MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Die Wirtschaftskrise hat bei Siemens weniger tiefe Spuren hinterlassen als vielfach befürchtet. Mit einem Auftragsbestand von 87 Mrd Euro im Rücken geht der Technologiekonzern davon aus, im fortgeführten Geschäft sein Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr (30. September) um mindestens 25% bis 35% auf etwa 5,1 Mrd bis 5,5 Mrd Euro steigern zu können.

Die aktuelle Prognose dürfte allerdings schon bald Makulatur sein, denn Siemens kann im Dauerstreit mit dem französischen Atomkonzern Areva ein Ende absehen und darf damit einem Geldsegen in Milliardenhöhe entgegensehen. Noch im laufenden Kalenderjahr könnten unabhängige Experten den Preis der Siemens-Anteile am Gemeinschaftsunternehmen mit den Franzosen festlegen; für das Frühjahr wird das Ende des Streits erwartet. Der Wert der Anteile ist bei Areva mit rund 2 Mrd Euro verbucht.

Das Dauerthema Areva dürfte Siemens also im kommenden Jahr abhaken können, die beiden IT-Baustellen Nokia Siemens Networks (NSN) und Siemens IT Solutions and Services (SIS) werden Europas größten Technologiekonzern hingegen noch länger beschäftigen. Für NSN sucht Siemens mit Nokia nach einem Investor, der einen Teil der Anteile übernimmt. Sogar einen Börsengang von NSN hat der Siemens-Finanzvorstand schon ins Spiel gebracht – wohl auch, um die Gespräche mit den Investoren zu forcieren. Für SIS brauchen die Münchner schnellstmöglich einen Plan, wie die IT-Sparte auf das Niveau der Konkurrenz gebracht werden kann.

Denn vor allem die Leistung der Konkurrenz soll den Siemens-Managern künftig Messlatte für den eigenen Erfolg sein. Besser als General Electric und Philips wollte man in München am Wittelsbacherplatz schon lange sein, aber mit dem neuen Zielsystem “One Siemens” rückt der Wettbewerbsvergleich auch stärker in den Blick. Zudem will Siemens sein Kapital künftig effizienter einsetzen und nicht nur die Margen nach oben treiben. “Siemens ist wieder ein normales Unternehmen der Spitzenklasse” hatte Konzernchef Peter Löscher ganz unbescheiden verkündet. 2011 muss er diesen großen Worten Taten folgen lassen.