Opel, AmperaE

Der AmperaE kommt bald auf den Markt. Baut Opel in Zukunft vielleicht nur noch Elektroautos? - Bild: Opel

Während Ford in den beiden Jahren 2015 und 2016 in Summe 1,5 Milliarden US-Dollar Gewinn in Europa gemacht hat, musste Opel 1 Milliarde Verlust einstecken. 2,5 Milliarden Dollar Gewinnunterschied in zwei Jahren sind der Ergebnisunterschied zwischen Opel und Ford.

„Das Argument, Opel wäre von GM auf Europa „gefesselt“ und deshalb nicht lebensfähig, ist damit empirisch eindeutig widerlegt“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Und er ergnzt: „Es geht, man muss es nur richtig machen.“ Deshalb sei die Brexit-Erklärung für die erneuten Opel-Verluste bei GM nur wenig überzeugend angekommen. Und genau deswegen sei der US-Autoriese in Verkaufsverhandlungen mit Peugeot-Citroen (PSA) eingestiegen.

„Geht der Verkauf von Opel an PSA-Peugeot-Citroen schief, bleibt Opel ein lame duck“, sagt Dudenhöffer. Der Werbeslogan „Umparken im Kopf“ werde zum „Angekommen in der Realität“. Das öffentliche Renommee, mühsam aufgebaut, bleibe zu großen Teilen auf der Strecke. Die Verkaufsverhandlungen signalisieren, Opel kommt nicht aus den Problemen raus, daher will GM sich trennen“, so der Autoexperte.

Denn wer kaufe schon gerne eine Marke, die Probleme habe. Wer kaufe ein langlebendes Produkt, wie ein Auto, bei dem man nicht genau weiß, wie die Zukunft der Marke aussieht. „Das kann man nicht so leicht mit einem neuen Werbespruch übertünchen. Die alten Probleme liegen wieder auf dem Tisch. Und Käufer haben ein Elefantengedächtnis“, erklärt Dudenhöffer.

Die Folge: Opel müsse Kunden mit noch höheren Rabatten und noch höheren Eigenzulassungen ködern. Das macht es wiederum noch schwieriger schwarze Zahlen zu schreiben. „Also müssen weitere Restrukturierungen angestoßen werden“, so der Autopapst. Also auch bei einem Verbleib im Konzern, sähe die Zukunft von Opel nicht rosig aus. Dudenhöffer kommentiert: „Man wir also alles daran setzen, den Deal zu machen.“

Szenario 2: Verkauf klappt - Opel könnte eine Markenhülle werden

Welches Szenario ergibt sich bei erfolgreichem Verkauf? Dazu muss man sich nur anschauen, wie der heutige PSA-Chef Tavares die Marken Peugeot, Citroen und DS, die angebliche neue Premiummarke, führt: Es gibt keine Markenwerke, sondern nur Konzernwerke, in denen alle Markenprodukte gefertigt werden.

„Für Opel heißt das nach einem Übergangszeitraum vollständig im PSA-Produktionsverbund eingegliedert zu werden“, folgert Dudenhöffer. Die zentrale Produktionsleitung sitze dann in Paris, in Rüsselsheim gäbe es dann noch einen Werksleiter. Wie viele Werke PSA-Opel Verbund dann noch brauche, werde von Paris aus gesteuert. „Ob dann etwa ein Motorenwerk Kaiserslautern oder Produktionswerk Eisennach ohne eigenen Karosseriebau „gebraucht“ ist schwer zu sagen“, so der Autoexperte. Klar ist, die Kapazitäten von Opel und PSA gelten in Europa als eher überdimensioniert.

Darüber hinaus macht eine Eingliederung nur Sinn, wenn auch der Einkauf zu 100 Prozent eingegliedert ist, sprich in der Zentrale sitzt und die ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in Paris. „Damit dürfte der Verwaltungsbereich Rüsselsheim deutlich leiden und verkleinert werden“, meint Dudenhöffer. Das Szenario, dass der Einkauf nach Paris abwandert habe eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit.

Auch der Europa-Vertrieb der Marke Opel könnte mit großer Wahrscheinlichkeit mittel- bis langfristig nach Paris verlagert werden. Weniger Personal, zentrale und schnellere Kommunikation im Hauptquartier sind Vorteile für PSA. „Rüsselsheim wird dann zu einer „National Sales Organisation“, also zu einer Art Importeur, wie Peugeot oder Citroen in Deutschland“, so der Autoexperte.

Ein wichtiger Teil des Rüsselheimer Entwicklungszentrums arbeitet an Motoren. Das gleiche wird in Paris für Citroen und Peugeot gemacht. „In der neuen Einheit braucht man aber nur ein Zentrum für Motoren und nicht mehrere“, erklärt Dudenhöffer.

Auch ob eigenständige Fahrzeug-Plattformen in Rüsselsheim in Zukunft entwickelt werden, könnte fraglich sein. In der Summe könnte das Entwicklungszentrum erheblich schrumpfen.

Szenario 3: Opel spezialisiert sich auf Elektroautos

Der Spiegel bringt ein weiteres Szenario ins Spiel: Opel wird Spezialist für Elektroautos. Die alternative Elektrostrategie habe Opel-Chef Neumann in den vergangenen Monaten gemeinsam mit dem Vorstand entwickelt. Neumann will das neue Opel auf der neuen Elektroplattform des GM-Konzerns aufbauen. Das erste der batteriegetriebenen Modelle – der AmperaE - kommt aktuell auf den Markt. Im Frühjahr, spätestens im Mai, soll der GM-Vorstand eigentlich über den Elektroplan entscheiden. Das habe es die Detroiter GM-Führung versprochen, heißt es in Rüsselsheim.

Welche Chancen dieser Plan des Opel-Managements angesichts der GM-Peugeot-Verhandlungen noch hat, ist unklar.

Video: Das ist der Opel AmperaE.