Der größte deutsche Stahlhersteller ThyssenKrupp erwartet wegen der Flut in Australien höhere Stahlpreise.

DÜSSELDORF (Dow Jones/ks)–Die zuletzt wegen des Ausfalls von Kohleminen gestiegenen Preise für die kurzfristige Beschaffung von Kokskohle würden sich im zweiten Kalenderquartal in den Beschaffungskosten niederschlagen, erklärte ein Sprecher des DAX-Konzerns am Mittwoch. Diese sollen nach Möglichkeit an die Kunden weitergegeben werden, ergänzte er.

Der von der Überschwemmung betroffene Bundesstaat Queensland ist der weltgrößte Exporteur der für die Stahlherstellung benötigten Kokskohle. Verschiedene Minenkonzerne haben sich unter Verweis auf höhere Gewalt bereits von Lieferverpflichtungen befreien lassen, nachdem Kohleförderung und -transport wegen des Hochwassers eingeschränkt sind.

Ein gutes Drittel der weltweiten Kapazitäten sind von der Flut betroffen, gibt Rohstoffanalyst Curt Woodworth von Macquarie an. Die Preise am Spotmarkt seien zuletzt um 10% auf 250 Dollar je Tonne gestiegen, berichten Analysten. Sie erwarten einen Anstieg auf 300 Dollar in den nächsten Wochen. Für die Herstellung einer Tonne Rohstahl werden 0,6 Tonnen Kokskohle benötigt.

Die in Duisburg und Essen ansässige ThyssenKrupp AG bezieht rund 40% ihres Jahresbedarfs von 3,6 Mio Tonnen Kohle aus Australien, wie der Sprecher ausführte. Momentan seien keine Auswirkungen zu beobachten, da Preise und Mengen für das laufende Quartal fixiert seien. Wegen der seit vergangenem Jahr geltenden quartalsweisen Preisanpassungen, die sich an den Spotpreisen orientieren, werde mit einem Effekt im zweiten Vierteljahr gerechnet.

Ein Sprecher des zweitgrößten Stahlproduzenten hierzulande, der im MDAX notierten Salzgitter AG, wollte über die Auswirkungen auf die Stahlpreise nicht spekulieren. Er sagte lediglich, dass aktuell keine Probleme aufträten und eventuelle Engpässe von der weiteren Wetterlage in Australien abhingen. Die Läger seien momentan gut gefüllt und das Unternehmen beziehe Kohle aus verschiedenen Regionen. Den Anteil australischer Kohle bei Salzgitter wollte er nicht beziffern.