Den Kunden wird nicht nur eine Turbine und deren Wartung angeboten, sondern zum Beispiel

Den Kunden wird nicht nur eine Turbine und deren Wartung angeboten, sondern zum Beispiel Energieeffizienz oder Flexibilität. - Bild: Siemens

Siemens will den Ansatz Big Data nutzen, um neue Geschäftsmodelle zu finden. Experten aus der globalen Forschung Corporate Technologie (CT) haben für den Service der Siemens-Di­vision Power and Gas 200 Ideen kreiert. Zwölf Ideen, die ihnen besonders vielversprechend erschienen, wählten sie davon aus und erarbeiteten daraus Geschäfts­modelle.

Neue Ansätze der Denklogik

Dabei verwendeten die Corporate-Technologie-Forscher eine neue Denklogik: Den Kunden wird nicht nur eine Turbine und deren Wartung angeboten, sondern zum Beispiel Energieeffizienz oder Flexibilität. Die Methodik soll dazu führen, dass die Probleme beim Kunden gelöst werden und ermittelt wird, welchen genauen Wert ein Service hat, um daraus eine Geschäftslogik zu entwickeln. Dabei wird zusammen mit den Kunden frühzeitig eruiert, ob der Ser­vice funktioniert. Auf diese Wei­se wollen die Forscher auch neue Kundengruppen erschließen.

Als Ergebnis ihres Kreativprozesses schufen die CT-Experten von Siemens ein neues Servicemodell, bei dem der Service und die Bezahlung auf dem möglichst flexiblen Einsatz und der Effizienz der Turbine beruht. Dabei entscheidet das Unternehmen gemeinsam mit dem Kunden über den Zeitpunkt der Wartung.

Messbarer wirtschaftlicher Erfolg

Diejenigen Unternehmen, die die anfallenden Datenmengen mit geeigneten Methoden richtig nutzen, sind wirtschaftlich erfolgreicher, ergab eine Studie von Ernst & Young. 79 % der Entscheider in Unternehmen sind demnach der Meinung, dass sie mit Big-Data-Initiativen ihren Umsatz steigern können. Auch in der Logistik verspricht das Nutzen von großen Datenmengen Vorteile.

„Mit Big Data wird es erstmals möglich, Risiken in der Supply Chain zuverlässig zu bewerten“, ist sich Jan Cirullies, Leiter Logistische Assistenzsysteme und Simulation am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, sicher. „Man kann Wahrscheinlichkeiten angeben und das Schadensausmaß bewerten.“ Cirullies führte ein Projekt über die Automotive-Supply-Chain durch, wobei er Experten über Risiken befragte. Diese konnten nur nach ihrem Bauchgefühl Angaben über Risiken machen. Es gab keine belastbaren Zahlen.

„Das wird sich mit Industrie 4.0 und den damit einhergehenden großen Datenmengen ändern“, meint der Fraunhofer-Fachmann. Man werde feststellen können, was in der Supply-Chain als großes Risiko gilt. Treten bestimmte Mus­ter in den Daten auf, könne man frühzeitig erkennen, dass wie­der ein Risiko droht. Das geht in Richtung vorausschauende War­tung (Predictive Maintenance): „Wenn sich beispielsweise beim Verhalten einer Maschine ein gewisses Muster ergibt, kann man gewarnt werden, um das Gerät zu warten“, so Cirullies. „Denke man richtig visionär, kann Big Data eines Tags die Planung von Systemen übernehmen“, prophezeiht der Wissenschaftler. Denn in der Industrie 4.0 verhandelten im Kleinen die Maschinen miteinander.

Automatische Behebung von Problemen

Stellt man fest, dass ein System aus dem Gleichgewicht gerät, greift normalerweise noch ein Mensch korrigierend ein. „Mit Hilfe von Big Data wäre es möglich, dass frühere, ähnliche Situationen erkannt werden und entsprechende Lösungen, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, automatisch wieder bezogen werden und auf die Situation angewendet werden oder zumindet für einen menschlichen Entscheider vorbereitet werden“, schaut der Logistik-Fachmann in die Zukunft. In diesen großen Datenmengen stecke ein enormes Potenzial. Um die Daten aus der Vergangenheit für die Zukunft nutzbar zu machen, müssten jedoch Big Data zu Smart Data transformiert werden.

Beispiel: Hamburger Hafen

Wie man von der Vernetzung unterschiedlicher Datenquellen profitieren kann, zeigt auch das Beispiel Hamburger Hafen. „Man schafft es nur auf der bestehenden Fläche, die Umschlagsfähigkeit durch eine Effizienzsteigerung zu verdoppeln – auch bei den Verkehrs- und Infrastruktursystemen – wenn man die verschiedenen individuellen Systeme vernünftig miteinander vernetzt“, weiß Jens Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority AöR. „Das heißt, die Daten, die zu den Gütern gehören, müssen verbunden werden mit den verkehrstelematischen Systemen, zum Beispiel mit Daten von der Straße, der Bahn, der Wasserstraße oder der Luftfracht.

Dafür wurde in Hamburg ein „Smart Port“-Konzept aufgelegt, bei dem Hafenmitarbeiter über ihr eigenes Smartphone vernetzt sind. Die Smartphones hätten den Vorteil, dass man nicht Infor­matiker sein müsse, um das Gerät zu bedienen, erläutert der Hafenchef.

Wenn heute ein Schiff verspätet einläuft, kann der Disponent dem Lkw-Fahrer per Smartphone mitteilen, dass dieser erst einmal smart parken soll. Dies läuft über das Smart Port Logistics-System, so dass sich der Fahrer optimal verhalten und eine andere Ware abholen kann. Jens Meier: „Wir können dadurch Staus vermeiden, die Lenk- und Ruhezeiten besser einhalten und die Effizienz steigern.“

Gunnar Knüpffer