Lean Innovation: Das schlanke Entwickeln umfasst sieben Handlungsfelder, die alle den Leitlinien der übergeordneten Entwicklungsstrategie folgen. - Bild: Staufen AG

Lean Innovation: Das schlanke Entwickeln umfasst sieben Handlungsfelder, die alle den Leitlinien der übergeordneten Entwicklungsstrategie folgen. - Bild: Staufen AG

Kürzere Produktlebenszyklen, enger getaktete Produktions- und Lieferzeiten sowie immer anspruchsvollere Kunden. Durch ein fehlendes Innovationsmanagement sind gerade viele mittelständische Unternehmen nicht mehr in der Lage, sich vor diesem Hintergrund an rasant wechselnde Technologien und Märkte anzupassen. Mit der Einführung von Lean Innovation und Lean Development können Unternehmen wieder wettbewerbsfähig werden.

„Gerade im Mittelstand ist die Innovations-Pipeline immer häufiger nicht mehr gut gefüllt“, erklärt Dr. Andreas Romberg, Innovationsexperte der Unternehmensberatung Staufen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Im Mittelstand ist häufig der Eigentümer für das Antreiben von Innovationen verantwortlich. Steht ein Generationenwechsel an, fällt der ehemalige Technologieführer oder Hidden Champion schnell in ein Innovationsloch. Oft fehlen der mittelständischen Industrie einfach das Know-how und die Kapazität, um in ihren Organisationsstrukturen ein umfassendes Innovationsmanagement aufzubauen.

 

Mit dem neuen Konzept „Innovation as a Service“ setzt Staufen hier an, um gerade kleineren und mittleren Betrieben den Weg zu einem systematischen Vorgehen und damit letztendlich mehr Innovationen zu ebnen. „Der Wandel der Welt fordert auch Veränderungen in der Entwicklung innovativer Produkte, Dienstleitungen und Geschäftsmodelle. Der häufig bei kleineren Unternehmen von innen heraus technologie-getriebene Ansatz reicht heute nicht mehr aus. Künftig müssen Innovationen vom Markt inspiriert und dann vor allem gezielt gesteuert werden“, betont Berater Romberg. Erfolgreiche Unternehmen wie Siemens betreiben etwa Trend-Scouting, leiten daraus Innovationsprojekte ab und denken bereits heute in künftigen Kundenanforderungen. Procter & Gamble lässt offene Plattformen für radikale Innovationen zu. Und Hilti erstellt Projekt-Roadmaps für den hauseigenen Technologie-Supermarkt. Innovationsführer sind aber nicht nur in der Lage, vielversprechende Ideen aufzutun sondern sie setzen diese auch noch effizient um – nach dem Motto „Die richtigen Dinge richtig tun“.

Auch wenn dies auf den ersten Blick widersprüchlich klingen mag: Kreativität in der Innovationsarbeit folgt einem strukturierten Prozess. Es gilt, aus vielen Ideen in kurzer Zeit erfolgversprechende Projekte abzuleiten, um schnell mit der eigentlichen Entwicklungsarbeit beginnen zu können. Effizienz und Kreativität widersprechen sich also nicht. Im Gegenteil, sie sorgen im Miteinander dafür, dass mehr Neuheiten zur Marktreife gelangen. Der Grundstein hierfür lässt sich mit Lean Innovation und Lean Development legen.

 

Das schlanke Entwickeln umfasst sieben Handlungsfelder, die alle den Leitlinien der übergeordneten Entwicklungsstrategie folgen (siehe Abbildung). Beispiel Innovation: Technologieführer erarbeiten und nutzen Trendradars zur Innovationssteuerung. Eine systematische Produktgestaltung nutzt Standardisierung, Plattformen, Modularisierung und Variantenmanagement. Unternehmensorganisation, Projektmanagement, Führungssystem und Prozesse sind weitere Felder, die Lean Innovation umfasst. Ein gutes Vorbild für systematisches Betreiben von Innovationen bietet Dichtungsspezialist Freudenberg Sealing Technologies. In dessen Innovationscenter werden die weltweit entstehenden Neuerungen im Unternehmen sowie aufkommende Ideen zusammengeführt und dafür gesorgt, dass es beim Thema Innovationen immer einen roten Faden gibt. Zudem existiert ein festes „Innovation Management System“.

Vielen Mittelständlern fehlt diese Systematik noch. Staufen Experte Andreas Romberg bringt es so auf den Punkt: „Die meisten Industrieunternehmen sehen Neuerungen zwar als erfolgsentscheidend an, doch Theorie und Praxis klaffen hier häufig auseinander. Die Innovationskultur ist in vielen Firmen – vorsichtig formuliert – noch ausbaufähig.“