Tognum ist in den letzten Wochen mehrfach in die Schlagzeilen geraten - nicht nur positiv. Bild:

Tognum ist in den letzten Wochen mehrfach in die Schlagzeilen geraten - nicht nur positiv. Bild: Tognum

“Auf Basis der guten Ergebnisentwicklung im dritten Quartal erwarten wir für das Gesamtjahr ein leicht besseres Ergebnis als bisher angenommen”, sagte Vorstandsvorsitzender Joachim Coers. “Alles in allem stehen bei Tognum die Zeichen auf weiteres profitables Wachstum.” Obgleich sich eine Abdämpfung der Wachstumsdynamik einzelner Märkte abzeichne, werde die Off-Highway-Branche im Jahr 2011 erneut kräftig wachsen, erklärte die Tochter von Daimler und Rolls-Royce in ihrem Zwischenbericht. Denn trotz der zunehmenden Unsicherheit lasse der expandierende Welthandel die Industriegüter-Branche überdurchschnittlich zulegen.

Für 2011 rechnet die Tognum AG nun mit einer bereinigten Marge vor Zinsen und Steuern von rund 11% nach 9,4% im Vorjahr. Beim Umsatz gehen die Friedrichshafener weiter von 2,9 Mrd EUR aus. Dank der hohen Nachfrage in allen wichtigen Regionen nahm Tognum zwischen Juli und September knapp 719 Mio Euro ein (+17%). Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern legte um gut 40% auf fast 79 Mio Euro zu, nach Steuern und bereinigt verdiente das Unternehmen vom Bodensee mit 54 Mio Euro sogar 60% mehr als im Vorjahr

Tognum bereinigt die Gewinnkennziffern um Abschreibungen auf Zukäufe und Wechselkurseffekte, da dies nach Einschätzung des Managements bessere Rückschlüsse auf den operativen Geschäftsverlauf zulässt. Ausschlaggebend für die gute Ertragslage waren nach Unternehmensangaben eine verbesserte Kapazitätsauslastung, Effizienzverbesserungen sowie eine günstige Preisentwicklung. “Tognum profitiert in diesem Jahr deutlich von der positiven Entwicklung auf seinen Endmärkten: Sowohl Auftragseingang als auch Umsatz sind im Vorjahresvergleich in nahezu allen Anwendungen gestiegen”, sagte der neue Vorstandschef Coers, der Anfang Oktober das Zepter von Volker Heuer übernommen hatte. Tognum stellt Motoren unter anderem für Yachten, Panzer und Lokomotiven her sowie dezentrale Energieanlagen.

Die Friedrichshafener sind in den vergangenen Wochen und Monaten gleich mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Zuerst starteten Daimler und Rolls-Royce im Frühjahr ein 3,4 Mrd Euro schweres Übernahmeangebot für den Motorenhersteller, in dessen Zuge sich das Bieterduo inzwischen rund 98% der Anteile sicherte. Seit rund drei Wochen macht Tognum außerdem wegen einer möglichen Compliance-Äffare von sich reden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Bestechung und der Untreue im Asien-Geschäft, nachdem der Motorenbauer den Stein selbst ins Rollen gebracht und die Behörde über möglichen Unregelmäßigkeiten in Kenntnis gesetzt hatte.

Unter anderem werden Provisionszahlungen an Vertriebsvermittler in Südkorea von rund 26,7 Mio Euro auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft, von denen mehr als die Hälfte auf Offshore-Konten ging. Beleuchtet werden außerdem Zuwendungen an südkoreanische Militärs, etwa in Form von Reisen nach Thailand und Besuchen in Etablissements in Höhe von 160000 Euro. Die zwielichtigen Zahlungen flossen zwischen 2000 und 2011. Im Zentrum der Untersuchungen steht der koreanische Vertriebsvermittler Chung Eui Sung, der unter anderem auch für ThyssenKrupp und die MAN-Tochter Renk aktiv ist. Tognum-Vorstand Peter Kneipp wurde vor dem Hintergrund der laufenden Untersuchungen Ende Oktober mit sofortiger Wirkung von seinem Amt enthoben. Er verantwortete viele Jahre das Asien-Geschäft des Motorenherstellers, ehe er Anfang 2011 in die Konzern-Führung aufstieg. Die neuen Tognum-Eigentümer, Daimler AG und Rolls-Royce plc, die mittlerweile auch die komplette Kapitalseite des Aufsichtsrats stellen, haben eine gründliche Aufarbeitung der möglichen Korruptionsfälle gefordert.