Am Montag hatte Tognum überraschend mitgeteilt,

Am Montag hatte Tognum überraschend mitgeteilt, "Auffälligkeiten" bei seiner Tochtergesellschaft MTU Asia im Zusammenhang mit Vermittlerverträgen asiatischer Vertriebspartner entdeckt zu haben (Bild: Tognum AG).

Von Nico Schmidt und Christoph Rauwald, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Ein Teil des Abschlussberichts liege vor, nun bewerte man die Ergebnisse und prüfe mögliche Konsequenzen, sagte Coers in dem im Intranet des Motorenherstellers veröffentlichten Interview, in das Dow Jones Newswires Einblick hatte. “Wir bedauern sehr, dass es offenbar zu Compliance-Verstößen gekommen ist.”

“Unser Ziel ist eine lückenlose Aufklärung des Sachverhalts, die Klärung von Verantwortlichkeiten sowie das sofortige Beenden von Missständen”, sagte der Manager, der das Zepter bei Tognum erst vor einigen Wochen übernahm und zuvor Finanzvorstand des Unternehmens war. “Wir stehen mit den Behörden in engem Kontakt und haben selbstverständlich unsere uneingeschränkte Unterstützung bei den möglichen Ermittlungen zugesichert”.

Am Montag hatte Tognum überraschend mitgeteilt, “Auffälligkeiten” bei seiner Tochtergesellschaft MTU Asia im Zusammenhang mit Vermittlerverträgen asiatischer Vertriebspartner entdeckt zu haben. Diese werden seit mehreren Monaten von einem Team von Ernst & Young untersucht. Details gab es von den Friedrichshafenern zunächst nicht zu erfahren. MTU Asia hat seinen Sitz in Singapur.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ravensburg erklärte am Mittwoch, es gehe um Provisionszahlungen und Zuwendungen in Millionenhöhe im Zusammenhang mit dem Verkauf von Rüstungsgütern in Südkorea. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur “Bloomberg”, die sich auf eine Vorab-Version des Untersuchungsberichts von Ernst & Young beruft, geht es um zwielichtige Zahlungen in Höhe von mindestens 23 Mio Euro, die unter anderem für Aufenthalte im Rotlichtbezirk Bangkoks geflossen sein sollen.

Die Staatsanwaltschaft wartet nun auf die Vorlage des endgültigen Prüfungsberichts und will anschließend entscheiden, ob und gegen wen Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechlichkeit aufgenommen werden. In der Mitteilung Tognums hieß es zu Wochenbeginn, der Abschlussbericht von Ernst & Young solle wahrscheinlich noch im Laufe dieser Woche vorgelegt werden. Das Unternehmen will im Anschluss nach eigenem Bekunden zeitnah über die Ergebnisse und mögliche Konsequenzen informieren.

Die neuen Tognum-Eigentümer Daimler und Rolls-Royce forderten am Vortag eine Klärung der möglichen Korruptionsfälle. Das deutsch-britische Duo hatte im Frühjahr ein 3,4 Mrd Euro schweres gemeinsames Übernahmeangebot für Tognum gestartet und hält mit rund 97% mittlerweile fast alle Anteile des Traditionsunternehmens vom Bodensee.