Toshiba

Der Streit von Toshiba mit Western Digital um ein Halbleiter-Gemeinschaftsunternehmen geht vor Gericht. - Bild: Calm 123/Wikipedia/CC BY 3.0

Toshiba-CEO Satoshi Tsunakawa sagte am Montag auf einer Pressekonferenz in Tokio, sein Konzern habe jedes Recht, das Speicherchip-Geschäft zu verkaufen, inklusive des Joint Venture mit Western Digital, selbst wenn der US-Konzern dagegen sei. "Western Digital hat kein Recht, sich in den Prozess einzumischen", sagte der Manager. Stunden zuvor hatte Western Digital angekündigt, den Fall vor ein Schiedsgericht zu bringen, um eine verbindliche Entscheidung herbeizuführen, die den Verkauf unterbindet.

Ein reibungsloser Verkauf des Chip-Geschäfts ist für Toshiba jedoch überlebenswichtig. Die Erlöse, die Analysten mit 15 bis 20 Milliarden Dollar beziffern, sollen die riesigen Verluste bei der US-Atomtochter Westinghouse Electric ausgleichen, die im März Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts beantragte.

Ausschluss der gemeinsamen Mitarbeiter

Toshiba hatte damit gedroht, Mitarbeiter von Western Digital den Zugriff auf das Computersystem des Joint Venture zu verweigern. Das könne bereits am Dienstag erfolgen, sagte eine Sprecherin. "Wir müssen so gut wie möglich verhindern, dass Informationen nach außen dringen", sagte CEO Tsunakawa.

Western Digital war mit der Übernahme von Sandisk im vergangenen Jahr der Anteil an dem Toshiba-Joint-Venture zugefallen. Die Amerikaner beschuldigen den Partner nun, Vereinbarungen über die Führung des Gemeinschaftsunternehmens mit Füßen zu treten. Western-Digital-CEO Steve Milligan sagte: "Toshibas Versuch, seine Joint-Venture-Beteiligung auszugliedern und zu verkaufen ist ohne die Zustimmung von Sandisk explizit untersagt."

Ein Gremium in San Francisco werde den Fall gemäß den Regeln der Internationalen Handelskammer anhören, wie es die Joint-Venture-Vereinbarung vorsehe, so Western Digital. Damit würde ein Prozess in Gang gesetzt werden, der mehr als ein Jahr dauern könnte.

Toshiba-CEO Tsunakawa gab sich zuversichtlich, dass er mit Interessenten weiter über einen Verkauf des Chip-Geschäfts werde verhandeln können. Der Konzern will bis Ende Juni einen Käufer gefunden haben, um seine Bilanz so bald wie möglich zu stärken.

Jahresabschluss noch nicht gültig

Toshiba kündigte am Montag an, für das im März beendete Geschäftsjahr voraussichtlich einen Verlust von 950 Milliarden Yen zu buchen, umgerechnet rund 7,65 Milliarden Euro. Grund ist der Verlust bei Westinghouse. Die Zahlen von Toshiba sind noch nicht endgültig, denn der Wirtschaftsprüfer hat unter anderem wegen Streitereien um die Westinghouse-Finanzen bisher abgelehnt, seine Unterschrift unter das Zahlenwerk zu setzen.

Mehrere Unternehmen bieten für die Halbleiter-Sparte von Toshiba, auch Western Digital. Mit dabei sind außerdem der taiwanische Apple-Zulieferer Foxconn, SK Hynix aus Südkorea und Broadcom aus den USA.

Auf die Frage, ob Toshiba eine Restrukturierung unter japanischem Insolvenzrecht in Erwägung zieht sagte der CEO, das sei nicht geplant, weil man nach wie vor von einem erfolgreichen Verkauf der Chip-Sparte ausgeht. "Der Prozess wird vorangehen wie wir das geplant haben, also gibt es keine Notwendigkeit für einen Plan B."