Heinrich Hiesinger

Heinrich Hiesinger: "Die solide Entwicklung der Industriegütergeschäfte bestätigt uns, dass der Weg zum diversifizierten Industriekonzern richtig ist. Sorgen bereitet uns nach wie vor das Werkstoffgeschäft." - Bild: Thyssenkrupp

Unter dem Strich schrieb Thyssenkrupp sogar einen Verlust. Die Prognose für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern zwar, Voraussetzung sei aber eine deutliche Erholung der Werkstoffmärkte in der zweiten Geschäftsjahreshälfte.

Thyssenkrupp bereiten wie anderen Unternehmen der Branche die sinkenden Stahlpreise sowie eine schwache Nachfrage Probleme. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes EBIT) reduzierte sich im Zeitraum von Oktober bis Dezember von 317 Millionen Euro auf 234 Millionen Euro. Damit blieb Thyssenkrupp hinter den Erwartungen der von Dow Jones Newswires befragten Analysten zurück. Die Branchenexperten hatten im Schnitt mit einem Ergebnis von 258 Millionen Euro gerechnet.

In den Industriegütergeschäften gab es zwar Verbesserungen, das konnte aber nicht die negative Entwicklung der Werkstoffgeschäfte ausgleichen. So ging das operative Ergebnis der europäischen Stahlsparte um 28 Prozent auf 51 Millionen Euro zurück. Im amerikanischen Stahlgeschäft schrieb Thyssenkrupp einen Verlust von 74 Millionen Euro, nachdem der Konzern im Vorjahreszeitraum ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht hatte.

"Die solide Entwicklung der Industriegütergeschäfte bestätigt uns, dass der Weg zum diversifizierten Industriekonzern richtig ist. Sorgen bereitet uns nach wie vor das Werkstoffgeschäft", zitierte Thyssenkrupp seinen Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Um gegenzusteuern, will der Konzern im laufenden Geschäftsjahr, das im September endet, 850 Millionen Euro einsparen. 250 Millionen Euro davon sind bereits erreicht.

Unter dem Strich stand im ersten Quartal konzernweit ein Minus von 23 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Thyssenkrupp noch einen Gewinn von 50 Millionen Euro erwirtschaftet. Grund für den Verlust war laut dem Konzern unter anderem ein "überproportional" hoher Steueraufwand.

Auch der Free Cashflow war rückläufig: Ohne Berücksichtigung von Einnahmen aus Verkäufen und Ausgaben für Akquisitionen flossen 847 Millionen Euro ab, das waren 235 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Im gesamten vergangenen Geschäftsjahr hatte Thyssenkrupp erstmals seit 2006 wieder mehr Geld eingenommen als ausgegeben. Trotz des Rückgangs sieht sich der Konzern auf dem Weg, wie angekündigt einen freien Mittelzufluss auf Vorjahresniveau zu erreichen.

Mit Blick auf das operative Ergebnis ist Thyssenkrupp skeptischer: Das in Aussicht gestellte bereinigte EBIT von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro werde nur bei einer Erholung der Werkstoffmärkte erreicht. Der Jahresüberschuss soll weiter deutlich steigen.