Siemens ICE 4

Siemens fusioniert sein Zuggeschäft mit Alstom. Die Unternehmen reagieren damit auf den Wettbewerbsdruck aus Fernost. - Bild: Siemens

Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten am Dienstag beide Unternehmen nach einer Sitzung ihrer Aufsichtsgremien. Der im Vorfeld als möglicher Siemens-Partner gehandelte dritte große europäische Markt-Player, Bombardier, geht damit leer aus.

Siemens wird dazu sein Mobilitätsgeschäft ausgliedern und anschließend komplett bei Alstom einbringen. Im Gegenzug bekommt der deutsche Technologiekonzern neue Alstom-Aktien aus einer Kapitalerhöhung in Höhe von 50 Prozent des Grundkapitals sowie Bezugsrechte für den Kauf weiterer Aktien von 2 Prozent kurz vor dem Abschluss der Transaktion, von der sich beide Seiten Synergien im Volumen von 470 Millionen Euro jährlich spätestens ab dem vierten Jahr nach dem Abschluss versprechen.

Mit dem Zusammenschluss entstünde ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 15,3 Milliarden Euro und großer Marktmacht. Siemens produziert in Deutschland den ICE und Alstom in Frankreich den TGV. Neben den Hochgeschwindigkeitszügen und Lokomotiven bauen beide Unternehmen U- und S-Bahnen, Straßenbahnen sowie Nahverkehrszüge und sind stark in der Signaltechnik. Beide Geschäfte ergänzten sich im Hinblick auf ihre Aktivitäten und geografischen Standorte, heißt es in der Erklärung der beiden Unternehmen.

Die Aktionäre von Alstom sollen zwei gleich große Sonderdividenden im Gesamtvolumen von 1,8 Milliarden Euro bekommen, die erste Hälfte von 4 Euro je Aktie wird zum Abschluss der Transaktion fällig. Chef des fusionierten Unternehmens mit Aktiennotierung in Paris soll Alstom-CEO Henri Poupart-Lafarge werden. Die Unternehmenszentrale für Mobilitätslösungen soll in Deutschland liegen, die für Schienenfahrzeuge in Frankreich. Abgeschlossen werden soll die Fusion bis Ende 2018. Die Aktionäre von Alstom müssen zuvor noch auf einer Hauptversammlung zustimmen.

Über eine Konsolidierung im europäischen Eisenbahnsektor wird seit geraumer Zeit spekuliert. Der Markt für Schienenfahrzeuge und Zugtechnik ist von großen, oft öffentlichen Auftraggebern abhängig, die Margen der Anbieter sind deshalb oftmals gering, und die Entwicklung neuer Züge ist teuer. Versuche der großen drei in Europa ansässigen Hersteller waren allerdings bisher immer im Sande verlaufen. Im Sommer hieß es, Siemens und Bombardier hätten einen unterschriftsreifen Plan für einen zweigleisigen Zusammenschluss erarbeitet. Umgesetzt wurde er nicht.

Mit der Fusion ihrer Eisenbahngeschäfte reagieren die beiden Konzerne darauf, dass in China mit staatlicher Unterstützung vor zwei Jahren aus den beiden größten Zugfabrikanten CNR und CSR ein Riese entstanden ist, der größer ist als drei großen europäischen Platzhirsche zusammen und auf ausländische Märkte drängt. CRRC soll vor einer Übernahme des tschechischen Herstellers Skoda Transportation stehen. Einen ersten Auftrag verbuchte eine CRRC-Tochter im vergangenen Dezember: Sie verkaufte drei Schnellzüge nach Tschechien.

Vor drei Jahren hat Siemens schon einmal einen Anlauf unternommen, mit Alstom einen Zusammenschluss der Zugsparten zu schmieden. Damals war allerdings die besonders rentable Signaltechnik nicht im Paket enthalten, und der Deal scheiterte. Jetzt soll die Initiative zu einem "Airbus der Schiene" von der französischen Regierung ausgegangen sein, wie die französische Zeitung "Les Echos" schrieb. Der französische Staat unterstütze das Vorhaben, sofern Siemens vier Jahre lang wenigstens 50,5 Prozent der Aktien behält und bestimmte Beschäftigungszusagen einhält, hieß es jetzt.