen Anpassungen” kommen könne. Das mit dem Programm ursprünglich verknüpfte zu hohe Margenziel hatte letztlich Ex-Vorstand Peter Löscher sein Amt gekostet.

“Rigide Kostenkontrolle” im Fokus

Der Präsentation von Apitzsch zufolge soll unter anderem eine “rigide Kostenkontrolle” helfen, die Vertriebs- und Verwaltungskosten zu senken. Sektorchef Busch erinnerte an die von Kaeser Mitte Oktober kommunizierte Straffung der regionalen Ordnung bei Siemens. So sollen etwa die Schließung von 22 Sales-Einheiten in laut Präsentation “nicht-profitablen Ländern” sowie das Wachstum in 38 Ländern, ein genauer an die Bedürfnisse des Marktes angepasstes Portfolio-Angebot und lokale Ressourcen ebenso wie ein besseres Vertriebsnetz alles in allem zu einer Reduktion der Kosten um die besagten rund 150 Mio Euro führen. Das entspräche einer Steigerung der Sales-Produktivität von 14%.

Zwar sind die Vertriebs- und Verwaltungskosten im I&C-Bereich nach Angaben des Sektor-Finanzchefs vergleichsweise niedrig. Zwei Drittel aller Investitionskosten fließen ihm zufolge in Innovationen und Wachstumsprojekte. Dennoch kommen bei einem riesigen Konzern wie Siemens schnell hohe Summen zusammen: So beliefen sich die Vertriebs- und Verwaltungskosten des Sektors in dem am 30. September zu Ende gegangenen Geschäftsjahr auf 3,1 Mrd Euro. Das entsprach einer Quote von 15,9% des Umsatzes.

Vetriebs- und Verwaltungskosten in absoluten Zahlen gestiegen

Im Vergleich zum Fiskaljahr davor ist das zwar eine prozentuale Verbesserung. 2011/12 lag die um Sondereffekte bereinigte Quote noch bei 16,6%. Betrachtet man allerdings die damaligen absoluten Kosten in Höhe von 2,9 Mrd Euro, so wird das Problem von Siemens deutlich: In absoluten Zahlen stiegen die Ausgaben des Sektors binnen eines Jahres um 200 Mio Euro. Da verwundert es nicht, dass Siemens hier Sparbedarf sieht.

Im Rahmen des noch unter Löscher ausgerufenen konzernweiten Programms “Siemens 2014″ wurden und werden im I&C-Sektor alles in allem bekanntlich 5.000 Mitarbeiter eingespart. Die Hälfte von ihnen hat nach aktuellen Angaben von Apitzsch den Konzern bereits verlassen, die übrigen gut 2.500 Beschäftigten müssen im seit Oktober laufenden neuen Geschäftsjahr gehen.

Europa und Deutschland von Stellenabbau bei “Siemens 2014″ am stärksten betroffen

Erstmals nannte Siemens auch Details, wie sich die schon vor Längerem kommunizierte Stellenabbauzahl auf die einzelnen Divisionen verteilt: Am härtesten trifft es demnach den Bereich Transportation & Logistics, in den zum Beispiel die immer noch nicht an die Deutsche Bahn ausgelieferten neuen ICE-Züge für die Deutsche Bahn samt den allein daraus resultierenden hunderte Mio Euro umfassenden Sonderkosten für die ewigen Projektverzögerungen fallen. Bei der Jahrespressekonferenz am 7. November hatte Kaeser eingeräumt, dass mit den 16 Zügen samt einem zur Glättung der Wogen der Bahn versprochenen Extrazug kein Geld mehr zu verdienen ist.

Der Bereich Building Technologies, in dem Siemens unter anderem Brandmeldesysteme oder die Steuerung von Entrauchungsanlagen wie aktuell im immer noch nicht eröffneten Pannenflughafen Berlin-Brandenburg herstellt, muss mit 1.700 Mitarbeitern weniger auskommen. Im Geschäftssegment Power Grid Solutions & Products, also im Geschäft mit vor allem Stromverteilern in Gebäuden und Städten, fallen 1.300 Stellen weg.

Der Großteil aller Jobcuts im I&C-Sektor entfällt auf Europa (minus 1.500 Stellen) und Deutschland (minus 1.400 Jobs). Im als “Rest der Welt” bezeichneten Niedriglohnsektor fallen weitere 1.100 Arbeitsplätze weg, im höherpreisigen übrigen “Rest der Welt” noch einmal 1.000.

Höhere Profitabilität trotz schwächerer Aussichten

Maßnahmen wie diese und auch vor allem die als “wesentlicher Hebel” betrachtete – ebenfalls schon seit Langem versprochene und bislang höchstens in Teilbereichen erfolgreiche – bessere Projektumsetzung und auch die “stringentere” Auswahl von neuen Projekten sollen den Sektor endlich wieder voranbringen. Auch wenn die Aussichten schwächer eingeschätzt werden als noch vor ein paar Monaten. Allenfalls ein “moderates Wachstum” erwartet Apitzsch aktuell. Busch sagte, Siemens sehe eine “schwächere Entwicklung als noch im Mai”.

Dennoch soll die EBITDA-Marge – wie vor Kurzem schon bei der Veröffentlichung des Geschäftsberichts kommuniziert – 2013/14 zwar nur am unteren, aber immerhin zum ersten Mal innerhalb des Zielmargenbandes von 8 bis 12% liegen nach zuletzt gerade einmal 3,7%.

Die Ergebnismarge des Sektors (Sector profit) wird voraussichtlich bei 7% nach verheerenden 1,6% im Vorjahr liegen. Im Zuge von “Siemens 2014″ soll der Sektor zudem produktiver werden und 1 Mrd Euro mehr erlösen. Bislang lag die Zielgröße hier um 200 Mio Euro niedriger. Dank der geplanten verbesserten Preispolitik soll der Preisdruck bei unter 2% gehalten werden. Investoren wie Analysten aber auch Aktionäre und Journalisten werden das Siemens-Management beim Wort nehmen. Die nächste Gelegenheit dazu ergibt sich schon bald: am 28. Januar bei der Hauptversammlung. Auch Aktionärsschützer hatten mit Blick auf dieses Datum immer wieder betont, spätestens dann müsse Siemens und insbesondere der Ende Juli an die Spitze berufene frühere Konzernfinanzvorstand Kaeser liefern.