Hiesinger, Thyssenkrupp

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger lehnt die Pläne mancher Investoren zur Zerschlagung des Konzerns ab. - Bild: Thyssenkrupp

Hiesinger reagierte damit indirekt auf die jüngsten Zerschlagungsfantasien, ausgelöst durch Forderungen von Cevian, der rund 18 Prozent an den Essenern hält. Die Aktie stieg nach den Äußerungen auf den höchsten Stand seit September.

Der Chef des Finanzinvestors, Lars Förberg, hatte zuvor mehrfach eine Zerschlagung des Essener Konzerns gefordert: "Ob das am besten durch Gemeinschaftsunternehmen, Abspaltungen oder den Börsengang einer Tochter zu erreichen ist, müssen Aufsichtsrat und Vorstand gemeinsam entscheiden", sagte er zuletzt in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung".

Hiesinger wies solche Ansinnen zurück. Angesichts eines wenig verlässlichen Umfeldes sei es "gut, nicht zu eng aufgestellt zu sein". Die Führung von Thyssenkrupp als integrierten Konzern schließe jedoch Veränderungen in der Zusammensetzung nicht aus. "Ganz im Gegenteil: Vor sechs Jahren hatte Thyssenkrupp acht Geschäftsbereiche, heute sind es fünf, mit Gründung des Joint Ventures (mit Tata) werden es vier sein."

Thyssenkrupp will seine Stahlsparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der indischen Tata Steel einbringen. Die Transaktion soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Thyssenkrupp werde danach "natürlich anders aussehen". Der Konzern werde sich stärker auf die Industriegeschäfte konzentrieren. "Wie genau wir das angehen, wird Teil unseres jährlichen Strategiedialogs von Vorstand und Aufsichtsrat im Mai sein."

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    Alles beginnt am Anfang. Wir schreiben das Jahr 1811, genauer den 20. November, als Friedrich Krupp mit zwei Teilhabern eine Gussstahlfabrik in Essen gründet. Bereits fünf Jahre später gelingt bereits die Herstellung von hochwertigem Gussstahl (Tiegelstahl) in größeren Mengen. Nach dem Tod des Gründers übernehmen Witwe und Sohn das Unternehmen. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Über die Jahre entwickelt sich Krupp weiter. Der Prozess vom Walzrohling zur kompletten Walzmaschine lohnt sich für das Unternehmen. Die gefertigten Produkte belegen die hohe Qualität und Belastbarkeit des Tiegelstahls, weshalb dieser bald auch seinen Weg in Achsen, Federn und Reifen der Eisenbahn findet. Letztere findet man ab 1875 auch im Firmenzeichen. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Während Krupp sich bereits zu einem großen Konzern entwickelt, beginnt dieser Prozess für ein anderes Unternehmen gerade erst. August Thyssen gründet am 1. April 1871 mit seinem Vater die Firma Thyssen & Co. in Styrum (Mülheim an der Ruhr). Das Unternehmen betreibt zu Beginn nur ein Stahl- und Bandeisenwalzwerk und wird dann systematisch erweitert. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    1883 kauft August Thyssen die ersten Kuxe an der Zeche Gewerkschaft Deutscher Kaiser. Acht Jahre später wird er, durch Kauf aller Anteilsscheine, gemeinsam mit seinem Bruder zum Eigentümer der Steinkohlezeche und beginnt mit dem Ausbau zum Hüttenwerk mit eigener Kohlenbasis. 1895 wird die Gewerkschaft Deutscher Kaiser zum integrierten Hüttenwerk ausgebaut. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Krupp expandiert indessen ebenfalls. So erfolgen beispielsweise der Kauf des Grusonwerks in Magdeburg, der Schiff- und Maschinenbau AG Germania in Kiel und der Erwerb der Zeche Hannibal bei Bochum. Außerdem wird 1896 in Rheinhausen das später Friedrich-Alfred-Hütte genannte Hüttenwerk gegründet, welches schnell eine beachtliche Größe erreicht. 1903 wird Krupp in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die Familie Krupp bleibt an der Unternehmensspitze. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Auch Thyssen durchlebt ereignisreiche Zeiten. Der Konzern baut eine eigene Handels- und Schifffahrtorganisation. Niederlassungen auf der ganzen Welt werden gegründet und neue Stahlwerke gebaut. 1913 nimmt Thyssen, nur übertroffen von Krupp, eine Führungsposition in der westdeutschen Eisen- und Stahlindustrie ein. Mit dem Ersten Weltkrieg erfolgt bei der Gewerkschaft Deutscher Kaiser die Produktion von Rüstungsgütern, aber auch Krupp muss staatliche Aufträge erfüllen und wird zum Waffenlieferant. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stellt Krupp auf eine Friedensproduktion ohne Rüstungsgüter um. Dies führt zu einer schweren Krise die beinahe das Ende für das Unternehmen bedeutet, doch es gelingt dies zu verhindern. Schon ab 1933 sorgen Nationalsozialisten erneut für eine Aufnahme der Waffenproduktion. Krupp spielt auch während des Zweiten Weltkrieges eine große Rolle, was dazu führt, dass das Unternehmen später Alliierter Kontrolle unterstellt wird. Erst ab 1953 ist die Führung des Konzerns wieder Krupp-Angelegenheit. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Thyssen benennt 1919 die Gewerkschaft Deutscher Kaiser in August Thyssen-Hütte, Gewerkschaft um. 10 Jahre danach bringt der Konzern wesentliche Teile in die Vereinigten Stahlwerke ein. Im Dritten Reich entsteht daraus die August Thyssen-Hütte als rechtlich selbstständige Betriebsgesellschaft. Fritz Thyssens bricht später mit dem NS-Regime und wird verhaftet. Bombenangriffe sorgen dafür, dass die Thyssenhütte 1945 nicht mehr produzieren kann. Eine geplante Demontage kann 1949 verhindert werden. Es erfolgt eine Neugründung außerhalb der Vereinigten Stahlwerke. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    1967 verzichtet der Erbe der Krupp-Familie auf sein Vermögen, welches somit auf die neu gegründete Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung als alleinige Gesellschafterin übergeht. Krupp beginnt wieder zu expandieren und die Stahlbasis auszubauen. Um die 80er und 90er Jahre erfolgt bei dem Konzern eine weitreichende Reorganisation. Im Jahr 1992 erfolgt die Fusion mit Hoesch, einem Unternehmen, welches in sehr ähnliche Geschäftsbereiche tätig ist. Eine Neueinteilung der Geschäftsfelder führt zu einer völlig neuen Struktur innerhalb des Konzerns. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Die horizontale und später auch vertikale Diversifikation sowie die Angliederung einer Handelsorganisation sorgen dafür, dass das Unternehmen Thyssen wieder wächst. 1973 erwirbt der Konzern das Unternehmen Rheinstahl und schafft so unter anderem neue Erzeugungs- und Verarbeitungskapazitäten von Eisen, Stahl und Edelstahl. Nachdem ein geplanter Zusammenschluss mit Krupp im Stahlbereich 1983 nicht stattfindet erfolgen anderweitige Strukturänderungen. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Im März 1997 wird bekannt, dass Hoesch-Krupp versucht den Thyssen Konzern durch den Kauf von Aktien mehrheitlich zu erwerben. Schlussendlich wird die Übernahme nicht durchgeführt, doch beide Unternehmen führen nun intensive Gespräche über das industrielle Konzept einer gemeinsamen Flachstahlgesellschaft. Der Startschuss für Thyssen Krupp Stahl fällt am 1. September 1997. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Weitere Gespräche über mögliche Zusammenarbeiten folgen und enden mit einem Gesamtzusammenschluss. Am 17. März 1999 wird Thyssenkrupp ins Handelsregister eingetragen. Der neu entstandene Konzern wird in 23 Geschäftsbereiche gebündelt, die fünf Unternehmensbereiche bilden: Steel, Automotive, Industries, Engineering und Materials & Services. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Bis zum Jahr 2007 läuft es für Thyssenkrupp sehr gut, doch die Weltwirtschaftskrise trifft das Unternehmen schwer. Dennoch schafft es der Konzern auch in diesen Zeiten zu bestehen. Seit 2015 tritt Thyssenkrupp unter einer neuen einheitlichen Dachmarke auf der ganzen Welt auf. Das Unternehmen unterteilt seine Geschäftsaktivitäten in sechs Business Areas: Components Technology, Elevator Technology, Industrial Solutions, Materials Services, Steel Europe und Steel Americas. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

Kritik kam auch von Aktionär Union Investment, der vier Millionen Thyssenkrupp-Anleger vertritt. Fondsmanager Ingo Speich kritisierte den Umbau als zu langsam und halbherzig. "Mit der Stahlfusion ist es nicht getan", sagte er laut Redetext. Der Konzernumbau müsse weiter gehen, Sparten und Geschäftsfelder müssten auf den Prüfstand gestellt werden. "Es darf dabei keine Denkverbote und Tabus mehr geben."

Wenn sich Gelegenheiten zu Joint Ventures oder vorteilhaften Verkäufen böten, sollten diese genutzt werden. Im Blick hat Speich dabei etwa den Werkstoffhandel, den Anlagenbau oder das U-Bootgeschäft. "Die Komplexität muss reduziert werden, man betreibt zu viele kapitalintensive Geschäfte, die man sich mit der schwachen Kapitalausstattung eigentlich nicht leisten kann." ThyssenKrupp solle sich schlanker aufstellen, forderte er.

Hiesinger verteidigte hingegen seinen Kurs. "Wir haben konsequent unsere Kennzahlen verbessert, Risiken abgebaut und unsere Bilanz aufgeräumt", sagte der Konzernchef. Er räumte ein, dass für die Zukunft die Ansprüche höher seien. "Mittelfristig werden wir deutlich höhere Ergebnis-, Cash- und Wertbeiträge erzielen, und damit wird auch wieder eine höhere Dividende möglich." Schwachstelle von Thyssenkrupp sei der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft, gab der Vorstandschef zu.

Die Prognose für das Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende September) bekräftigte er. Der Umsatz soll im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich steigen. Das bereinigte operative Ergebnis soll von 1,7 Milliarden auf 1,8 bis 2,0 Milliarden Euro zulegen. Der Jahresüberschuss wird deutlich positiv erwartet. Das erste Quartal werde im Rahmen des Ausblicks liegen. "Die Richtung stimmt", sagte Hiesinger.

Bei Anlegern stießen die ersten Meldungen von der Hauptversammlung auf ein positives Echo: Die Aktien bauten mit Beginn der Veranstaltung ihre Gewinne aus. Sie standen zuletzt mit 3,81 Prozent im Plus bei 26,14 Euro, womit sie im Dax den Spitzenplatz belegte.