Thyssen wächst zwar bei Aufträgen und Umsatz, dennoch bleibt die Entwicklung hinter den

Thyssen wächst zwar bei Aufträgen und Umsatz, dennoch bleibt die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück. Vor allem das Stahlgeschäft in Übersee belastet den Konzern (Bild: Thyssen Krupp).

Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires

DÜSSELDORF (ks)–Der Stahlbedarf von Automobilindustrie und Maschinenbau ist weiter hoch, die Anlaufverluste der Stahlwerke in Übersee gehen zurück. Die zum Verkauf stehende Edelstahlsparte schreibt derzeit aber keinen Gewinn. Insgesamt wuchs das operative Ergebnis weiter, wenn auch nicht so stark, wie die von Dow Jones Newswires befragten Analysten erwartet hatten.

Das in Duisburg und Essen ansässige Unternehmen erhielt in seinem dritten Geschäftsquartal Neuaufträge im Umfang von 14,1 Mrd Euro. Das waren knapp 30% mehr als vor einem Jahr. Die Erlöse wurden um 10% auf 12,9 Mrd Euro gesteigert. Vor allem das Stahlgeschäft in Europa und Amerika sorgten für Zuwächse.

Das Konzernergebnis wurde erneut vom Stahlgeschäft in Übersee in Mitleidenschaft gezogen. Mit einem Fehlbetrag von 190 Mio Euro belastete die Sparte “Steel Americas” den operativen Gewinn. Dennoch stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 545 Mio Euro. Die Verlustprognose für “Steel Americas” ist mit knapp 900 Mio Euro nach neun Monaten inzwischen fast ausgeschöpft. Thyssenkrupp will angesichts der in Brasilien und den USA erreichten Verbesserungen dennoch wie geplant mit einem höheren dreistelligen Millionenverlust in der Sparte auskommen.

Auch das Edelstahlsegment trug erstmals seit einem Jahr im dritten Quartal nichts zum Gewinn bei. In dem Bereich glichen sich Erträge und Kosten aus. Neben der gesunkenen Absatzmenge bei leicht niedrigeren Preisen wirkte sich der höhere Verlust im US-Werk aus. Thyssenkrupp will die Sparte abgeben und hat bereits Banken mit dem Vorhaben beauftragt. In Frage kommen eine Abspaltung, ein Verkauf oder ein Börsengang, wobei die beiden letzten Optionen wegen der geringen Ertragskraft des Bereichs und kartellrechtlicher Hürden von Beobachtern als schwierig eingeschätzt werden.

Unter dem Strich erzielte der Konzern einen Nettogewinn von 212 Mio Euro. Das waren 60 Mio Euro weniger als vor einem Jahr und gut 90 Mio Euro weniger, als Analysten im Durchschnitt geschätzt hatten. Auch beim EBIT hatten die Beobachter mit 585 Mio Euro mehr erwartet. Das Unternehmen erneuerte seine “anspruchsvolle” Zielsetzung, den Umsatz in diesem Jahr um 10% bis 15% und das Konzernergebnis überproportional steigern zu wollen. Das um Sondereffekte bereinigte EBIT soll im Geschäftsjahr rund 2 Mrd Euro erreichen. Nach neun Monaten beträgt das Umsatzwachstum 17%, das Konzernergebnis liegt in gleichem Maß unter dem Vorjahreswert.

Beim Abbau der Verschuldung kommt der Konzern indes voran. Zum ersten Mal seit anderthalb Jahren wurde der Barmittelabfluss gestoppt, für die Sommermonate bis zum Ende des Geschäftsjahres wird ein deutlicher Zufluss erwartet. Die Nettoverschuldung ging innerhalb der vergangenen drei Monate auf 6,2 Mrd von 6,5 Mrd Euro zurück.

Die 1,6 Mrd Euro, die Thyssenkrupp durch den Verkauf eigener Aktien erzielte, sind darin noch nicht enthalten. Dabei hatte der neue Konzernchef Heinrich Hiesinger Anfang Juli gutes Timing bewiesen: Nach den Turbulenzen an den Börsen müsste er jetzt mit einer halben Milliarde weniger planen.

Als eher enttäuschend bezeichnet ein Frankfurter Händler die Zahlen. Thyssenkrupp bleibe mit seinem EBIT um 40 Mio Euro unter den Erwartungen und zeige damit den befürchteten Margendruck. “Die Vorschusslorbeeren nach den Super-Zahlen von Salzgitter gestern waren übertrieben”, sagte der Händler mit Blick auf den 8-prozentigen Kursgewinn der Thyssenkrupp-Aktie vom Donnerstag. Das sehen Investoren ähnlich: Im frühen Handel am Freitag notieren Thyssenkrupp bei 22,72 Euro und damit -2,2% im Minus. Das Papier ist damit schwächster Wert im DAX.

Analysten sehen aber auch Positives im Quartalsbericht: “Der hohe Auftragseingang zeigt, dass es keine Anzeichen für eine größere konjunkturelle Abschwächung gibt”, sagte etwa Lampe-Bank-Analyst Marc Gabriel.