Akio Toyoda

Akio Toyoda: "Dies ist ein erster kleiner Schritt, der uns ermöglicht, über Automobile hinaus zu gehen und mithilfe künstlicher Intelligenz Toyotas Potenzial zu nutzen." - Bild: Toyota

Der japanische Konzern teilte am Freitag mit, er werde mindestens eine Milliarde US-Dollar in ein Forschungszentrum im Silicon Valley investieren. Dort will er sich mit Robotik und dem autonomen Fahren befassen.

Das zeigt, dass der weltgrößte Autobauer seine Zurückhaltung ein Stück weit ablegt und seine Pläne zur Entwicklung von "Smart Cars" vorantreibt. Autohersteller beeilen sich, dafür Entwicklungszentren in der Heimat der Tech-Industrie zu errichten, während neue Spieler wie Google viel Geld in Technologie für das selbstfahrende Auto stecken.

Leiter des Toyota Research Institute wird Gill Pratt, ein prominenter Experte für künstliche Intelligenz, der von U.S. Defense Advanced Research Projects Agency des US-Verteidigungsministeriums dieses Jahr zu Toyota gestoßen ist. Analysten sagen, die Zusage von 1 Milliarde Dollar über fünf Jahre ist eine der größten Investitionen im Silicon Valley durch einen Autohersteller, obwohl sie Summe nur einen Bruchteil des Barmittelbestands von Toyota in Höhe von 46 Milliarden Dollar darstellt.

"Dies ist ein erster kleiner Schritt, der uns ermöglicht, über Automobile hinaus zu gehen und mithilfe künstlicher Intelligenz Toyotas Potenzial zu nutzen", sagte Toyota-Präsident Akio Toyoda.

Pratt sagte, dass zusätzlich zur Fahrtechnologie auch Grundlagenforschung im Bereich Robotik für Haushalte, Fabriken und den Gesundheitssektor betrieben werden soll. Zudem sollen fortschrittliche Materialien entwickelt werden, die auch im Automobilbau zum Einsatz kommen können. Das Investitionsvolumen könnte noch aufgestockt werden.

Toyoda, der in seiner Freizeit Rennautos fährt, hat für vollständig autonom fahrende Autos bisher deutlich weniger Enthusiasmus an den Tag gelegt als die Chefs anderer Autobauer und Technologiefirmen. Er meint, es solle Spaß bringen, Auto zu fahren. Aber Toyota hat dennoch jüngst mit Straßentests für ein autonomes Fahrsystem namens "Highway Teammate" begonnen. Damit zusammenhängende Technologien will Toyota etwa ab 2020 auf den Markt bringen.

Pratt sagte am Freitag, dass das neue Labor an Technologien arbeiten werde, die darauf abzielen, menschliche Fahrer zu unterstützen, indem die Autos sicherer und besser zugänglich werden sollen, was insbesondere älteren Fahrern zugute kommt.

Außerdem soll laut Pratt das vollständig automatisierte Fahren untersucht werden, wo Google derzeit Vorreiter ist. Existierende Technologie könne zwar mit gängigen Bedingungen umgehen, die Systeme kämen aber immer noch nicht gut mit außergewöhnlichen Fahrsituationen zurecht.

"Fast alle Autohersteller und Google haben uns den einfachen Teil schon gezeigt", sagte Pratt in einem Interview. "Jetzt ist es an der Zeit, sich um die schwierigen Dinge zu kümmern."

Viele der großen Autohersteller aus den USA, Europa und Japan, zusammen mit einigen Zulieferern, haben bereits Forschungsstellen im Silicon Valley. Sie schauen mit Argusaugen auf die Entwicklungen von Google, Apple, Uber und anderen Technologiefirmen, die in die Automobilbranche vorstoßen.

Autohersteller machen sich außerdem Sorgen, dass eine neue Kundengeneration weniger an Autos als vielmehr an Smartphones und anderen Gadgets interessiert ist. Die Autobauer reagieren darauf, indem sie für größere Vernetzung der Autos und andere technologische Features in Fahrzeugen sorgen.

"Die rapide Entwicklung fortgeschrittener Technologie für das autonome Fahren und das vernetzte Auto bedeutet, dass Autohersteller mehr wie Tech-Startups agieren müssen denn als traditionelle Autobauer", sagte Analyst Karl Brauer von Kelley Blue Book.

Das Toyota Research Institute wird seinen Sitz im kalifornischen Palo Alto haben, wo auch die Stanford University beheimatet ist. Toyota wird außerdem mit einer Zweigstelle in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts vertreten sein, in der Nähe des Massachusetts Institute of Technology.

Der Autohersteller hat bereits Forschungsprojekte zum Thema künstliche Intelligenz mit diesen Universitäten angekündigt.

"Wir werden uns in einer ganzen Reihe hochriskanter, aber auch lohnender Projekte engagieren, und davon ausgehen, dass nur ein kleiner Teil von ihnen erfolgreich sein wird", sagte Pratt.