Stahl-Coil von SSAB: Überkapazitäten in der Stahlbranche oder nicht? Die Probleme bei SSAB

Stahl-Coil von SSAB: Überkapazitäten in der Stahlbranche oder nicht? Die Probleme bei SSAB dürften diesen Streit zwischen den Stahlunternehmen weiter anheizen (Bild: SSAB).

von Christina Zander und Markus Klausen, Dow Jones

STOCKHOLM (ks). Belastet von der schwachen Stahlnachfrage rechnen die Stockholmer im dritten Quartal mit einem operativen Mio-Verlust. Kunden sowohl in Süd- als auch in Nordeuropa seien “extrem zurückhaltend”. Anleger reagieren verschreckt – die Aktie verliert knapp 8% an Wert.

Europas Stahlhersteller hatten vor wenigen Wochen noch mit einer wieder anziehenden Nachfrage gerechnet. Doch die anhaltende Staatsschuldenkrise in der EU fordert ihren Tribut, die Kunden halten sich mit neuen Aufträgen zurück. SSAB dürfte nun einen Streit anheizen, der unter Stahlmanagern in Europa derzeit tobt. Die Schweden klagen darüber, dass ihre Kapazitäten im Bandblechbereich im dritten Quartal zu weniger als 60% ausgelastet sind. Und genau um dieses Thema – die Überkapazitäten in Europa – dreht sich der Streit in der Stahlbranche.

Auf der einen Seite steht Wolfgang Eder, Präsident des europäischen Stahlverbandes Eurofer und zugleich Chef der österreichischen Voestalpine AG. Eder zufolge bestehen “massive Überkapazitäten” in der Branche. Er forderte jüngst in einem Interview mit Finanz und Wirtschaft ein “industriepolitisches Signal” aus Brüssel, dass die Stahlindustrie gemeinsam einen Plan zur Anpassung der Kapazitäten an den heutigen Bedarf erarbeiten soll.

Diese Forderung stößt Rivalen in Deutschland sauer auf. “Aus unserer Sicht bestehen in Europa keine pauschal zu behandelnden Kapazitätsüberhänge”, heißt es in einem brancheninternen Brief von Thyssen-Krupp-Stahlchef Edwin Eichler und Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann, aus dem die Financial Times Deutschland zitiert. Zudem sei offenbar, dass es gegenwärtig innerhalb von Eurofer kein gemeinsames Verständnis zum Thema der Überkapazitäten gebe.

Ein Thyssen-Krupp-Sprecher wollte sich nicht zu dem Zeitungsbericht äußern. Bei Salzgitter und Voestalpine war kurzfristig niemand für einen Kommentar zu erreichen. Die Schweden werden unterdessen schon zum Handeln gezwungen. Mit Einsparungen reagiert SSAB auf das schwache Geschäft. Wegen der geringen Nachfrage und den unter Druck stehenden Stahlpreisen vor allem bei Standardprodukten erwartet der Konzern im dritten Quartal einen operativen Verlust von etwa 700 Mio Schwedischen Kronen bzw rund 81 Mio Euro. Im zweiten Quartal hatten die Schweden noch ein Betriebsgewinn von 755 Mio Kronen erzielt.

Aus diesem Grund beschleunigt SSAB ein bestehendes Sparprogramm. Bis zum ersten Quartal sollen die Maßnahmen, mit denen jährlich 800 Mio Kronen eingespart werden sollen, in der erweiterten Region Europa (EMEA) abgeschlossen sein. Im Herbst soll die Anzahl der Angestellten um 10% reduziert werden. Den Jobabbau hatte SSAB bereits angekündigt.

Die Schweden könnten der Branche die Richtung vorgeben. Auch vor dem Hintergrund des Streits um Überkapazitäten sind hier weitere Einschnitte zu befürchten. Die Stahlhersteller ächzen seit einiger Zeit unter dem starken Margendruck. Die schwache Nachfrage lässt die Preise sinken. Das belastet unter anderem auch den weltgrößten Stahlhersteller Arcelor-Mittal. Im zweiten Quartal verdiente der Konzern weniger und warnte vor einem schwierigen Umfeld für die kommenden Monate.
Auch die deutschen Branchengrößen Thyssen-Krupp oder Salzgitter spüren das widrige Umfeld. Der DAX-Konzern macht in seinem Stahlgeschäft in Europa derzeit noch Gewinn, hatte Vorstandschef Heinrich Hiesinger Ende August gesagt. Allerdings verdiene das Unternehmen weniger als sonst. Bei Salzgitter sorgte das schwache Stahlgeschäft schon für einen unerwartet hohen Verlust im ersten Halbjahr.