Thyssenkrupp

"Thyssenkrupp wird sich von weiteren Sparten trennen müssen, um das Eigenkapital zu stärken und die Verschuldung in den Griff zu bekommen", sagte Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment. - Bild: Thyssenkrupp

"Wir wünschen uns mehr Mut zur Veränderung", sagte Ingo Speich, Portfoliomanager beim Thyssenkrupp-Aktionär Union Investment, laut Redemanuskript am Freitag bei der Hauptversammlung.

Derzeit bestünden gute Chancen, einzelne Sparten oder Geschäftsfelder zu verkaufen, sagte Speich. "Unter dem Strich liegt die Summe der Einzelteile bei konservativer Rechnung etwa 70 Prozent über dem derzeitigen Wert des Gesamtkonzerns." Er sei nicht für eine Zerschlagung des Konzerns, über die Beobachter immer wieder spekulieren. Aber durch einen Verkauf der lukrativen Aufzugssparte, des U-Boot-Geschäfts oder des Autozulieferergeschäfts ließen sich "Werte heben", sagte Speich.

Hiesinger hatte zuvor erneut die Verbundstrategie beschworen. "Diese Diversifizierung erhöht die Stabilität unseres Konzerns in einem volatilen Umfeld", sagte der Thyssenkrupp-Chef. Zudem ließen sich so Wachstumschancen besser nutzen.

Am Kapitalmarkt hat Hiesinger mit seinem Kurs derzeit wenig Erfolg. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate ist der Wert der Thyssenkrupp-Aktie um rund ein Drittel eingebrochen. Die Entwicklung sei "unzufriedenstellend", sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz vor der Hauptversammlung.

Portfoliomanager Speich kritisierte auch die Dividende, über die die Aktionäre am Freitag abstimmen. "Statt fast 85 Millionen Euro an die Aktionäre auszuschütten, müsste dringend die Bilanz gestärkt werden", sagte Speich und verwies auf die Eigenkapitalquote von rund 9 Prozent, die "viel zu niedrig" sei. Thyssenkrupp will für das vergangene Geschäftsjahr 15 Cent je Aktie ausschütten, das sind 4 Cent mehr als im Vorjahr. Die Dividende werde "erneut aus der nicht vorhandenen Substanz bezahlt", sagte Speich.

Trotz seiner Kritik stellte Speich sich hinter die Thyssenkrupp-Führung: "Es war eine enorme Leistung, das Unternehmen am Abgrund zu stabilisieren und vor dem Untergang zu bewahren", sagte er. In den vergangenen beiden Jahren hatte der Konzern erhebliche Fortschritte erzielt.

Bei der Hauptversammlung am Freitag stimmte Hiesinger die Aktionäre aber auf ein schwieriges Jahr ein. Der Konzernchef bestätigte zwar die Prognose, allerdings unter Vorbehalt: Das angepeilte operative Ergebnis werde der Konzern nur erreichen, wenn sich die Werkstoffmärkte deutlich erholten. Thyssenkrupp hatte im November ein operatives Ergebnis zwischen 1,6 Milliarden Euro und 1,9 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Einige Branchenexperten zweifeln mittlerweile daran, dass der Konzern sein Ziel erreicht. So rechnet Bankhaus-Lampe-Analyst Marc Gabriel nur noch mit einem bereinigten EBIT von knapp 1,34 Milliarden Euro - das wäre ein Rückgang von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.