Von Martin Rapp, Dow Jones

DÜSSELDORF (Dow Jones/ks)–Das DAX-Unternehmen kündigte am Freitag höhere Anlaufverluste in Übersee an, bekräftigte aber zugleich seine Gewinnziele für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr. Die übrigen Geschäftsbereiche sollen die größere Ergebnisbelastung kompensieren.

Der in Duisburg und Essen ansässige Konzern steigerte in den ersten drei Monaten seines Geschäftsjahres Auftragseingang und Umsatz deutlich. Wie vor drei Wochen angekündigt, wurden jeweils Wachstumsraten von über 20% verzeichnet. Neue Order gingen im Volumen von 11,3 Mrd Euro ein, die Erlöse summierten sich auf 11,4 Mrd Euro. Vor einem Jahr hatte die ThyssenKrupp AG bei diesen Kennziffern jeweils gut 9,3 Mrd Euro ausgewiesen.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erreichte im Quartal mit 273 Mio Euro knapp den Vorjahreswert von 277 Mio Euro. Auch dies hatte der Konzern bereits mitgeteilt. Unter dem Strich lag der Nettogewinn bei 142 Mio Euro bzw 0,31 Euro je Aktie. Ein Jahr zuvor wurde ein Gewinn je Anteilsschein von 0,35 Euro erzielt.

Bis auf das Stahlgeschäft in Amerika haben alle Bereiche schwarze Zahlen geschrieben. So hat die europäische Stahlsparte ihr Ergebnis im Jahresvergleich verdoppelt. Das lange defizitäre Edelstahlsegment lieferte das dritte Quartal in Folge einen, wenn auch kleinen, Gewinn. Das Geschäft mit Rolltreppen und Aufzügen sowie beim Bau von Industrieanlagen läuft unverändert gut.

Für Hermann Reith von der BHF-Bank ist auf absehbare Zeit keine Schwäche zu erkennen. “Bei Elevators, Plant Technology und Component Technology sehen wir im ersten Quartal hervorragende Margen. Bei den derzeitigen Auftragseingängen sollte ThyssenKrupp diese auch bis Ende des Jahres halten können”, sagte der Analyst.

Die Anlaufverluste für die im Hochlauf befindlichen Stahlwerke in Brasilien und den USA bezifferte das Unternehmen auf 378 Mio Euro. Das Anfahren der Produktion geht langsamer vonstatten als gedacht. So ist die Auslastung des Brammenwerks in Brasilien noch bis Ende April auf 70% begrenzt, bis die endgültige Betriebsgenehmigung nach Differenzen über die Umweltbelastung vorliegt. Die teurere und verspätete Fertigstellung der Kokerei sorgt für zusätzliche Kosten.

Reith rechnet mit einer Entspannung im Jahresverlauf. “Die Anlaufkosten bei Steel Americas sind deutlich höher als ursprünglich erwartet, den Gipfel sollten wir aber gesehen haben”, sagte er. Dennoch ist damit ein Großteil des ursprünglich für das Gesamtjahr prognostizierten mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Verlusts des Geschäftsbereichs schon aufgebraucht. ThyssenKrupp rechnet nach eigenen Angaben nun mit einem Verlust im höheren dreistelligen Bereich.

Trotzdem soll das gesamte Konzernergebnis im Geschäftsjahr weiter stärker steigen als die 10% bis 15%, um die die Erlöse zunehmen sollen. Weitere operative Verbesserungen in Verbindung mit der Erholung der Absatzmärkte sollen die Ergebnisbelastungen durch Steel Americas mehr als kompensieren. Das bereinigte EBIT wird weiterhin bei rund 2 Mrd Euro erwartet nach 1,2 Mrd Euro im Vorjahr.

Im Auftaktquartal verzeichnete ThyssenKrupp zudem einen starken Anstieg der Verschuldung. Netto beliefen sich die Verbindlichkeiten Ende Dezember auf 5,8 Mrd Euro, gut 2 Mrd Euro mehr als drei Monate zuvor. Das Unternehmen nannte den hohen Finanzbedarf in Amerika und den durch die höhere Nachfrage forcierten Vorratsaufbau als Gründe. Allein letzterer schlug mit fast 1 Mrd Euro zu Buche.

ThyssenKrupp will im Geschäftsjahr die Barmittelzu- und -abflüsse, den so genannten Free Cashflow, weiter in der Waage halten. Das Ziel sei nun jedoch schwieriger zu erreichen, ist in einer Präsentation für Analysten zu lesen. Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel rechnet zwar mit einem sinkenden Schuldenstand zum Jahresende, erwartet aber nicht, dass die Nettoverschuldung Ende September auf dem Niveau des Vorjahrs liegen wird. “Wir rechnen für dieses Geschäftsjahr mit einem negativen Free Cashflow”, sagte Schachel.