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Thyssenkrupp meldet ein gutes Quartal. - Bild: Thyssenkrupp

Wegen der Belastung aus dem Verkauf des Stahlwerks in Brasilien fiel in den drei Monaten von Januar bis März unter dem Strich aber ein hoher Verlust an. Thyssenkrupp hatte im Zuge der Veräußerung eine Wertberichtigung von 900 Millionen Euro angekündigt, die nun verbucht wurde.

Operativ lief es für den DAX-Konzern aber gut: Dank Zuwächsen im Stahlgeschäft und im Rohstoffhandel kletterte das bereinigte Ergebnis um knapp ein Drittel. Angesichts der guten Entwicklung erhöhte der Konzern seinen Gewinnausblick für das Geschäftsjahr 2016/17.

Thyssenkrupp rechnet nun mit einem bereinigten EBIT von 1,8 Milliarden Euro. Bisher hatte Thyssenkrupp 1,7 Milliarden Euro in Aussicht gestellt nach 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Das bereinigte operative Ergebnis der fortgeführten Aktivitäten, also ohne das Stahlwerk in Brasilien, wird bei 1,7 Milliarden Euro gesehen. Unter dem Strich rechnet Thyssenkrupp "ausschließlich" wegen der Belastung aus dem Verkauf mit einem deutlichen Minus.

Orderplus in allen Bereichen zweistellig

Besonders gut lief es im zweiten Geschäftsquartal für die Thyssenkrupp AG beim Auftragseingang, der um ein Drittel auf knapp 12 Milliarden Euro kletterte. Während der Ordereingang im europäischen Stahlgeschäft um rund ein Zehntel stieg, zogen die Aufträge im Anlagengeschäft um mehr als das Dreifache auf den höchsten Quartalswert seit drei Jahren an.

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"Alle Geschäfte haben zweistellige Zuwachsraten beim Auftragseingang erzielt", wird Thyssenkrupp-CEO Heinrich Hiesinger in der Mitteilung zitiert. Insgesamt zeigte sich Hiesinger, der den Konzern seit über sechs Jahren leitet, mit der operativen Entwicklung zufrieden. Der Umsatz stieg auf Konzernebene um 12 Prozent auf knapp 11 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT kletterte um 31 Prozent auf 427 Millionen Euro. Analysten hatten nur mit einem Umsatz von 10,3 Milliarden und einem bereinigten operativen Ergebnis von 408 Millionen Euro gerechnet.

Inklusive der Belastung aus dem Werksverkauf in Brasilien verzeichnete Thyssenkrupp einen operativen Verlust (EBIT) von 564 Millionen Euro. Im Vorjahr wurden operativ noch 281 Millionen Euro verdient. Den Nettoverlust bezifferte der Konzern auf 879 Millionen nach einem Gewinn von 61 Millionen Euro im Vorjahr. Im fortgeführten Geschäft, als ohne das brasilianische Stahlwerk, erzielte Thyssenkrupp zwar einen Gewinn, dieser sank aber deutlich auf 55 Millionen von 97 Millionen Euro.

Steel Europe mit Gewinnplus

Erfreulich lief es im europäischen Stahlgeschäft: Hier stiegen die Umsätze um rund ein Fünftel und das operative Ergebnis noch deutlicher auf 91 Millionen von 56 Millionen Euro. Positiv wirkten sich höhere Preise aus, begründete der Konzern die Entwicklung. Allerdings würden die positiven Preiseffekte im europäischen Stahlgeschäft teilweise durch die "stark gestiegenen" Rohstoffkosten, vor allem bei Kokskohle, aufgezehrt.

"Die Rohstoffmärkte und damit die Werkstoffgeschäfte unterliegen starken Schwankungen, die wir nicht beeinflussen können", so Hiesinger. "Deshalb konzentrieren wir uns strategisch auf den Ausbau der Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte. Das ermöglicht uns, in Zukunft stabilere Ergebnisse zu erwirtschaften und profitabel zu wachsen", fasst Hiesinger die Strategie zusammen.

Thyssenkrupp verhandelt seit Sommer letzten Jahres mit Tata Steel über eine Zusammenlegung des europäischen Stahlgeschäfts. Es brauche Zeit, eine "gute Lösung" zu finden, hieß es zuletzt von dem Konzern. Vor kurzem hatte Thyssenkrupp im eigenen Stahlgeschäft Kostensenkungen angekündigt: In den kommenden drei Jahren sollen die Kosten um 500 Millionen Euro gedrückt werden. Wieviele der etwa 27.000 Stellen des europäischen Stahlgeschäfts den Kürzungen zum Opfer fallen, ist unklar.

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Negativer Free Cashflow erwartet

Unter anderem wegen höheren Rohstoff- und Werkstoffpreisen fiel im ersten Halbjahr ein Free Cashflow von minus 1,95 Milliarden Euro an nach minus 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Die höheren Preise führten zu einer "temporär erhöhten" Mittelbindung im Netto-Umlaufvermögen, so Thyssenkrupp. Der Cashflow des zweiten Quartals habe sich bereits besser entwickelt als das Vorjahresquartal und deutlich besser als das Vorquartal.

Für das Geschäftsjahr rechnet der Konzern nun mit einem negativen Free Cashflow vor M&A im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Bisher hatte Thyssenkrupp einen leicht positiven Wert erwartet.