Von Martin Rapp, Dow Jones

BÖNEN (Dow Jones/ks)–Bis 2020 will das Duisburger MDAX-Unternehmen die Absatzmenge mindestens verdreifachen, wie der Vorstandsvorsitzende Gisbert Rühl am Donnerstag sagte. Demnach soll der Umsatzanteil in den Schwellenländern dann bei 20% bis 30% liegen. Momentan macht die Klöckner & Co SE in diesen Staaten noch kein Geschäft.

Als Grund für die geplante regionale Ausweitung des Geschäfts führte Rühl die begrenzten Wachstumsaussichten in den etablierten Märkten an. So werde sich der Stahlverbrauch in Europa und Nordamerika noch über Jahre unterhalb des Vorkrisenniveaus bewegen, erklärte er. Zudem bestehe auf der Distributionsebene, auf der KlöCo tätig ist, das Risiko andauernder Überkapazitäten. Das Unternehmen erwirtschaftet derzeit in Europa 85% seines Umsatzes und in Nordamerika den Rest.

Dagegen hat Rühl in den sogenannten BRIC-Staaten, also in Brasilien, Russland, Indien und China, dynamisches Wachstum festgestellt. “Die Hälfte des Weltstahlmarkts spielt sich in China ab. Da müssen wir dabei sein”, sagte er. Das soll im Reich der Mitte über den Aufbau eigenständiger Aktivitäten geschehen. Ziel ist laut Rühl, mit einem mittelgroßen Lager im dritten Quartal 2011 zu starten.

In Brasilien soll der Markteintritt dagegen durch Akquisitionen geschafft werden. Dazu habe man bereits vielversprechende Kontakte zu unabhängigen Distributoren aufgebaut, sagte Rühl. Indien wäre dann der nächste Schritt, in Russland seien dagegen die Rahmenbedingungen noch zu unsicher, erläuterte der Manager.

KlöCo will Rühl zufolge aber auch in Europa weiter wachsen, allerdings nicht so schnell wie in den anderen Weltregionen. Der Umsatzanteil auf dem hiesigen Kontinent soll 2020 bei 40% bis 60% liegen, prognostizierte Rühl. In Nordamerika will das Unternehmen auf 20% bis 30% zulegen, womit die Schwellenländer dann das gleiche Gewicht hätten.

Wachstum, organisch und durch Akquisitionen – dieses Mantra bleibt Teil der Unternehmensphilosophie, die KlöCo seit dem Börsengang 2006 postuliert. Seit dem Jahr wurden rund 20 Unternehmen zugekauft, die meisten eher von kleinerem Umfang. Das will der Konzern ändern, insbesondere in Nordamerika, wo das Wachstum über größere Akquisitionen beschleunigt werden soll, wie Rühl ausführte.

Insgesamt will KlöCo die Absatzmenge deutlich ausweiten. Momentan werden laut Rühl 5 Mio Tonnen jährlich abgesetzt. Im Jahr 2015 sollen es 8 Mio bis 10 Mio Tonnen sein, im Jahr 2020 will das Unternehmen 15 Mio bis 20 Mio Tonnen verkaufen. Bei gleichbleibenden Preisen würde das mindestens eine Verdreifachung der Erlöse bedeuten, die in diesem Jahr bei knapp 5 Mrd Euro erwartet werden.

Dabei bleibt KlöCo bei seinen Ergebniszielen. So soll die Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) weiter mindestens 6% betragen und ab 2011 wieder erreicht werden, sagte Rühl. Nach dem Verlustjahr 2009 wird sie 2010 bei rund 4% liegen. Das eingesetzte Kapital soll sich mit mindestens 15% verzinsen, ergänzte er. Dieser sogenannte ROCE wird in diesem Jahr noch bei rund 10% liegen.

Diese Ziele will das Unternehmen zum einen darüber erreichen, dass bei den zugekauften Geschäften die Marge über dem angepeilten Durchschnitt liegt. Zum anderen möchte Rühl die Wertschöpfung vertiefen, indem das Unternehmen den Stahl noch mehr bearbeitet, was den Preis erhöht.