Von Nico Schmidt, Dow Jones

FRANKFURT (ks)–Trotzdem blieb das in Duisburg und Essen ansässige Unternehmen am Mittwoch mit Verweis auf die bleibenden Unsicherheiten bei seinem vorsichtigen Ausblick für das im September endende Geschäftsjahr.

Die Einnahmen der ThyssenKrupp AG stiegen im zweiten Quartal dank der Konjunkturerholung leicht um 3% auf 10,1 Mrd Euro. Die Ertragslage wurde zusätzlich durch das milliardenschwere Sparpaket gestützt: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich auf 700 (142) Mio Euro. Vor Steuern verdiente der DAX-Konzern wieder, der Gewinn lag bei 191 Mio Euro nach einem Verlust von fast einer halben Milliarde Euro im Vorjahr.

Bereinigt um die teure Restrukturierung und Veräußerungsergebnisse lag das Vorsteuerplus bei 206 (minus 291) Mio Euro. Auch unter dem Strich erreichte ThyssenKrupp wieder schwarze Zahlen und verbuchte einen Gewinn von 206 (minus 329) Mio Euro.

Die Auftragsbücher füllen sich dank der anhaltenden Erholung auf den internationalen Stahlmärkten wieder: Im zweiten Quartal stiegen die Neubestellungen um mehr als ein Drittel auf 10,4 Mrd Euro. Die Nachfragebelebung spürte das Unternehmen nach eigenem Bekunden in nahezu allen Geschäftsbereichen.

Mit den vorgelegten Zahlen schnitt ThyssenKrupp durchweg besser ab als erwartet. Analysten hatten mit einem leichten Umsatzrückgang, einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 669 Mio Euro und einem Vorsteuergewinn von 155 Mio Euro gerechnet. Netto war ein Plus von 95 Mio Euro erwartet worden.

Dementsprechend positiv wurde die Zwischenbilanz am Markt aufgenommen. Ein Händler sprach allerdings davon, dass bereits über eine positive Überraschung spekuliert worden sei, was den Kursimpuls dämpfen könne. Im vorbörslichen Handel geht es für die ThyssenKrupp-Aktie jedoch nach oben. Gegen 8.25 Uhr wird das Papier bei 23,95 Euro zu 24,05 Euro getaxt und damit gut 2,5% über dem Vortagesschluss.

Vorstandvorsitzender Ekkehard Schulz erklärte: “Die Nachhaltigkeit der derzeitigen wirtschaftlichen Erholung beurteilen wir vorsichtig optimistisch.” Das Kostensparprogramm verlaufe nach Plan und werde die Ertragskraft des Konzerns nachhaltig stärken.

Um der Krise entgegenzusteuern, hatte sich der Konzern im vergangenen Jahr einen grundlegenden Umbau verordnet. Bis zum Geschäftsjahr 2010/11 sollen die Kosten unter anderem durch umfassende Stellenstreichungen und den Verkauf von Unternehmensteilen um 1,5 Mrd bis 2 Mrd Euro sinken.

Angesichts der verbleibenden Unsicherheiten bestätigte der DAX-Konzern seine vorsichtige Prognose. Nach Aussage von Schulz sind insbesondere die Auswirkungen der jüngsten massiven Preissteigerungen für wesentliche Rohstoffe noch nicht zuverlässig abschätzbar. Die Stahlsparte von ThyssenKrupp muss künftig teilweise nicht nur doppelt so viel für Eisenerz bezahlen, sondern sich zusätzlich auf die vierteljährliche Neuverhandlung der Lieferverträge einstellen. Noch ist nicht klar, inwiefern diese Nachteile an die Kunden weitergegeben werden können.

Nach wie vor geht ThyssenKrupp für das Geschäftsjahr 2009/10 daher von einer Stabilisierung des Umsatzes sowie einer signifikanten Ergebnisverbesserung aus. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen soll im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen, der bereinigte Vorsteuergewinn in niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe.

Im vergangenen Geschäftsjahr war der Umsatz um fast ein Viertel auf 40,6 Mrd Euro geschrumpft, und vor Steuern wurde ein Verlust von 2,4 Mrd Euro verbucht. Unter dem Strich stand seinerzeit ein Minus von 1,87 Mrd Euro zu Buche.

Mit Blick auf die Halbjahreszahlen scheint diese Prognose konservativ: Denn in den ersten beiden Quartalen 2009/10 summiert sich das bereinigte EBIT bereits auf 770 Mio Euro auf und das bereinigte Vorsteuerergebnis auf 443 Mio Euro. Analysten rechnen daher im weiteren Jahresverlauf mit einer Prognoseanhebung, hatten diese zum Ende des ersten Halbjahres aber noch nicht erwartet.

Für 2010/2011 erwartet ThyssenKrupp nach Aussage des scheidenden Vorstandschefs Schulz eine Verbesserung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds sowie weitere positive Effekte aus dem Kostensenkungsprogramm. Dies werde sich entsprechend auf Umsatz und Ergebnis auswirken.