DÜSSELDORF (DJ/gk). Dem Industriekonzern Thyssen Krupp steht 2011 das Ende einer Ära ins Haus. Nach fast 40 Jahren im operativen Geschäft, davon seit 1999 an der Spitze des fusionierten Unternehmens, zieht sich Ekkehard Schulz nach der Hauptversammlung im Januar zurück. Der traditionsreiche Konzern wird dann erstmals von einem Manager geführt, der nicht aus dem eigenen Haus stammt.

In der Berufung Heinrich Hiesingers, der seit Oktober mit dem Kennenlernen seines neuen Arbeitgebers beschäftigt ist, sahen Beobachter eine Abwendung vom traditionellen Stahlbereich voraus. In seinen ersten Äußerungen betonte der zuvor bei Siemens für das Industriegeschäft verantwortliche Manager jedoch die Wichtigkeit des Geschäftsfelds. Allerdings sollen nach dem milliardenschweren Bau von Stahlwerken in Übersee die Mittel künftig “ausgeglichener” ausgegeben werden.

Für Mitte nächsten Jahres kündigte Hiesinger neue strategische Weichenstellungen an. Mit der Neugewichtung der Geschäftsbereiche dürften auch Pläne für das schwankungsanfällige Edelstahlsegment auf der Tagesordnung stehen. Bis dahin wird der Konzern wohl noch schlanker sein: Die Portfoliobereinigung soll weitergehen.

Dow Jones Newswires hat dem Unternehmen vier Fragen zum Ausblick auf das Jahr 2011 vorgelegt.

Wie lautet der konkrete Ausblick Ihres Unternehmens für das Jahr 2011 und darüber hinaus? Welche konkrete Ergebnis- und Umsatz- oder Margenprognose geben Sie für 2011?

Für Thyssen Krupp erwarten wir im Geschäftsjahr 2010/2011 eine weitere Steigerung des Umsatzes um 10% bis 15% (2009/2010: 42,6 Mrd EUR). Für das Konzernergebnis gehen wir von einer im Verhältnis zum Umsatz überproportionalen Steigerung aus. Diese Entwicklung folgt weiteren operativen Verbesserungen und der Erholung unserer Absatzmärkte. Sie wird die Ergebnisbelastung durch die Anlaufverluste der Business Area Steel Americas mehr als kompensieren. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (um Sondereinflüsse bereinigtes EBIT) wird voraussichtlich um 2 Mrd Euro liegen (2009/2010: 1,2 Mrd Euro).

Was sind die strategischen Herausforderungen, vor denen Ihr Unternehmen im Jahr 2011 stehen wird? In welchen Märkten wollen Sie mit welchen Maßnahmen wachsen?

Für das Geschäftsjahr 2010/2011 sind wir hinsichtlich der Entwicklung in unseren Kernmärkten und Hauptabsatzbranchen vorsichtig optimistisch. Der Fokus von ThyssenKrupp liegt unverändert auf einer kontinuierlichen Optimierung von Portfolio und Organisationsstruktur. Daneben konzentrieren wir uns auf den effizienten Hochlauf unserer neuen Stahl- und Weiterverarbeitungswerke sowie den damit verbundenen Markteintritt in den USA.

Wie schätzen Sie die Währungsentwicklung in den für Sie relevanten Beschaffungs- und Absatzmärkten im Jahr 2011 ein? Mit welchen Maßnahmen hat sich Ihr Unternehmen auf diese Entwicklung eingestellt bzw. will sich Ihr Unternehmen für diese Entwicklung wappnen?

Die Internationalität unserer Geschäftstätigkeit bringt eine Vielzahl von Zahlungsströmen in unterschiedlichen Währungen – vor allem US-Dollar – mit sich. Die Absicherung der hieraus resultierenden Wechselkursrisiken ist wesentlicher Bestandteil unseres Risikomanagements.

Thyssen Krupp hat im Edelstahlgeschäft zuletzt Verluste geschrieben. Gespräche zur Konsolidierung des Sektors blieben ergebnislos. Welche strategischen Optionen verfolgen Sie in dem Bereich? Welche Struktur des Edelstahlsegments schwebt Ihnen vor?

Stainless Global arbeitet derzeit an einer umfassenden Vorwärtsstrategie. Teil dieser Vorwärtsstrategie ist neben dem Bau des Werks in den USA die Weiterentwicklung und Optimierung der Standorte von Thyssen Krupp Nirosta in Deutschland.