Auch wenn Terex laut der letzten Meldung erst 3% an Demag hält, ist Terex-Chef Ron DeFeo

Auch wenn Terex laut der letzten Meldung erst 3% an Demag hält, ist Terex-Chef Ron DeFeo zuversichtlich, die anvisierte Mehrheit von 51% des Aktienkapitals bis 30. Juni deutlich überschreiten zu können (Bild: Terex).

Von Nico Schmidt und Eyk Henning, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–”Ich bin durchaus zufrieden damit, wo der Prozess steht”, sagte der Vorstandsvorsitzende von Terex am Dienstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Auch wenn eine Prognose schwierig sei, zeigte sich der Manager zuversichtlich, bis zum Ende der Angebotsfrist am Donnerstag um Mitternacht die anvisierte Mehrheit von 51% der Anteile zu schaffen. “Wir glauben, wir werden erfolgreich sein.”

DeFeo ist sogar guten Mutes, diese selbstgesteckte Mindestgrenze überschreiten zu können: “Wir werden hoffentlich deutlich mehr bekommen”. Ein wichtiger Etappensieg auf diesem Weg sei es gewesen, dass Vorstand und Aufsichtsrat die Offerte nun unterstützten. Seine Zuversicht gründet der Terex-Chef auf das Feedback der Demag-Cranes-Aktionäre, mit denen er Kontakt hatte. “Mein Gefühl ist, dass sie das Angebot unterstützen. Jede Rückmeldung, die wir bekamen, war positiv.”

Sollte die Mindestgrenze mit Ablauf der Annahmefrist nicht geknackt werden, sei die geplante Transaktion hinfällig, stellte DeFeo klar. Nur bis zum 30. Juni können Aktien angedient werden. Das Ergebnis soll dann vermutlich am 2. Juli feststehen.

Sollte Terex scheitern, müssten die Amerikaner nach deutschem Recht ein Jahr lang die Finger von den Düsseldorfern lassen. Die Demag-Cranes-Aktie könnte dann nach Einschätzung des Amerikaners ins Rutschen geraten; er sprach von einem wohl “dramatischen” Fall. Schließlich hätten andere Industriewerte rund 20% verloren, seit Terex Ende April das Angebot angekündigt hatte.

Bis die Offerte erfolgreich ist, hat Terex noch einen weiten Weg zu gehen: Per Montagabend hält das in Westport im US-Bundesstaat Connecticut ansässige Unternehmen gerade einmal gut 3% am Demag Cranes. Ein Drittel davon brachten die Amerikaner schon in die Offerte mit ein. Es ist allerdings nicht unüblich, dass professionelle Anleger erst am Ende der Andienungsfrist aktiv werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch zu früh, mögliche Synergien zu quantifizieren, sagte DeFeo im Gespräch. Positive Effekte ergäben sich auf Umsatzseite vor allem dank des starken Service-Geschäfts von Demag Cranes und auf Kostenseite beispielsweise durch den gemeinsamen Einkauf und höhere Volumina.

DeFeo bekräftigte, dass er großen Respekt vor dem Demag-Cranes-Management habe. Er geht davon aus, dass Vorstandschef Aloysius Rauen die Geschicke des MDAX-Konzerns auch nach der Übernahme lenken wird. Nachdem sich die Führungsriege von Demag Cranes wochenlang gegen eine Übernahme gesträubt hatte, ebneten die Amerikaner Mitte des Monats mit einer deutlichen Anhebung des Angebotspreises den Weg für die Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat.

Terex ist nun bereit, 45,50 Euro je Aktie zu zahlen. Das sind 9% mehr als davor. Das bis dato gültige Gebot über 41,75 Euro war als zu niedrig kritisiert und kaum angenommen worden, da die Aktie teurer gehandelt wurde. Insgesamt bewertet die neue Offerte die Deutschen mit rund 963 Mio Euro. Die Amerikaner köderten die Führung des Kranbauers zudem mit Standort- und Beschäftigungszusagen.

Um Demag Cranes rankten sich seit dem vergangenen Herbst Übernahmespekulationen. Im Oktober machte zunächst Weltmarktführer Konecranes sein Interesse öffentlich; seinerzeit galt Terex zwar auch als möglicher Käufer, hielt sich jedoch noch bedeckt. Um die Eigenständigkeit zu erhalten, begab sich Demag Cranes nach den Avancen der Wettbewerber selbst auf Partnersuche und wurde mit der chinesischen Weihua fündig. Terex hat zugesichert, dass Demag Cranes die im Grundsatz vereinbarte strategische Allianz mit den Chinesen, die von Branchenexperten als sehr erfolgversprechend eingestuft wird, auch unter dem Dach der Amerikaner mit Leben füllen kann.

DeFeo stellte im Interview außerdem weitere Zukäufe und Joint Ventures in Aussicht, vor allem in Schwellenländern. Für dieses Jahr erwartet der Manager – ohne Berücksichtigung von Demag Cranes – Erlöse von 5,5 Mrd Dollar – ein Viertel mehr als noch 2010. 2013 sollen es dann 8 Mrd Dollar sein; auch in dieser Rechnung fehlen die Düsseldorfer noch. Demag Cranes selbst rechnet für 2010/11 mit einem Umsatz von rund Euro 1,06 Mrd Euro, der bis 2012/2013 auf rund 1,3 Mrd Euro steigen soll und 2014/2015 nochmals deutlich auf 1,7 Mrd Euro.