Donald Trump

Die Management- und HR-Beratung metaBeratung bescheinigt der Mehrheit deutscher Topmanager narzistische Züge und bezeichnet dies als "Donald-Trump-Syndrom". - Bild: Donald Trump

Besonders kritisch: Die wenigsten Chefs sind sich ihres narzisstischen Verhaltens bewusst. Damit laufen sie beispielsweise Gefahr, sich maßlos zu überschätzen oder die Beziehungen zu Kollegen massiv zu stören.

Dies sind Ergebnisse einer Marktbeobachtung von Dr. Rainer Neubauer, Geschäftsführer von metaBeratung. Die Management- und HR-Beratung legt den Schwerpunkt auf Persönlichkeitsverfahren in der Personalauswahl.

"Jeder Mensch hat narzisstische Züge, die aber unterschiedlich stark ausgeprägt sind", sagt Dr. Neubauer. "Unsere Erfahrungen zeigen: Je größer die Selbstliebe, desto attraktiver ist der Aufstieg in eine Position mit großer Entscheidungsbefugnis - denn der Narzisst sucht sich seine Bühne." Auf dem Weg an die Spitze überzeuge er andere vor allem dadurch, dass er bei ihnen mehr Zuversicht erzeuge. Dies könne gerade in Krisenzeiten von Vorteil sein. Ein klassisches Beispiel: die Präsentation vor potentiellen Investoren - das sei eine typische Situation, in der ein Narzisst im Sinne des Unternehmens konstruktiv agiere.

Wenn herausragende Führungspersönlichkeiten ihre überzogen egozentrischen Verhaltensweisen durch ein Coaching mäßigten, habe das eine Signalwirkung für das gesamte Unternehmen. Ein solches Vorgehen empfiehlt sich laut Neugebauer etwa, wenn eine moderne Führungskultur etabliert oder das Image als Arbeitgeber verbessert werden soll.

Ein weiteres Plus: Eine Unternehmenskultur, in der nicht nur die Lautesten zum Zuge kommen, biete Raum für Minderheitenmeinungen und kreative Ideen. Eine solche Weichenstellung in der Personalführung sei gerade im Zuge der digitalen Transformation unverzichtbar.

"In diesem Anpassungsprozess ist es wichtiger denn je, dass der Narzisst seine Bühne verlässt und lernt, mit allen Mitarbeitern zusammenzuarbeiten. Die Kollegen wissen besser als ein Narzisst alleine, wie die Herausforderungen des digitalen Wandels zu meistern sind."