Im Rahmen der Neuausrichtung bei ThyssenKrupp sollen weitere Sparten veräußert und andere

Im Rahmen der Neuausrichtung bei ThyssenKrupp sollen weitere Sparten veräußert und andere gebündelt werden. (Bild: Thyssen Krupp)

Von Jan Hromadko, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (DJ/gk/ks)–Am Ende stünde ein um knapp ein Viertel (Basis Umsatz 2009/10 von 42,62 Mrd Euro) geschrumpfter Konzern. Der Vorstand der ThyssenKrupp AG hat nach Angaben des Unternehmens von Donnerstagnacht umfangreiche Maßnahmen zur Restrukturierung beschlossen. Sie sollen dazu beitragen, die finanzielle Basis weiter zu stärken, um zusätzliche Flexibilität für den Ausbau “strategisch vielversprechender” Geschäfte zu gewinnen. Betroffen wären rund 35.000 der etwa 177.000 Beschäftigten.

ThyssenKrupp will sich künftig stärker auf das Automobilgeschäft konzentrieren und wird daher einige Zulieferbereiche verkaufen und andere miteinander verschmelzen. Zudem steht nun, anders als noch im November angekündigt, das Edelstahlsegment zur Disposition. Und es trägt den größte Umsatzbatzen: Im abgelaufenen Jahr beliefen sich die Einnahmen des Bereichs auf 5,9 Mrd Euro.

Die Ankündigung weiterer Maßnahmen kommt weniger als vier Monate, nachdem der von Siemens kommenden Heinrich Hiesinger das Ruder bei dem größten deutschen Stahlkonzern übernommen hat. Beobachter hatten erwartet, dass der neue CEO den Schwerpunkt eher weg vom Stahl-Geschäft verlagern würde, das in den vergangenen Jahren mit Milliarden-Investitionen ausgebaut worden war.

Außer dem Verkauf bestimmter Aktivitäten im Autozuliefergeschäft plant ThyssenKrupp die Zusammenlegung der Fahrwerk-Geschäfte der Bilstein-Gruppe und der Presta Steering. Aus dem Zusammenschluss gehe einer der weltweit größten Chassis-Full-Service-Provider mit etwa 2,2 Mrd Euro Umsatz und rund 6.500 Mitarbeitern hervor. Für die neue Gesellschaft will der Konzern auch strategische Partnerschaft prüfen, weitergehende Ausführungen machte er hierzu nicht.

Das Edelstahlgeschäft will ThyssenKrupp abgeben. Der europäische Markt- und Qualitätsführer im Edelstahlgeschäft soll eigenständig werden. Dafür würden nun alle Optionen für eine Weiterführung der Geschäfte außerhalb des Konzerns geprüft. Mit diesem Schritt folgt der DAX-Konzern dem Wettbewerber ArcelorMittal: Der weltgrößte Stahlkocher hatte sich im Januar von seinem Edelstahlgeschäft Aperam getrennt. Die Edelstahlbranche verspürt derzeit starken Gegenwind, vor allem wegen Überkapazitäten und Preisdrucks.

Die Sparte Stainless solle die Möglichkeit erhalten, ihre Wettbewerbsposition mit größerer Flexibilität – auch mit Blick auf potenzielle strategische Partnerschaften – weiterzuentwickeln, schreibt ThyssenKrupp. Zudem entstehe mehr Spielraum für weitere strukturelle Verbesserungen und Kosteneinsparungen.

Über weitere Details des Maßnahmenpakets will der Konzern im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung am 13. Mai 2011 berichten.