Containerschiff, Hafen

Die Nachfrage nach deutschen Produkten in Osteuropa ist groß. - Bild: Pixabay

"Der Warenaustausch mit den 21 vom Ost-Ausschuss betreuten Ländern stieg in der ersten Jahreshälfte um ein Fünftel auf 62,8 Milliarden Euro - fast 11 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum", erklärte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutsche Wirtschaft, Wolfgang Büchele, am Montag in Berlin. Der Anteil der Region am gesamten deutschen Außenhandel sei dadurch wieder auf deutlich über 5 Prozent geklettert.

Die deutschen Ausfuhren in die Region stiegen demnach im ersten Halbjahr um 17,1 Prozent auf 30,4 Milliarden Euro und damit erneut deutlich kräftiger als die deutschen Gesamtexporte (plus 6,1 Prozent). "Die Region direkt vor unserer Haustür trägt damit maßgeblich zum Exporterfolg Deutschlands und der anhaltend guten Konjunktur bei uns bei", sagte Büchele. Das Potenzial sei angesichts des großen Nachholbedarfs beim Ausbau der Infrastruktur, der Modernisierung der Wirtschaft sowie angesichts steigender Einkommen noch längst nicht erschöpft.

Aufschwung im Handel mit Russland

Den größten Zuwachs verzeichneten laut Ost-Ausschuss die deutschen Lieferungen nach Russland, die zwischen Januar und Juni 2017 um 2,6 Milliarden auf 12,7 Milliarden Euro (plus 26,3 Prozent) zulegten. "Die wirtschaftliche Belebung in Russland und der gute Ruf, den deutsche Produkte dort genießen, kurbelt den deutschen Russland-Export wieder an", sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende.

Im Gesamtjahr 2017 könnten die deutschen Ausfuhren in das Land um rund 20 Prozent steigen, prognostiziert der Ost-Ausschuss, der gleichzeitig vor Gefahren warnt: "Die neuen US-Sanktionen gegen Russland, deren konkrete Ausgestaltung noch offen ist, sorgen für eine erhebliche Verunsicherung unter deutschen Unternehmen", sagte Büchele.

Die deutschen Einfuhren aus Russland kletterten den Angaben zufolge im ersten Halbjahr 2017 noch kräftiger um fast vier Milliarden auf 16,2 Milliarden Euro - ein Plus von 31,2 Prozent. Dafür waren vor allem höhere Energiepreise und die steigende Abnahme von Energieträgern aus Russland verantwortlich.

"Russland hat seine Position als Energieversorger für Deutschland weiter ausgebaut", sagte Büchele. Vor diesem Hintergrund seien drohende US-Sanktionen gegen deutsche Unternehmen, die an gemeinsamen Projekten wie Nord Stream 2 beteiligt seien, "eine Bedrohung für die zuverlässige Energieversorgung Deutschlands und der EU und würden zu steigenden Preisen führen."

Kräftige Nachfrage in Südosteuropa

Die deutschen Ostexporte profitierten im ersten Halbjahr 2017 aber auch von der weiterhin kräftigen Nachfrage in Südosteuropa. Die Ausfuhren nach Rumänien und Serbien legten demnach um jeweils mehr als 10 Prozent zu, die Lieferungen nach Bulgarien und Kroatien um je sechs Prozent.

Kräftige Zuwächse gab es im ersten Halbjahr ebenfalls bei den deutschen Exporten in die Ukraine, die um 26,2 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro stiegen. "Die Ukraine ist wieder auf dem Radarschirm deutscher Exporteure", sagte Büchele.

Steil nach oben zeigen auch die deutschen Exporte nach Belarus, Kasachstan und Moldau, die jeweils um über ein Fünftel zulegten, wie der Ost-Ausschuss vorrechnete. Deutsche Unternehmen profitierten von der konjunkturellen Erholung in diesen Länder.

Rückläufig waren im ersten Halbjahr 2017 lediglich die deutschen Ausfuhren nach Aserbaidschan, Albanien, Kosovo und Montenegro.