Nach dem Absturz eines A400M-Militärtransportfliegers nahe Sevilla am Wochenende hat das spanische

Nach dem Absturz eines A400M-Militärtransportfliegers nahe Sevilla am Wochenende hat das spanische Verteidigungsministerium dem Hersteller vorübergehend die Flugerlaubnis für einige Testflüge mit der Maschine entzogen. - Bild: Airbus/Reymondon

Der A400M solle am Boden bleiben, bis die Absturzursache geklärt sei, sagte Verteidigungsminister Pedro Morenes am Dienstag in einem Interview mit dem spanischen Rundfunksender Onda Cero. “Wir müssen Vorsichtsmaßnahmen treffen”, fügte er hinzu und verwies darauf, dass sich die Flugzeuge noch in der Produktionsphase befänden und Testflüge durchgeführt würden.

Das Startverbot erstreckt sich nur auf bereits für Kunden gebaute, aber noch nicht ausgelieferte A400M-Maschinen. Airbus Group NV teilte mit, Testflüge mit eigenen Maschinen seien von der Entscheidung unberührt und würden wie geplant fortgesetzt. Demnach ist für 14:30 Uhr Ortszeit ein A400M-Flug vom Unternehmenssitz Toulouse nach Sevilla angesetzt, an dem auch der Leiter der Militärfliegersparte bei Airbus und ehemals Leiter der Testflugabteilung, Fernando Alonso, teilnehmen soll. Am Montag hatte sich Konzernchef Tom Enders in einem Schreiben an die Mitarbeiter demonstrativ hinter das A400M-Programm gestellt und bereits angekündigt, Testflüge – auch als vertrauensbildende Maßnahme – fortzusetzen.

Airbus-Chef Enders stellt sich hinter das Programm

Der weltweit zweitgrößte Flugzeugbauer erklärte, es sei “noch zu früh” abzuschätzen, inwieweit sich das von Spanien verhängte Verbot auf die Auslieferungspläne auswirken werde. In der Vergangenheit hatte Airbus bereits mit der Einhaltung seines Auslieferungszeitplans zu kämpfen. “Wir arbeiten eng mit den Militärbehörden und unseren Kunden bei der Handhabung der Situation zusammen”, teilte Airbus mit.

In Großbritannien, Deutschland, Malaysia und der Türkei wurden Flüge mit dem Transportflieger vorübergehend ausgesetzt, bis mehr Informationen über die Absturzursache bekannt werden. Frankreich, der erste und bislang größte Betreiber dieses Flugzeugtyps, setzte die A400M-Flüge indes unverändert fort.

Die Bundesregierung hatte Mängel beim A400M zwar in der Vergangenheit heftig kritisiert, will aber an dem Rüstungsprojekt mit dem Militärtransportflieger festhalten. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Uwe Roth, sagte am Montag, es gehe um die Modernisierung der Transportflotte, daher habe das Projekt eine erhebliche Bedeutung. Die Luftwaffe ist der größte A400M-Abnehmer, von den 53 bestellten Maschinen wurde bislang allerdings nur eine ausgeliefert.

Deutsche Regierung hält an A400M fest

Der für die Türkei bestimmte A400M war am 9. Mai kurz nach dem Start abgestürzt, während die Crew noch versuchte, nach einem abgesetzten Notruf zur Basis zurückzukehren. Vier der sechs Airbus-Mitarbeiter an Bord starben bei dem Unglück. Die beiden anderen wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Der Absturz fällt in eine schwierige Phase des A400M-Programms, das bereits um Milliarden teurer geworden ist als gedacht. Jahrelange Verzögerungen bei der Entwicklung und Produktion der viermotorigen Turbo-Propellermaschine haben das Projekt für Airbus zu einem Verlustbringer gemacht.

Die beiden Blackboxen des Transportflugzeuges wurden am Sonntagmorgen gefunden und werden nun ausgewertet. Die Ermittler werden vor allem untersuchen, ob ein Systemfehler aufgetreten ist, der auf einen in den fünfeinhalb Jahren seit dem Jungfernflug beispiellosen Herstellungs- oder Designfehler zurückzuführen ist. Auch das Verhalten der Crew wird genauestens rekonstruiert werden. Ebenso werden Daten der Flugsicherung ausgewertet. Der spanische Verteidigungsminister Morenes sagte, noch könne keine Absturzursache ausgeschlossen werden.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke