Siemens-Chef Joe Kaser will mit seinem Kurs Milliarden einsparen und den Konzern profitabler machen.

Siemens-Chef Joe Kaser will mit seinem Kurs Milliarden einsparen und den Konzern profitabler machen. Nun streicht der Technologiekonzern weltweit weitere 4.500 Stellen. - Bild: Siemens

Mit dem Konzernumbau will Siemens-Chef Kaeser Milliarden einsparen. Nun streicht der Technologiekonzern weltweit weitere 4.500 Stellen. Allein in Deutschland werden rund 2.200 Arbeitsplätze wegfallen. Welche Bereiche genau betroffen sind, ist unklar.

Bei Siemens täuschen zweistellige Zuwächse beim Umsatz und ein Nettoergebnis im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich über die wahre Lage hinweg: Der größte deutsche Industriekonzern ist in seinem zweiten Quartal weniger profitabel gewesen, das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Zwischenbericht hervor.

Die berichteten Zahlen sehen so schlecht nicht aus. Der Auftragseingang legte im März-Quartal um 16 Prozent auf 20,75 Milliarden Euro zu, beim Umsatz steht ein Plus von 8 Prozent auf 18,05 Milliarden Euro. Und unterm Strich steht ein Gewinn von 3,9 Milliarden Euro, nach 1,12 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum, was 4,70 (Vorjahr 1,33) Euro je Aktie entspricht.

Damit hat Siemens die Erwartungen des Marktes übertroffen. Von Dow Jones befragte Analysten hatten einen Auftragseingang von 20,06 Milliarden Euro, einen Umsatz von 17,8 Milliarden Euro und ein Ergebnis je Aktie von 3,75 Euro in Aussicht gestellt. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte bereits im März auf einer Analystenkonferenz ein klares Bild des Geschäftsverlaufs zwischen Januar und März gezeichnet, so dass das Überraschungspotenzial begrenzt sein sollte.

Konzern kämpft um seine Profitabilität

Nur die nackten Zahlen verzerren das Bild: Die Zuwächse bei Auftragseingang und Umsatz sind in hohem Maße dem schwachen Euro geschuldet. Ins Nettoergebnis fließen die Verkaufserlöse insbesondere der BSH Hausgeräte GmbH, dem Joint-Venture zwischen Siemens und Bosch, wie auch der Hörgerätesparte ein. Beide Verkäufe wurden erst Anfang des Jahres besiegelt und brachten insgesamt 3,2 Milliarden Euro ein.

Organisch sieht es anders aus: Das Ergebnis des industriellen Geschäfts sank um 5 Prozent auf 1,66 Milliarden Euro, was einer Marge von 9 Prozent entspricht, im Vorjahreszeitraum waren es noch 10,3 Prozent. Bereinigt um Währungseffekte und Portfolioveränderungen legte Siemens beim Umsatz nicht zu, der Auftragseingang lag begünstigt durch einen Großauftrag um 7 Prozent über Vorjahr.

“Im Geschäftsvolumen haben wir uns in unseren Märkten gut behauptet. Die Profitabilität des industriellen Geschäfts zeigt, dass wir uns bei einigen Geschäften noch verbessern müssen,” sagte Kaeser in einer Mitteilung.

Stellenabbau in ertragsschwachen Bereichen

Dass Siemens weiter Stellen abbaut, ist freilich nicht nur eine direkte Reaktion auf die sinkende Marge. Bereits vor einem Jahr hatte Kaeser angekündigt, sich ertragsschwache Bereiche anzuschauen und vor drei Monaten Ergebnisse mit der Vorlage des Zweitquartalsberichts in Aussicht gestellt. Jetzt kommt aber noch ein Stellenabbau in der schwächelnden Division Power and Gas hinzu: Weitere 4.500 Stellen will Siemens streichen, darunter 2.200 in Deutschland. Bereits im Februar hatte Siemens zur Straffung seiner Verwaltungsstruktur 7.800 Stellenstreichungen angekündigt, letztlich werden es 400 weniger, also 7.400.

Nunmehr sei der strukturelle Umbau aber in der Hauptsache abgeschlossen, sagte Kaeser.

Gleichwohl hält Siemens am Ausblick für das Geschäftsjahr fest. Bei einem stabilen Umsatz will Siemens eine Marge im industriellen Kerngeschäft von 10 bis 11 Prozent zu erreichen. Das Ergebnis je Aktie soll, getrieben durch Veräußerungserlöse, um 15 Prozent über dem Vorjahr liegen. Auch mahnte der Industriekonzern: “Unter anderem wegen geopolitischer Spannungen” bleiben die Märkte im laufenden Geschäftsjahr komplex.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke