Robot Revolution Initiative, Plattform Industrie 4.0, Industrie 4.0, Japan, Deutschland

Mitglieder der deutschen Plattform Industrie 4.0 haben mit dem japanischen Pendant Robot Revolution Initiative über eine Kooperation verhandelt. 3. von l.: Wolfgang Scheremet, BMWi, daneben: Henning Banthien, 2. von r.: Heinrich Munz, Kuka. Bild: Plattform Industrie 4.0

Deutschland strebt eine Zusammenarbeit mit Japan und den USA im Bereich Industrie 4.0 an. Aus diesem Grund verhandelt die zuständige Plattform Industrie 4.0 mit den entsprechenden Organisationen in diesen für die Bundesrepublik wichtigen Volkswirtschaften.

Zuletzt reiste eine Delegation des Bundeswirtschaftsministeriums unter der Leitung von Dr. Wolfgang Scheremet, Leiter der Abteilung Industrie, zusammen mit der Plattform Industrie 4.0 zum Symposium „Toward the Realization of Robot Revolution“ nach Tokio. Eingeladen hatte das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie sowie die dort angesiedelte Robot Revolution Initiative. Scheremet erörterte in Anwesenheit von japanischen, amerikanischen und deutschen Industrievertretern, wie eine Zusammenarbeit bei Industrie 4.0 aussehen kann und welche Herausforderungen es dabei gibt.

Pendant der Plattform Industrie 4.0 ist auf japanischer Seite die Robot Revolution Initiative, die im Juni vergangenen Jahres von Premierminister Shinzo Abe gestartet wurde, um die Roboterindustrie mit jedem Lebensbereich der Japaner zu verzahnen und sie auf ein neues Niveau zu heben. Gleichzeitig wurde ein Fünfjahresplan verabschiedet, der das Wachstum des Robotermarkts ankurbeln soll.

Die Robot Revolution Initiative soll Japan aber auch helfen, an der Spitze der technologischen Entwicklung zu bleiben. „Denn insbesondere in den Vereinigten Staaten und Europa versuchen andere Länder, Marktführer im Bereich neuer Roboter zu werden, indem sie neue Produktionssysteme einführen, die IT wie Big Data mit Robotik verschmelzen“, sagte Abe bei der Präsentation der Initiative. „Wenn wir in dieser neuen Ära fortfahren, untätig zu bleiben, wird es wahrscheinlich, dass wir einfach nur noch Zulieferer von den Vereinigten Staaten und Europa werden.“

„Die Japaner schauen auf die Cross-Domain-Welten des Internet of Things insgesamt“, sagt Henning Banthien, der Leiter der Geschäftsstelle der Plattform Industrie 4.0,  „aber wie in Deutschland ist auch für die Japaner die Tiefe der Wertschöpfung im Bereich der industriellen Produktion natürlich sehr relevant und interessant.“ Da sei das deutsche
RAMI 4.0 natürlich deutlich hilfreicher als vieles anderes, was  angeboten werde. Für die Japaner sei RAMI 4.0 ein wichtiger Referenzpunkt. Denn bisher haben die Japaner kein eigenes Referenzarchitekturmodell.

„Bei den Japanern ist wegen des demografischen Wandels auch das Thema Arbeit 4.0 sehr präsent, vielleicht präsenter als in anderen Partnerländern“, so Banthien. Beobachtern zufolge wollen die Japaner mit Robotern dem Fachkräftemangel begegnen.

Japaner und Deutsche sprechen über die Themen Standardisierung, zum Beispiel das Architekturmodell RAMI 4.0, gemeinsame Testumgebungen für Industrie 4.0 sowie Security. Besonders das Thema Security komme immer sehr schnell zur Sprache, berichtet der Leiter der Geschäftsstelle.

Mit dem amerikanischen Pendant der Plattform Industrie 4.0, dem Industrial Internet Consortium (IIC), das sich international aufgestellt sieht, sind die Verhandlungen der deutschen Plattform  über eine Kooperation deutlich  weiter fortgeschritten. Die zwei weltweit größten Initiativen der digitalen Transformation wollen jetzt enger zusammenarbeiten. Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Matthias Mach­nig wird am 2. März zusammen mit dem geschäftsführenden Direktor des IIC Richard Mark Soley und Siemens-Vorstand Professor Siegfried Russwurm, der für die Plattform I 4.0 spricht, erläutern, wie die Kooperation zwischen der Plattform Industrie 4.0 und dem IIC konkret aussehen soll, welche Ziele die Partner verfolgen und welche Aufgaben vor ihnen liegen.

Die parlamentarische Staatssekretärin in Bundeswirtschaftsministerium Brigitte Zypries sagte gegenüber Produktion: „Eine förm­liche Kooperation vonseiten der Bundesregierung gibt es nicht. Wir sind als Deutsche bemüht, eigene Standards zu entwickeln und haben deshalb eine eigene Or­ganisation aufgebaut.“ Die Deutschen wollen nach Informationen von Produktion Allianzen schmieden. Dabei sei die Standardisierung Unternehmensaufgabe. Die erarbeiteten Standardisierungen sollen dann in Normen einfließen. Bisher sei es so, dass US-Unternehmen Quasimonopole aufbauten. Diese Technologien etablierten sie dann über Normungsorganisationen als Standard. Man werde laut Zypries sehen, wie man dann zusammenkommt, wenn es soweit ist.