Siemens-Unternehmenszentrale in München: Der Auftragseingang des Konzerns legte im zweiten Quartal

Siemens-Unternehmenszentrale in München: Der Auftragseingang des Konzerns legte im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich nochmals zweistellig deutlich zu (Bild: Siemens AG).

von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Das Industriekonglomerat Siemens hat nach dem gelungenen Jahresstart auch im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2010/11 im Vorjahresvergleich Zuwächse bei den zentralen Finanzkennzahlen verbucht. “Wie erwartet haben wir im zweiten Quartal erneut ein robustes Wachstum gezeigt”, sagte Finanzvorstand Joe Kaeser am Dienstag auf einer Investorenveranstaltung. In Euphorie wollte der Manager aber nicht verfallen: “Ich gehe aber davon aus, dass sich das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte beruhigen wird”.

Im Vergleich zum Vorjahreswert von 16,2 Mrd Euro sei der Auftragseingang im zweiten Quartal prozentual zweistellig gestiegen, erklärte Europas größter Technologiekonzern. In allen Kerngeschäftsfeldern – also in den Bereichen Industry, Energy und Healthcare – gab es deutliche Zuwächse. Das Niveau des starken Auftaktvierteljahres auf Konzernebene von rund 20,8 Mrd Euro dürfte knapp erreicht worden sein.

Die Einnahmen des DAX-Konzerns werden das Niveau des Vorquartals von 17,6 Mrd Euro voraussichtlich leicht übertreffen und damit spürbar über dem Vorjahr liegen. Auch auf dieser Ebene trugen sämtliche Kernsegmente zu dem Wachstum im Vergleich zu den Monaten Januar bis März 2010 bei.

Das Ergebnis nach Steuern aus dem fortgeführten Geschäft sieht Siemens über dem Vorjahreswert von rund 1,4 Mrd Euro, aber unter dem aus dem Auftaktquartal. Zwischen Oktober und Dezember hatte Siemens unter dem Strich knapp 1,9 Mrd Euro verdient – der höchste Quartalsgewinn in der Regentschaft des Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher.

Grund für den Rückgang im Vergleich zu den vorangehenden drei Monaten sind nach Unternehmensangaben der starke Produktmix zum Jahresauftakt, saisonale Effekte und verstärkte Aufwendungen in Wachstumsfelder wie etwa Erneuerbare Energien sowie steigende Investitionen für Forschung und Entwicklung und in den Vertrieb.

Kaeser stellte nach dem Verkauf des Sorgenkinds SIS und dem angekündigten Osram-Börsengang für Anfang Mai eine neue Prognose für das Gesamtjahr in Aussicht. Beide Bereiche werden inzwischen nicht mehr in das fortgeführte Geschäft eingerechnet. Die endgültigen Zweitquartalszahlen werden die Münchener am 4. Mai veröffentlichen.

Siemens peilt für das im September zu Ende gehende Geschäftsjahr bislang einen deutlichen Anstieg des Auftragseingangs an. Die Einnahmen sollen – ohne Berücksichtigung von Zukäufen – moderart zulegen und der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft um mindestens 25% bis 30% über dem Vorjahr liegen.

In der vergangenen Woche hatte Siemens den nächsten Schritt des Konzernumbaus bekannt gegeben, von dem vor allem das bislang größte Kerngeschäftsfeld, der Industry-Sektor betroffen ist. So wollen die Bayern nicht nur ihre profitable Licht-Tochter Osram an die Börse bringen, sondern auch ein neues Kernsegment gründen, das sich vor allem der zunehmenden Urbanisierung und Infrastrukturinvestitionen widmen wird. Mit der neuen Aufteilung in die dann insgesamt vier Hauptsegmente will Siemens mittelfristig die 100-Mrd-Euro-Marke beim Umsatz knacken. 2009/10 waren es knapp 76 Mrd Euro.