Der Siemens-Konzern ist erwartungsgemäß gut in das neue Geschäftsjahr 2010/11 gestartet und hat im ersten Quartal seinen Auftragseingang um 13% auf 22,59 (Vj: 19) Mrd Euro gesteigert.

Von Matthias Karpstein, Dow Jones Newswires

MÜNCHEN (Dow Jones)–Getrieben vom anhaltend florierenden Geschäft mit kurzzyklischen Produkten wie Osram-Glühlampen erhöhte der DAX-Konzern seine Erlöse im Auftaktquartal um 12% auf 19,49 Mrd Euro, wie das Unternehmen am Dienstagmorgen mitteilte.

In der Periode von Oktober bis Dezember gelang Siemens der bislang höchste Quartalsgewinn unter dem seit Mitte 2007 amtierenden Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher: Das Ergebnis nach Steuern und Dritten erreichte 1,72 Mrd Euro nach 1,48 Mrd Euro im Vorjahreszeitraum.

Die Erlöse konnte Siemens damit im Vergleichszeitraum deutlicher steigern als der ewige Konkurrent General Electric (GE). Der US-Wettbewerber legte aber nach einer Umstrukturierung beim Ergebnis stärker zu. GE hatte am Freitag knapp 1% Umsatzplus auf 41,4 Mrd Dollar gemeldet, das Nettoergebnis stieg hingegen um gut die Hälfte auf 4,54 Mrd Dollar, im fortgeführten Geschäft wurde der Gewinn noch um ein Drittel auf 3,9 Mrd Dollar gesteigert.

Der niederländische Wettbewerber Philips blieb zuletzt deutlich hinter Siemens und GE zurück. Vor allem das schwächelnde Geschäft mit Fernsehern sorgte dafür, dass der Konzern mit einem Nettoergebnis von 463 Mio Euro im vierten Quartal 2010 die von den Analysten erwarteten 500 Mio Euro verfehlte. Dank günstiger Wechselkurse konnte Philips den Erlös zwar um 2% steigern, bereinigt lag der Umsatz im Schlussquartal aber 4% unter Vorjahr.

Siemens profitierte im Auftaktquartal ebenfalls stark von positiven Währungseffekten, die Auftragseingang und Umsatz jeweils um sechs Prozentpunkte voranbrachten. Zudem setzt Siemens den Ausbau des Geschäfts in Schwellenländern fort, wo der Auftragseingang um 31% auf 7,8 Mrd Euro wuchs. In China stieg der Auftragseingang um 49%, in Indien gar um 160%.

Im Kerngeschäft der drei Sektoren Industrie, Energie und Medizintechnik brachten es die Münchner auf einen Gewinn von 2,23 (2,11) Mrd Euro bei einer schwächeren Umsatzmarge von 12,0 (12,8)%. Dem Sektorengewinn galt bislang bei der Prognose das Augenmerk, seit Beginn des Geschäftsjahres 2010/11 zielt Siemens nun auf das Ergebnis des fortgeführten Geschäfts ab. Hier stieg der Gewinn um 17% auf 1,79 (1,53) Mrd Euro.

Für die Jahresprognose, die Siemens am Dienstag bestätigte, liegt der Konzern damit im Plan: Um mindestens 25% bis 35% wollen die Münchner den Gewinn des fortgeführten Geschäfts über die 4,1 Mrd Euro des Vorjahres steigern und dabei die Erlöse organisch moderat wachsen lassen. Der Auftragseingang soll weiter deutlich über die 81,2 Mrd Euro des Vorjahres gebracht werden. “Wir sind voll auf Kurs, unsere für 2011 gesteckten Ziele zu erreichen”, sagte Vorstandsvorsitzender Peter Löscher.

Probleme machen dem DAX-Konzern meist die Bereiche außerhalb der Sektoren, zuletzt vor allem die IT-Geschäfte von SIS und dem Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks. Bei SIS ist Siemens zum Jahresende ein Befreiungsschlag gelungen, das Sorgenkind soll künftig von der französischen Atos Origin zum “europäischen IT-Champion” gepäppelt werden. Doch bis der Deal über die Bühne gebracht ist, wird er die Münchner noch mehrere hundert Millionen Euro kosten.

Ein Vorgeschmack ist nun im ersten Quartal die Abschreibung des SIS-Goodwills von 136 Mio Euro. Hinzu kommt ein Teil der Ausgliederungskosten, die Finanzvorstand Joe Kaeser auf insgesamt 200 bis 300 Mio Euro beziffert hatte. Im ersten Quartal wurden davon 75 Mio Euro fällig, wie Siemens am Berichtstag mitteilte.

Wenn SIS nach Plan im vierten Quartal an Atos Origin übergeht, wird Löscher den Konzern fast vollständig auf sein Kerngeschäft gestutzt haben. “Heute kommen 94 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus den Sektoren Industry, Energy und Healthcare. Nach Abschluss der Siemens IT-Solutions and Services-Transaktion sind es sogar 99%”, sagte Löscher am Dienstag in einer Pressekonferenz.

Die Erwartungen der Analysten hat Siemens mit den Erstquartalszahlen übertroffen. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten mit Neuaufträgen von 21,7 Mrd Euro, Erlösen von 18,9 Mrd Euro und einem Nettoergebnis von 1,52 Mrd Euro gerechnet.

Löscher sieht die Wachstumsperspektiven des Technologiekonzerns positiv: Die Weltwirtschaft erhole sich schneller und kraftvoller als erwartet. Gleichwohl gebe es mit der Schuldenkrise in Europa und den auslaufenden Konjunkturprogrammen auch Risikofaktoren. Einen Rückfall in eine Rezession hält der Vorstandsvorsitzende von Europas größtem Technologiekonzern aber für unwahrscheinlich.