ThyssenKrupp will seine Militärschiffbau-Sparte mit der Marinesparte des französischen Konzerns

ThyssenKrupp will seine Militärschiffbau-Sparte mit der Marinesparte des französischen Konzerns DCNS bündeln. (Bild: Thyssen Krupp)

FRANKFURT (Dow Jones/buc). ThyssenKrupp und DCNS sowie die Regierungen in Berlin und Paris wollen nach der Sommerpause Gespräche über eine Zusammenarbeit nach dem Vorbild des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS führen, wie die “Financial Times Deutschland” (FTD) am Montag berichtet. Bei ThyssenKrupp war kurzfristig keine Stellungnahme zu dem Bericht zu erhalten.

Erste Kontakte im Hinblick auf ein “EADS der Meere” habe der französische Botschafter mit ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme eingefädelt, berichtet die FTD unter Berufung auf Insider. Auch das Management der Werftenkonzerne beider Länder – der Pariser Staatswerft DCNS, des Anteilseigners Thales sowie von ThyssenKrupp – sei bereits eingebunden, ebenso die Bundesregierung.

Der Prozess stehe allerdings noch am Anfang. Die Werftenfusion wäre die größte Industriekooperation beider Länder seit der Gründung von EADS im Jahr 2000. Europas Rüstungswerften stehen unter Druck, weil die Aufträge der nationalen Marinen sie immer weniger auslasten. ThyssenKrupp hatte bei Investoren die Erwartung geschürt, dass sich der Konzern rasch aus dem Marineschiffbau zurückzieht.

Deutschland lehnte Frankreichs Werben um eine solche Allianz bislang ab, so die FTD. Man habe schlechte Erfahrungen wegen der Pariser Einflussnahme bei Airbus und dessen Mutterkonzern EADS gemacht, hieß es. Deutsche Vertreter äußerten die Furcht, Paris gehe es in erster Linie um deutsche Technologie. Daher hatte ThyssenKrupp mit Rückendeckung der Bundesregierung beim Verkauf seiner Werftentochter Blohm + Voss Verhandlungen mit der arabischen Schiffbaugruppe Abu Dhabi Mar den Vorzug gegeben – vor einem Pakt mit dem Nato-Partner Frankreich.

Doch das Geschäft mit den Arabern scheiterte vor vier Wochen nach zwei Jahren Verhandlungen. Nun könnten laut FTD die Franzosen die Führung in einem Joint Venture zum Bau von Überwasserkriegsschiffen wie Fregatten erhalten. Im Gegenzug bekämen die Deutschen das Sagen in einer U-Boot-Gemeinschaftsfirma. Hier sind sie Marktführer. Allerdings beurteile die deutsche Seite die Erfolgschancen der neuen Gespräche wegen der früheren Erfahrungen kritisch, so die FTD.

Zudem müssten sich die deutsche und die französische Marine auf ein einheitliches Schiffsdesign einigen, hieß es. Hier gebe es jedoch große Vorbehalte. “Eine Marine ist daran gewöhnt, ihr Schiff von den Werften im eigenen Land so zu bekommen, wie sie es sich vorstellt”, zitiert die FTD einen Insider.