Xervon, ein Anbieter von Industriedienstleistungen, meldete zuletzt einen Umsatz von 668 Mio Euro im

Xervon, ein Anbieter von Industriedienstleistungen, meldete zuletzt einen Umsatz von 668 Mio Euro im Geschäftsjahr 2009/10 (Bild: Thyssenkrupp Xervon).

Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires (erweiterte und aktualisierte Version)

DÜSSELDORF (ks)–In kleinen Schritten kommt der Industriekonzern ThyssenKrupp seinen Zielen Schuldenabbau und Verschlankung näher. Mit dem Industriedienstleister Xervon wird nach über drei Jahren nun der letzte Teil der ehemaligen Sparte “Industrial Services” veräußert. Künftig soll das Geschäft, vorausgesetzt die Kartellbehörden stimmen zu, vom westfälischen Entsorger Remondis geführt werden, wie am Dienstag mitgeteilt wurde.

Xervon hilft mit weltweit rund 9.000 Mitarbeitern bei der Errichtung von Industrieanlagen und hält sie instand. Die Kunden aus Chemie, Energiewirtschaft und Bauindustrie sorgten im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 für einen Umsatz von knapp 670 Mio Euro. Zum Kaufpreis machte die ThyssenKrupp AG keine Angaben. Angesichts eines operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von gut 50 Mio Euro, wie Dow Jones Newswires aus Verhandlungskreisen erfahren hat, ist von einem niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag auszugehen.

Der in Duisburg und Essen ansässige DAX-Konzern arbeitet mit dem Verkauf einen weiteren Teil seines umfassenden Restrukturierungsprogramms ab. Der neue Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger will Unternehmensbereiche mit einem Umsatz von rund 10 Mrd Euro abgeben, mit den Erlösen die Verschuldung von über 6 Mrd Euro reduzieren und den Konzern mit “Ingenieurskompetenz” in wachstums- und renditestarke Märkte führen.

Der größte Brocken der Schlankheitskur wartet im Edelstahlgeschäft auf neue Eigner, das über die Hälfte des abzugebenden Umsatzvolumens ausmacht. Wegen des Umfangs und weil kartellrechtliche Hürden und schwankende Ertragskraft des Bereichs den Prozess erschweren, wird hier wohl erst 2012 Entscheidendes passieren. Daneben hat Hiesinger große Teile des Autozuliefergeschäfts zur Disposition gestellt. Das Paket an eigenen Aktien wurde noch vor den Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen für über 1,6 Mrd Euro verkauft.

Mit dem Verkauf der Metallumformsparte und der Vereinbarung zur Abgabe der zivilen Teile der Kieler HDW-Werft hat der Konzern im Juli Projekte vorangebracht, die zum Verkaufsprogramm gehören, aber bereits vor Hiesingers Amtsantritt gestartet wurden. Im Schiffbau kam es dabei nicht zu der erhofften großen Lösung, weil die arabische Gruppe Abu Dhabi MAR dann doch nicht bei Blohm & Voss zugriff. ThyssenKrupp sucht nun andere Käufer.

Auch Xervon ist ein Überbleibsel und das gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen bestand die Verkaufsabsicht auch hier schon länger, zum anderen ist der Bereich ein Teil einer ursprünglich komplett zum Verkauf stehenden Sparte. Im Sommer 2008 kündigte ThyssenKrupp die geplante Abgabe von “Industrial Services” an, musste im Jahr darauf aber die Sparte aufspalten und einzeln veräußern. Für zwei Bereiche wurden Käufer gefunden, für Xervon zunächst nicht. Ende vergangenen Jahres wurde der Prozess wieder aufgenommen, nun wohl mit Erfolg.

Zur Remondis AG & Co KG passt Xervon “sehr gut”, wie ein Sprecher des Abfallverwerters sagte. Man sei selbst schon bei Reinigung und Anlagenwartung in der Energiewirtschaft und Petrochemie aktiv, Xervon könne dazu die Rahmendienstleistungen bereitstellen. “Es ist die perfekte Ergänzung”, fügte der Sprecher hinzu.