Streikende Mitarbeiter vor dem ABB-Werk Alzenau.

Streikende Mitarbeiter vor dem ABB-Werk Alzenau.

Bereits im März dieses Jahres hatte der ABB-Konzern die Schließung des Produktionsstandortes Alzenau bekannt gegeben. Als Grund wurde die wirtschaftlich schwierige Lage genannt, die sich negativ auf Auftragseingang und Ergebnis des Geschäftsbereichs ausgewirkt habe. Das Produktspektrum am Standort Alzenau umfasst Temperatur- und Durchfluss-Messtechnik. “Wir glauben, dass der Umsatz in der Prozessautomatisierung in 2010 im hohen einstelligen Bereich wachsen wird. Allerdings von dem relativ niedrigen Niveau von 2009 ausgehend. Einzelne Produktsegmente können sich dabei natürlich ganz unterschiedlich entwickeln”, berichtet Felix Seibl, Geschäftsführer des ZVEI Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomatisierung.

Trotzdem hält der Konzern an der Schließung des Werks Alzenau fest: “Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu gewährleisten und den Standort Deutschland für die Fertigung von Produkten für die Instrumentierung nicht gesamthaft in Frage zu stellen, reichen die bisher ergriffenen Maßnahmen wie Abbau von Gleitzeit oder Kurzarbeit nicht mehr aus. ABB sieht sich daher gezwungen, die Kosten nachhaltig zu senken”, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Bis Februar 2011 soll die Verlagerung der Produktion  abgeschlossen sein. Dazu Susanne Nagel, Betriebsratsvorsitzende ABB Alzenau: “Wir können diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Es wurden nur wenigen Mitarbeitern Stellen Angebote für eine Weiterbeschäftigung an den beiden anderen Produktionsstandorten gemacht. Deshalb wird dem Konzern viel Know-how verloren gehen und dies wird Auswirkungen auf die Qualität der Produkte haben!”.

ABB dementiert dies: “An den Standorten Alzenau, Minden und Göttingen werden für 197 Mitarbeiter individuelle Lösungen erarbeitet. Mit der Verlagerung werden insgesamt etwa 120 Stellen an anderen ABB-Standorten angeboten bzw. verbleiben im Rhein-Main-Gebiet. Damit wird das Unternehmen dem Anspruch gerecht, Arbeitsplätze möglichst zu erhalten. Außerdem ist so der Transfer des Know-hows sichergestellt. Wo eine Weiterbeschäftigung nicht möglich ist, haben die Betroffenen im Rahmen des Sozialplans die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. In Folge der gefundenen Vereinbarung hat die Gewerkschaft IG Metall ihre ursprünglichen Forderungen nach einem Tarif-Sozialplan zurückgezogen. Die Betriebspartner haben die gemeinsame Überzeugung, dass mit dem abgeschlossenen Sozialplan den regionalen arbeitsmarktspezifischen Herausforderungen substantiell Rechnung getragen wird”, heißt es in einer Pressemitteilung.

ABB in Deutschland erzielte im Jahr 2008 einen Umsatz von 3,69 Milliarden Euro und beschäftigte zum 30. Juni 2009 etwa 10.900 Mitarbeiter. ABB ist führend in der Energie- und Automationstechnik. Das Unternehmen ermöglicht seinen Kunden in der Energieversorgung, der Industrie und im Handel, ihre Leistung zu verbessern und die Umweltbelastung zu reduzieren. Der ABB-Konzern beschäftigt etwa 117.000 Mitarbeiter in rund 100 Ländern.