Thyssenkrupp Essen

Bei Thyssenkrupp wird an der Kostenschraube gedreht. - Bild: Pixabay

Zudem will der Manager nochmals an der Kostenschraube drehen - vor allem in der Konzernzentrale, dem schwächelnde Anlagen- und Schiffbau sowie im Aufzugsgeschäft. Die Aktie gab am späten Vormittag leicht nach.

"Wir sehen ein gemischtes Bild. Die aktuellen Ergebnisse stellen uns unter dem Strich nicht zufrieden", sagte Kerkhoff bei der Vorlage der Zahlen am Donnerstag in Essen. So betrug der Nettoverlust in den drei Monaten per Ende Juni 131 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 254 Millionen Euro im Vorjahr.

Negativ wirkten sich wie bereits bekannt die anhaltenden Probleme im Anlagen- und Schiffbau aus. Das derzeitige Sorgenkind war bereits Auslöser für eine Gewinnwarnung Anfang August. Zudem belastete ein einmaliger Steueraufwand in Zusammenhang mit der Ausgliederung des Stahlgeschäfts.

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Sinkende Ergebnisse in fast allen Sparten

Auch das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) sank im Quartal deutlich - von 519 auf 332 Millionen Euro. Mit Ausnahme des Rohstoffhandels verzeichneten alle Sparten sinkende Ergebnisse. Auch im Aufzugsgeschäft, der profitabelsten Sparte, verdiente Thyssenkrupp weniger - höhere Materialpreise insbesondere in China und der starke Euro waren der Grund dafür. Daher senkte Manager Kerkhoff für diesen Bereich die Jahresprognose.

Es gab aber auch Lichtblicke. So stieg der Umsatz im Konzern um 7 Prozent auf gut 11 Milliarden Euro, der Auftragseingang legte ebenfalls um 7 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro zu. Gebremst wurde das Wachstum vom stärkeren Euro.

"Wir müssen uns in all unseren Geschäften deutlich verbessern", erklärte Kerkhoff. "Thyssenkrupp wird nur dann erfolgreich sein, wenn sich alle Geschäftsbereiche erfolgreich mit den Besten im Markt messen können", sagte der Manager in einer Telefonkonferenz. Hier sieht der Finanzvorstand, der jüngst nach dem Abgang Heinrich Hiesingers den Chefposten übergangsweise übernommen hatte, Nachholbedarf.

Zudem setzte sich das Unternehmen ein ehrgeiziges Liquiditätsziel. So soll der freie Mittelzufluss vor Akquisitionen bis zum Geschäftsjahr 2020/21 (per 30. September) bei mindestens einer Milliarde Euro liegen. Derzeit ist diese Kennziffer, die große Beachtung bei den Analysten findet, tiefrot. "Das ist ein Zustand, der auf Dauer nicht tragbar ist."

Weiter gesenkt werden sollen die Kosten in der Konzernzentrale. Bis 2020/21 sollen sie im Vergleich zum vergangenen Geschäftsjahr um mehr als 150 Millionen Euro auf dann weit unter 400 Millionen Euro herab gesetzt werden. Zudem sollen in allen Geschäftsbereichen die Komplexität und die Prozesse vereinfacht werden.

In der Aufzugssparte will Thyssenkrupp die Verwaltungskosten um 100 Millionen Euro senken. Zudem soll das Produktportfolio weiter ausgemistet und die Zahl der Produkte um weitere 40 Prozent gesenkt werden. "Wir sind hier zu komplex und machen zuviel", bilanzierte Kerkhoff. Einen großen Margensprung sieht Kerkhoff jedoch nicht - die Ebit-Rendite soll in den kommenden drei Jahren von derzeit 12 auf 13 Prozent steigen. Langfristig bleibt das Ziel einer Rendite von 15 Prozent bestehen.

Tiefgreifender Umbau beim Anlagen- und Schiffbau

Beim Anlagen- und Schiffbau steht ein tiefgreifender Umbau an. Die Aufstellung müsse an die veränderten Marktbedingungen angepasst werden, so Kerkhoff. Denn Thyssenkrupp hatte ursprünglich auf ein Wachstum bei Großprojekten vor allem im Chemie- und Zementanlagenbau gesetzt.

Doch gerade dort habe sich die Zahl der Projekte zuletzt verringert. Das Unternehmen will sich daher künftig verstärkt auf kleinere Projekte und das renditeträchtigere Servicegeschäft konzentrieren.

Zudem sollen die Kosten sinken. Details soll es im Herbst geben. Ob es zu einem weiteren Stellenabbau kommen wird, wollte Kerkhoff nicht sagen. Bereits im vergangenen Sommer hatte der Konzern ein Maßnahmenpaket aufgelegt, das den Abbau von rund 2000 Stellen vorsah.

Das Komponentengeschäft soll in den kommenden drei Jahren seine operative Marge (Ebit) von derzeit 5 Prozent auf 7 Prozent steigern. Hier setzt Thyssenkrupp vor allem auf das Hochfahren des Lenkungsgeschäfts, dass das operative Ergebnis der Sparte in den kommenden drei Jahren um mehr als 100 Millionen Euro verbessern soll.

Der Konzern steht unter Druck, bessere Ergebnisse zu liefern. Ein anhaltender Konflikt mit Großaktionär Cevian sowie Uneinigkeit im Aufsichtsrat über die Strategie hatten zuletzt eine Führungskrise ausgelöst. Chef Hiesinger sowie Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Lehner warfen das Handtuch. Mitgründer des Finanzinvestors Cevian, Lars Förberg, forderte wiederholt mehr Freiraum für einzelne Sparten.

Dabei gab es zuletzt moderatere Töne, nachdem Förberg vorher Thyssenkrupp und die Führung um Hiesinger scharf kritisiert hatte. Weiteren Druck könnte der US-Hedgefonds und Thyssenkrupp-Großaktionär Elliott aufbauen, der ebenfalls eine Neuausrichtung fordert, ebenso wie Cevian aber nicht von Zerschlagung reden will. Dennoch geistert das Thema durch den Raum.

Kerkhoff wollte sich zu den Spekulationen nicht weiter äußern. Der Vorstand habe das Mandat erhalten, den bisherigen Weg "bis auf weiteres fortzusetzen - mit allen Geschäften unter einem Dach". Das Management von Thyssenkrupp müsse sich auf das konzentrieren, "was wir selbst in der Hand haben".

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    Platz 10: ESF Elbestahlwerke Feralpi. - Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl/Statista; Bild: ESF Elbestahlwerke Feralpi

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    Platz 9: Lech Stahlwerke. - Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl/Statista; Bild: Pixabay

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    Platz 8: Georgsmarienhütte. - Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl/Statista; Bild: Pixabay

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    Platz 7: Riva. - Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl/Statista; Bild: Pixabay

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    Platz 6: Dillinger. - Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl/Statista; Bild: Dillinger

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    Platz 5: Badische Stahlwerke. - Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl/Statista; Bild: BSW

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    Platz 4: Saarstahl. - Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl/Statista; Bild: Saarstahl

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    Platz 2: ArcelorMittal. - Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl/Statista; Bild: ArcelorMittal

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    Platz 1: Thyssenkrupp. - Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl/Statista; Bild: Thyssenkrupp